Mutige Mission in Äthiopien

  • Afrikatag 2019 - 06.01.2019

Ganz bewusst hat sich Pfarrer Tesfaye für den Einsatz in einer der gefährlichsten Regionen Äthiopiens entschieden. Er will für die Menschen da sein, deren Leben von Armut und gewaltsamen Konflikten geprägt ist – auch für die Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in ihrer Heimat Südsudan nach Gambella geflohen sind.

Hütten aus Lehm und Stroh reihen sich kilometerlang aneinander. Pfarrer Tesfaye Petros lenkt seinen Geländewagen durch das Flüchtlingslager zu einer Kapelle, wo eine Gruppe Frauen, Männer und Kinder freudige Gesänge anstimmt. Die Luft flirrt. Es sind 40 Grad im Schatten. Doch die Hitze bremst hier niemanden. Immer mehr Menschen strömen herbei. Schließlich ziehen die Südsudanesen singend, tanzend und trommelnd mit Pfarrer Tesfaye in die Kapelle ein.

Der 40-jährige Generalvikar des Apostolischen Vikariat Gambella kümmert sich, neben seiner Arbeit als Gemeindepfarrer, auch um südsudanesische Flüchtlinge in den Camps. Seit 2013 tobt im Südsudan ein blutiger Bürgerkrieg. Über zwei Millionen Menschen flohen in die Nachbarstaaten, mehr als 400.000 davon nach Äthiopien in die südwestliche Provinz Gambella. Darunter die 17-jährige Elisabeth und ihre kleine Schwester Nya, die 2014 mit ihrer Familie zu Fuß nach Äthiopien flüchteten.

Pfarrer Tesfaye Petros macht den Menschen Mut. Er weiß, dass viele der Geflüchteten Freunde und Familienmitglieder verloren haben.

Missio/Hartmut Schwarzbach

Elisabeth trägt das grüne Gewand des Kirchenchors, steht während der Messe in der ersten Reihe. Nya im weißen Sonntagskleidchen daneben. Das Mädchen, gerade mal fünf Jahre alt, singt inbrünstig und textsicher alle Lieder mit. Nach der Messe suchen die Gottesdienstbesucher das Gespräch mit dem Priester. Er kennt ihre Sorgen: „Manche haben ihre ganze Familie verloren. Solche Erfahrungen können die Grundfesten deines Glaubens erschüttern.“ Umso mehr beeindruckt ihn der tiefe Glaube der Flüchtlinge: „Trotz ihres großen Leides haben sie ihren Glauben nicht verloren. Dies ist eine gute Erfahrung, auch für unsere einheimischen Katholiken in Gambella.“

Die katholische Kirche in der Provinz Gambella ist jung, die Herausforderungen gewaltig. Das Gebiet, so groß wie Baden-Württemberg, ist eines der ärmsten des Landes. Extreme Hitze in der Trockenzeit führt oft zu verheerenden Dürren. In der Regenzeit ist Gambella eines der gefährlichsten Malariagebiete Äthiopiens. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Anuak und Nuer mit vielen Todesopfern. „Das menschliche Leben hat hier keinen Wert“, erklärt Pfarrer Tesfaye.

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Äthiopien war 2018 das Beispielland des Monats der Weltmission.


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Kein Wunder, dass sogar viele Missionare um die Krisenregion einen großen Bogen machen. Als Tesfaye Petros nach seiner Priesterweihe ausdrücklich um den Einsatz in Gambella bat, begegnete man ihm zunächst mit Ungläubigkeit. Doch Tesfaye fühlte sich berufen: „Ich wollte für die Menschen da sei, für die sonst niemand da ist. Für die Menschen, die Gott noch nicht kennen.“ Heute engagiert sich die Kirche für die Angehörigen aller Volksgruppen. „Wir wollen die Menschen zusammenbringen“, sagt der Kirchenmann. Und seine Mission ist erfolgreich. Immer öfter kommen Dorfgemeinschaften auf Pfarrer Tesfaye zu und bitten, dass die Kirche auch in ihr Dorf kommen möge.

© Missio Aachen

Afrikatag

Die Afrikakollekte ist die älteste gesamtkirchliche Solidaritätsinitiative der Welt. 1891 rief Papst Leo XIII. den Afrikatag ins Leben. Er bat um Spenden für den Kampf gegen die grausamen Menschenjagden der Sklavenhändler auf dem afrikanischen Kontinent. Der heutige Hilfsansatz setzt auf die Ausbildung von einheimischen Priestern. Sie sind in vielen Ländern Afrikas die einzigen Hoffnungsträger für die Menschen, die noch immer unter Armut, Hunger und Unterdrückung leiden. Die zu Missio Aachen gehörenden deutschen Bistümer sammeln von 6. bis 13. Januar Spenden, Missio München mit den bayerischen Diözesen und dem Bistum Speyer am 6. Januar.

Im Blickpunkt des Afrikatags 2019 steht die Arbeit der Kirche in Gambella. Die Region im äußersten Westen Äthiopiens an der Grenze zum Südsudan war und ist Ziel von Sklavenjägern und Menschenhändlern. Bis heute wird die Bevölkerung aufgrund ihrer Lebensweise und der dunklen Hautfarbe diskriminiert und abfällig als „schwarze Sklaven“ bezeichnet.

© Missio

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