Linkskandidat Arce liegt in Bolivien vorn – Erste Gratulanten

  • Südamerika - 19.10.2020

In Bolivien hat der Linkskandidat Luis Arce offenbar die Präsidentschaftswahlen schon im ersten Durchgang gewonnen. Nach Angaben mehrerer nicht offizieller Nachwahlbefragungen kam der 57-Jährige auf knapp 53 Prozent der Stimmen. Der konservative Ex-Präsident Carlos Mesa (67) käme demnach auf 31,5 Prozent, der rechtskonservative Anwärter Luis Camacho (41) auf 14,1 Prozent der Stimmen.

Arce rief sich noch in der Nacht zum Sieger aus: „Wir werden für alle Bolivianer regieren. Wir werden eine Regierung der nationalen Einheit aufbauen.“ Zugleich versprach er, aus den zurückliegenden Fehlern seiner Partei zu lernen.

Interimspräsidentin Jeanine Anez gratulierte Arce via Twitter. Auch wenn noch kein offizielles Ergebnis vorliege, habe Arce mit seinem Vizepräsidentschaftskandidaten David Choquehuanca (59) laut vorliegenden Daten die Wahl gewonnen, schrieb Anez. „Ich beglückwünsche die Gewinner und bitte sie, an Bolivien und die Demokratie denkend zu regieren.“

Auch Ex-Präsident Jorge Tuto Quiroga verschickte via Twitter Glückwünsche: „Trotz der enormen Meinungsunterschiede gratuliere ich als Demokrat und wünsche Ihnen angesichts der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen Erfolg.“ Ex-Präsident Evo Morales twitterte aus dem Exil in Argentinien Glückwünsche an die Wahlsieger. Seine sozialistische Partei MAS habe in beiden Kammern die Mehrheit errungen.

Vertreter der Vereinten Nationen, der EU und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatten am Sonntagabend (Ortszeit) in ersten Reaktionen den friedlichen Verlauf des Urnengangs herausgestellt. Die Wahlbehörde TSE publiziert in Echtzeit die einlaufenden Resultate auf einer Internetseite, mahnte aber Geduld an. Wann genau das amtliche Endergebnis feststeht, ist noch nicht absehbar. Die bolivianische Bischofskonferenz gratulierte in einer Stellungnahme der bolivianischen Bevölkerung „zu einem friedlichen und respektvollen Wahltag mit hoher Beteiligung"

Bolivien wurde nach der Präsidentschaftswahl im Oktober 2019 von heftigen Unruhen erschüttert. Schon die Kandidatur des damaligen Präsidenten Evo Morales war nach einem verlorenen Referendum über eine dazu notwendige Verfassungsänderung hoch umstritten. Morales brach sein Wort und setzte seine Kandidatur gegen das Wählervotum auf juristischem Wege durch. Später räumte er ein, dies sei ein Fehler gewesen.

Die Opposition warf dem seit 2006 regierenden sozialistischen Präsidenten Wahlbetrug vor; Hunderttausende gingen auf die Straße. Eine Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sprach in einem Bericht von schwerwiegenden Manipulationsversuchen und empfahl Neuwahlen. Morales trat daraufhin zurück und ging zunächst nach Mexiko und später nach Argentinien ins Exil. Unter Berufung auf neue Studien aus den USA weist Morales inzwischen die Vorwürfe zurück und spricht von einem Putschversuch.

Von Tobias Käufer (KNA)

© Text: KNA

Aktualisierung 19.10.2020 17:30: Stellungnahme kolumbianische Bischofskonferenz