Hirschhausen ruft Kirchen zu mehr Einsatz beim Klimaschutz auf

  • Bewahrung der Schöpfung - 13.11.2021

Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen hat die Kirchen zu mehr Engagement beim Klimaschutz aufgerufen. „Alle reden zwar über ‚Bewahrung der Schöpfung', aber es passiert zu wenig messbar und konkret“, sagte der evangelische Christ im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag). In konfessionellen Einrichtungen wie Kliniken oder Altenheimen gebe es Billigfleisch, fossile Heizung und sehr selten Solaranlagen auf den Dächern. „Dabei wären die Kirchen mit ihrem weltumspannenden Netz eigentlich prädestiniert für den Klimaschutz, auch theologisch“, so der Autor, der zur Weltklimakonferenz COP26 ins schottische Glasgow gereist ist.

Das Christentum habe ein „altruistisches Weltbild“, der Wert eines Menschen hänge nicht von seinem Auto oder Beruf ab, eher von seiner Berufung, führte von Hirschhausen weiter aus. „Jesus predigt die Nächstenliebe. Was wir jetzt brauchen, ist eine ‚Übernächstenliebe', räumlich wie zeitlich.“ Es brauche Mitgefühl mit den Menschen im globalen Süden, Gerechtigkeit, Frieden. „Enkeltauglich leben“, so der Autor und Entertainer. „Immerhin haben die beiden großen Konfessionen in der Summe immer noch eine absolute Mehrheit – da muss doch noch was gehen!“

Weiter betonte der Mediziner, der Klimawandel sei die größte Gesundheitsbedrohung. Die Erderwärmung führe vor allem im globalen Süden zu immer mehr Hitzetoten. Aber auch in Deutschland seien es 2018 mehr als 20.000 Betroffene gewesen.

Weltklimakonferenz COP26 - 11.11.2021

Über 30.00 Menschen befinden sich derzeit im schottischen Glasgow und verhandeln auf dem Klimagipfel COP26 über die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die Steyler Missionsschwester Ida Haurand ist vor Ort und berichtet von ersten „Meilensteinen“, die beschlossen worden seien. Doch mit Blick auf das 1,5-Grad-Ziel zeigt sie sich in ihrer Zwischenbilanz pessimistisch.


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Die Zusammenhänge zwischen Klima und Gesundheit müssten etwa in die Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften aufgenommen werden, so der Gründer der Stiftung „Gesunde Erde, gesunde Menschen“. Auch die Gebäude- und Stadtplanung müsse angepasst werden. „Nehmen Sie Frankfurt mit seinen Wolkenkratzern und Glaspalästen, das sind im Grunde alles Treibhäuser. Will man sie mit Klimaanlagen runterkühlen, verbraucht das Unmengen von Energie“, kritisierte er. „Weder das Gesundheitswesen noch unsere Infrastruktur sind auf die Folgen von Extremwetterlagen vorbereitet.“

Weiter forderte von Hirschhausen, für Klima und Gesundheit weniger Fleisch und mehr pflanzenbasierte Kost zu essen. Allein in Deutschland ließen sich durch die „Planetary Health Diet“ 150.000 Todesfälle verhindern. „Es sterben weltweit mehr Menschen am Überfressen als an Hunger. Zwei Milliarden haben Übergewicht, eine Milliarde hungert. Das ist doch völlig irre“, sagte der Autor.

Für die Grundlagenarbeit der Deutschen Bischofskonferenz zu den Themen Klima und Umwelt ist die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen unter dem Vorsitz von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) zuständig, die dafür eine Arbeitsgruppe für ökologische Fragen unter der Leitung von Weihbischof Rolf Lohmann (Münster) eingerichtet hat. Die Gruppe erarbeitet in regelmäßigen Abständen interdisziplinäre Expertentexte und Diskussionsbeiträge zu konkreten Themen der Schöpfungsverantwortung.


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