Chiles Kirche bittet um Vergebung

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  • Weltkirche - 15.10.2018

Die personellen Aufräumarbeiten in der chilenischen Kirche gehen nach dem Missbrauchsskandal weiter. Papst Franziskus versetzte zwei Bischöfe in den Laienstand – die höchste Kirchenstrafe für Geistliche.

Am anderen Ende der Welt blieb der Chilenischen Bischofskonferenz wieder einmal nichts übrig als Abbitte zu leisten: Im Namen der Bischöfe und der Kirche bat sie die Opfer sexuellen Missbrauchs sowie deren Angehörige und Gemeinden durch Geistliche um Vergebung. Unterzeichnet war das am Samstag verbreitete Schreiben unter anderem von Santiagos Erzbischof, Kardinal Ricardo Ezzati, dem von Missbrauchsopfern selbst vorgeworfen wird, entsprechende Hinweise vertuscht zu haben. Er wurde erst vor wenigen Tagen von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter befragt, entschied sich aber dafür, von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch zu machen.

Innerhalb weniger Monate wird damit ein Kurswechsel um 180 Grad deutlich. Hatte die chilenische Kirche noch bis zum Papstbesuch zu Jahresbeginn nahezu alle Vorwürfe abgestritten, geht die personelle Aufarbeitung nun weiter. Die chilenische Bischofskonferenz setze damit den Weg der kirchlichen Erneuerung fort, hieß es weiter.

Kardinal Ricardo Ezzati Andrello, Erzbischof von Santiago de Chile.
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Papst Franziskus hatte am Samstag den in Deutschland lebenden chilenischen Erzbischof Francisco Cox Huneeus (84) wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Aus dem gleichen Grund versetzte er den früheren Bischof von Iquique in Chile, Marco Antonio Ordenes Fernandez (53), in den Laienstand. Es handelt sich um die härteste strafrechtliche Sanktion der katholischen Kirche für Kleriker.

Cox, von 1990 bis 1997 Erzbischof im chilenischen La Serena, wurde seit längerem sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt. Im Alter von 63 Jahren trat er von seinem Amt zurück, ohne dass die Kirchenleitung einen Grund angab. Üblicherweise bieten katholische Bischöfe erst mit 75 ihren Amtsverzicht an. Seit 2002 lebte Cox am Stammsitz seiner Ordensgemeinschaft der Schönstattpatres in Vallendar bei Koblenz. Der damalige Erzbischof von Santiago, Kardinal Francisco Javier Errazuriz, begründete den Wegzug mit einem „unangemessenen Verhalten“ des Geistlichen.

Die Schönstatt-Bewegung in Chile bekundete nach der Sanktionierung ihres Mitglieds Cox Scham für die Leiden der Opfer. Zugleich erklärte die Gemeinschaft am Samstag, man wolle von Ärzten klären lassen, ob der 84-jährige ehemalige Erzbischof von seinem jetzigen Aufenthaltsort in Vallendar bei Koblenz wieder nach Chile gebracht werden könne. Die Schönstatt-Leitung sicherte weiter Zusammenarbeit mit der chilenischen Justiz zu.

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Anfang August stellte die Schönstattbewegung nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz Strafanzeige gegen Cox wegen eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls 2004. Die Behörde lehnte die Aufnahme von Ermittlungen ab, da das geschilderte Verhalten des Angezeigten zur Tatzeit 2004 keinen Straftatbestand erfüllt habe.

Der aus Iquique stammende Ordenes war 2006 zum Leiter seines Heimatbistums ernannt worden. 2012 trat er offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurück. Zu dem Zeitpunkt liefen bereits ein staatliches und ein kirchliches Verfahren gegen den Bischof. Ordenes reiste nach dem Amtsverzicht zu einer medizinischen Behandlung nach Peru, wo er seither lebt. Laut chilenischen Medien sandten katholische Laien im vergangenen Juni einen Brief mit Zeugenaussagen und belastenden Dokumenten gegen Ordenes an den amtierenden Bischof von Iquique, Guillermo Vera Soto, und an päpstliche Sonderermittler für den Missbrauchsskandal in Chile.

Dem Vatikan zufolge erließ der Papst sein Urteil gegen die beiden Geistlichen bereits am Donnerstag. Eine Berufung gegen die Entscheidung ist nicht möglich. Weiter hieß es, die Glaubenskongregation habe Cox und Ordenes durch die jeweiligen Kirchenoberen an ihrem Wohnsitz informiert. Cox bleibe weiterhin Mitglied der Schönstattbewegung.

Der Missbrauchsskandal in Chile sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Im Brennpunkt steht der inzwischen 88-jährige Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde und von Papst Franziskus in den Laienstand versetzt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen auch Juan Barros von Osorno, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe einen Sondergesandten nach Chile geschickt und die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan gebeten.

Inzwischen nahm Franziskus neben dem Rücktritt von Barros sechs weitere Rücktrittsgesuche von Bischöfen an. Zuletzt rückten auch die beiden chilenischen Kardinäle Ricardo Ezzati und Francisco Errazuriz ins Zentrum der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle im Erzbistum Santiago vertuscht zu haben. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Von Tobias Käufer (KNA)

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