Das Martinshaus in Liepaja: Starker Einsatz für Frauen und Kinder in Not

  • Diaspora-Aktion - 20.11.2021

Das Martinshaus als eine Einrichtung der katholischen Kirche ist seit vielen Jahren Anlaufstelle für Frauen in Krisensituationen. Alkohol, Gewalt, und die Abwanderung von jungen Vätern auf der Suche nach höheren Löhnen tragen zum Zerfall der Familien bei. Der junge Staat Lettland gilt als einer der ärmsten in der EU- und Euro-Zone. Das soziale Netz ist damit nur sehr grob-maschig. Besonders alleinerziehende Frauen fallen da durch.

Ein wackeliges Etagenbett steht an der einen Wand, in der Ecke eine abgenutzte Schlafcouch, gleich daneben einige alte Schränke. Der Fußboden könnte einen neuen Belag vertragen, ebenso die Wände einen neuen Anstrich. „Wir leben hier zu sechst in diesem kleinen Zimmer“, erklärt die fünffache Mutter Liene. „Es ist so eng, dass meine Jungs ihre Hausaufgaben nacheinander machen müssen.“

Die positive Einstellung ist der jungen Mutter nicht abhanden gekommen, trotz der ärmlichen Lebensumstände, in denen sie mit ihren fünf Söhnen leben muss: Außentoilette, kein warmes Wasser und im Winter wird mit Holz geheizt. „Hauptsache ich bin mit meinen Söhnen zusammen“, sagt die 38-Jährige und die drei Ältesten nicken zustimmend. Zu gut erinnern sie sich an die Zeit ohne ihre Mutter, weil der lettische Staat Liene die Obhut über ihre Söhne genommen hat. „Wegen unserer Armut“, sagt sich die Mutter. „Iveta und das Martinshaus waren damals meine Rettung. Sie sind es auch noch heute.“

Nicht nur einmalige Hilfe

In der Rolle einer Retterin sieht sich Iveta Jansone mitnichten. „Wir sind einfach für die Familien da“, so fasst die Leiterin des Martinshauses zusammen, was sie mit ihren Kolleginnen seit 20 Jahren leistet. Das „Martinsmaja“, wie es auf Lettisch heißt, war anfangs noch ein „echtes Haus“, wo Frauen in Notsituationen eine Zuflucht fanden. Es waren Frauen, die von ihren Männern geschlagen wurden, oder junge Mütter, die kein Obdach hatten. Auch Liene hat in ihrer Not im Martinshaus Obhut gefunden, während Iveta die Rückkehr der Söhne zu ihrer Mutter von den Behörden erwirkte. Nicht nur materiell half das Martinshaus, sondern auch mit Beratungen und persönlichen Gesprächen. „Damals fingen wir an zu begreifen, dass wir den Familien nicht nur einmalig helfen müssen“, erinnert sich Jansone. Es gehe darum, Familien in schwierigen Situationen langfristig zu begleiten.

Rund 30 Familien betreut die Sozialarbeiterin in der westlettischen Hafenstadt Liepaja und bringt ihnen Lebensmittel, Windeln für die Kinder oder Brennholz im Winter. Zusätzlich können die Familien das Martinshaus auch aufsuchen. An einigen Tagen gibt es warme Suppe, an anderen können die Frauen und ihre Kinder Anziehsachen aus Kleiderspenden abholen. Die Räumlichkeiten des katholischen Martinshauses befinden sich in der St. Meinard Kirche.

Das Martinshaus liegt dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken schon seit einigen Jahren am Herzen und ist ein Beispielprojekt für die diesjährige bundesweite Diaspora-Aktion unter dem Leitwort „Werde Liebesbote!“.  Mit Spenden beispielsweise in Höhe von 150 Euro kann das Haus einen Monat lang Lebensmittel für eine vierköpfige Familie kaufen. 

Vor allem alleinerziehende Frauen sind hilfsbedürftig

„Gott bringt die bedürftigen Familien zum Martinshaus, wir müssen nicht nach ihnen suchen“, erzählt Jansone. Der junge Staat Lettland gilt als einer der ärmsten in der EU- und Euro-Zone, wo der Durschnittlohn 800 Euro brutto nicht übersteigt. Auch bei den Sozialausgaben hinkt der Ostseestaat hinterher: Das soziale Netz ist damit auch nach vielen Jahren nach dem Ende der Sowjetunion nur sehr grobmaschig.

„Besonders alleinerziehende Frauen fallen dann da durch“, weiß die Martinshausbegründerin aus Erfahrung. Viele Frauen in der strukturschwachen Region um Liepaja haben gleich mehrere Kinder von verschiedenen Vätern, hat sie beobachtet. „Sie haben den Wunsch nach Liebe und Geborgenheit“, sagt Iveta. Alkohol, Gewalt, aber auch die Abwanderung von jungen Vätern auf der Suche nach höheren Löhnen ist dann aber oft ursächlich für den Zerfall der Beziehungen und der Familien. Häufig brechen die Väter den Kontakt zu ihren Kindern ab, um Unterhaltszahlungen zu umgehen, berichtet Jansone.

Im Martinshaus finden die verlassenen Frauen Hilfe: materiell und psychologisch. Sie finden Mut, Zuflucht und Liebe.

Diaspora-Aktion 2021

Seit 55 Jahren macht das Bonifatiuswerk jeden November mit der Diaspora-Aktion auf die Herausforderungen katholischer Christen aufmerksam, die als Minderheit in der Gesellschaft ihren Glauben leben. Am Diaspora-Sonntag sammeln katholische Christen in den Gottesdiensten für die Belange ihrer Glaubensgeschwister in der Diaspora.


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