Helfer werfen Politik Versagen in Syrien-Krieg vor

  • Konflikt - 14.03.2021

Zehn Jahre nach Ausbruch des Syrien-Kriegs werfen Helfer der Staatengemeinschaft politisches Versagen vor. Weder die EU, noch die USA hätten es bislang geschafft, zu Syrien eine Position zu finden, „die eine echte Friedensperspektive eröffnet hätte“, beklagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. „Die Strategie ‚Keine Zukunft mit Assad' ist vorerst gescheitert und Alternativen wurden bislang immer noch nicht gefunden.“ Es zeige sich, dass Europa in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wenig handlungsfähig sei und als „Friedensmacht“ außerhalb der eigenen Grenzen im Syrien-Konflikt derzeit kaum etwas bewirke.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte mehr finanzielles Engagement zugunsten der notleidenden Bevölkerung. Im vergangenen Jahr hätten rund 5,4 Milliarden Dollar gefehlt, um die wichtigsten Hilfsbedarfe zu decken. „Auf der Syrienkonferenz Ende März müssen alle Geber ihre Anstrengungen verstärken“, so der Minister. „Ansonsten sagen wir ja zu Verhungern und Sterben.“

Am 15. März 2011 begann der Konflikt in Syrien. Hilfsorganisationen sprechen von mehr als 600.000 Toten und etwa 13 Millionen Vertriebenen. Fast ein Viertel der Menschen habe eine Behinderung – fast doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Da die Gewalt in weiten Teilen des Landes anhalte, benötigten über 13 Millionen Menschen humanitäre Hilfe – fast sechs Millionen davon seien Kinder.

Unicef und andere Hilfswerke äußerten sich besorgt über die Zukunft von jungen Syrern. „Für die Kinder in Syrien ist der Ausnahmezustand Realität geworden“, erklärte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. Auch die Einstellung der Hauptkampfhandlungen habe nicht zur Lösung des Problems beigetragen, sondern es nur verlagert. „Rund 80 Prozent der Syrer leben aktuell in Armut.“ Der Stress des täglichen Überlebens habe inzwischen die Angst vor Kriegshandlungen abgelöst.

„Fast eine Generation des Landes ist im Krieg herangewachsen – unter schrecklichen Bedingungen“, sagte der Generalsekretär von Malteser International, Clemens Graf von Mirbach-Harff. „Wir müssen unsere Hilfe noch mehr auf diese Generation richten, denn sie ist die Zukunft des Landes.“ Die Kindernothilfe warnte, viele Minderjährige seien traumatisiert.

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Handicap International werden Entminung und Wiederaufbau der von den Kämpfen verwüsteten Landstriche noch Jahrzehnte dauern. Die Organisation Help beklagte, eine politische Spaltung Syriens erschwere die Arbeit von Helfern. Weite Landesteile würden nicht von Damaskus kontrolliert. Vor allem in Idlib und Nordostsyrien lebten Menschen, die sich nicht von der Zentralregierung repräsentiert fühlen.

„Wir fragen uns folglich, wie geht man mit dieser Spaltung Syriens um, passen humanitäre sowie Maßnahmen der Entwicklungspolitik und Diplomatie gleichermaßen auf alle Landesteile? Oder muss man für die unterschiedlichen Gebiete auf allen Ebenen unterschiedliche Ansätze wählen?“, so Help-Programmkoordinator Julian Loh.

Von Joachim Heinz (KNA)

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