BMZ: Programme ohne Zusammenarbeit mit Taliban-Regime

Regierung nimmt Hilfe für Afghanistan unter Bedingung wieder auf

Berlin ‐ Ende 2022 hatten die Taliban es Frauen untersagt, in Hilfsprojekten tätig zu werden. Zahlreiche Organisationen setzten daraufhin ihre Unterstützung vorübergehend aus. Nun sollen manche Projekte zum Teil wieder starten.

Erstellt: 15.02.2023
Aktualisiert: 15.02.2023
Lesedauer: 

Deutschland wird wieder Hilfsprojekte in Afghanistan unterstützen – wenn Frauen daran beteiligt sind. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesentwicklungsministerium (BMZ) am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet. Ende Dezember hatte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) die Unterstützung der Projekte aufgrund des vom Taliban-Regime verhängten Arbeitsverbots für Frauen in Nichtregierungsorganisationen gestoppt.

Nach dem Grundsatz „von Frauen für Frauen“ könnten nun 85 Prozent der Projekte wieder aufgenommen werden, teilte der Ministeriumssprecher mit. „Soweit Frauen in den von uns finanzierten Programmen mitarbeiten und Frauen durch unsere Programme erreicht werden können, werden wir unser Engagement zum Erhalt der Basisversorgung fortführen“, so der Sprecher. 15 Prozent des entwicklungspolitischen Engagements des BMZ in Afghanistan bleibe aufgrund des Arbeitsverbots für Frauen weiter pausiert.

Für die Entscheidung der Ministerin zur Wiederaufnahme sei ausschlaggebend gewesen, dass angesichts der humanitären Krise in Afghanistan die Grundversorgung aufrecht erhalten werden müsse. Ohne die Mitarbeit von Frauen könne dies aber nicht gelingen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass ein Rückzug der internationalen Unterstützung zu einer Verschärfung der Menschenrechtssituation und einer zusätzlichen Belastung für die vulnerabelsten Gruppen wie Frauen und Mädchen geführt habe. „Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen“, so der Sprecher. Afghanische Mädchen und Frauen würden sonst „doppelt bestraft“.

Insgesamt habe das Ministerium im vergangenen Jahr 187 Millionen Euro für Projekte in Afghanistan zur Verfügung gestellt. Alle Programme des BMZ arbeiteten ohne die Zusammenarbeit mit dem Taliban-Regime.

Auch das katholische Hilfswerk Caritas international ist in Afghanistan aktiv.

KNA

Mehr zum Thema

Menschenrechtsarbeit zwischen Moral und Interessen – Lehren ziehen aus dem Afghanistaneinsatz
Online-Veranstaltung von Justitia et Pax

Menschenrechtsarbeit zwischen Moral und Interessen – Lehren ziehen aus dem Afghanistaneinsatz

Der ISAF-Einsatz wurde von einer mit fast missionarischem Eifer vorgetragenen Erzählung begleitet, dass die militärische Präsenz der ausländischen Truppen die Voraussetzung für den Wiederaufbau des Landes sei. Aus Afghanistan sollte ein sicheres, freies und demokratisches Land gemacht werden, in dem die Menschenrechte geachtet werden. Verlängerungen des Einsatzes wurden mit dem Ziel begründet, diese Fortschritte im Bereich Demokratie und Menschenrechte zu sichern.