Friede auf Erden den Menschen guten Willens

„Friede auf Erden den Menschen guten Willens“ – dieser Satz aus der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums ist so bekannt, dass er fast schon als Kulturgut bezeichnet werden kann. Die programmatische Eröffnung des Lukasevangeliums weist dabei weit über das Weihnachtsfest hinaus. Der Lobgesang der Engel auf den Feldern von Betlehem spricht eine unstillbare Sehnsucht der Menschen an: Es soll Friede sein. Auf der ganzen Erde. Für alle. Dabei ist an dieser Stelle jedoch auch der erste Teil der Botschaft bedeutsam: Ehre sei Gott in der Höhe. Im biblischen Verständnis gehört beides zusammen: die Ehre, die Anerkennung Gottes in der Höhe und der Frieden auf der Erde. Frieden im biblischen Sinn steht als ganzheitliches Konzept für Sicherheit, Gerechtigkeit, das Wohlergehen aller und das Leben in heilen Beziehungen. Dieser Friede, den die Engel hier aussprechen, ist eine Verheißung Gottes, die Hoffnung gibt und zugleich zum Handeln auffordert.

Das Friedenskreuz 2020 ist das Symbol des gemeinsamen Jahresthemas der Hilfswerke.

Adveniat/weltkirche.de

Frieden als Auftrag der katholischen Kirche

In den vergangenen hundert Jahren hat sich die katholische Kirche den Wunsch nach Frieden, der dem Leben in Unfrieden entspringt, verstärkt zum Auftrag gemacht. Während des Ersten Weltkriegs setzte sich Papst Benedikt XV. eindringlich für ein Ende der Gewalt ein, die Europa in einen Abgrund aus Leid und Zerstörung riss. Als Oberhaupt der katholischen Weltkirche hoffte er, bei allen Konfliktparteien Gehör zu finden. Gut 50 Jahre später veröffentlichte Papst Johannes XXIII. das Rundschreiben „Pacem in terris“, dessen lateinische Überschrift den Gesang der Engel in Bethlehem zitiert. „Frieden auf Erden“ zu ermöglichen, ist seitdem aus den Aufgaben der Kirche nicht mehr wegzudenken. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dabei wieder in Erinnerung gerufen, was Christinnen und Christen von Anfang an ins Stammbuch geschrieben war: Es geht um Frieden für und mit allen Menschen guten Willens – jenseits aller Grenzen von Herkunft, Kultur oder Religion. Papst Franziskus schließlich unterstreicht die Aufgabe der Kirche, in einer „zerbröckelten Welt“ jeden Versuch zu begleiten, den Frieden durch aktive und kreative Gewaltfreiheit aufzubauen.

Dossier

Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden stehen im Zentrum der Friedensarbeit der katholischen Kirche. Mit vielfältigen Akteuren und Initiativen setzt sie sich dafür ein, Gewaltursachen auf den Grund zu gehen und diese zu überwinden.


Zum Dossier

Prävention, Versöhnungsarbeit und interreligiöser Dialog

In vielen Regionen der Welt setzt sich die katholische Kirche für einen nachhaltigen und gerechten Frieden ein. Dazu gehört die gezielte Präventionsarbeit ebenso wie die Präsenz in Konfliktsituationen oder Versöhnungsarbeit und Angebote der Traumabewältigung nach dem Ende von gewaltsamen Konflikten. So übernahmen kirchliche Gruppen beispielsweise eine wichtige Vermittlerrolle bei der Beendigung des Bürgerkrieges in Mosambik oder bei den Friedensverhandlungen in Kolumbien. Interreligiöse Dialoginitiativen stellen eine wichtige Ressource für die Friedenssicherung dar, wo, wie beispielweise in Bosnien oder in der Zentralafrikanischen Republik, Glaube und Religion zu politischen Zwecken missbraucht und manipuliert wurden oder werden. Kirchliche Institutionen bieten vielerorts neutrale Räume, in denen Konfliktpartner einander begegnen können.

Dossier

Frieden ist im Kirchenjahr 2020 das gemeinsame Thema der katholischen Hilfswerke.


Zum Dossier

Die katholischen Hilfswerke im Netzwerk des Friedens

Die katholischen weltkirchlichen Hilfswerke in Deutschland pflegen vielfältige Kontakte zu Friedensarbeiterinnen und -arbeitern weltweit. Sie arbeiten direkt mit Menschen zusammen, die in Konflikten vermitteln, gewaltfreie Lösungsstrategien einüben, sich für Menschenrechte und gegen Korruption einsetzen oder mitten in Zerstörung und Gewalt Orte aufrechterhalten, an denen Menschen leben und Perspektiven entwickeln können. Auf diese Weise entsteht ein weltumspannendes Netzwerk, in dem sich konkrete Erfahrungen aus der Friedensarbeit bündeln.

Im Kirchenjahr 2020, das mit dem Advent 2019 beginnt, machen Adveniat, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Misereor, Renovabis und Missio Frieden zum Thema ihrer jeweiligen Kampagnen. Sie wollen dadurch das weltweite Friedensnetz, zu dem auch sie gehören, sichtbar machen und stärken. Internationale Gäste der verschiedenen Hilfswerke werden im Laufe des Jahres in allen Diözesen Deutschlands unterwegs sein und ihre Friedens- und Versöhnungsarbeit vorstellen. Sie freuen sich auf Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner aus Kirche und Politik und auf Begegnungen mit Gruppen, die sich in der Zivilgesellschaft auf unterschiedliche Weise für Frieden einsetzen.

Zahlreiche Veranstaltungen werden zwischen November 2019 und Oktober 2020 das Thema Frieden aufgreifen und so dazu beitragen, dass sich Menschen guten Willens miteinander vernetzen – weltweit für den Frieden!

© weltkirche.de