Polizeistreik in Haiti sorgt für Unruhe in Port-au-Prince

  • Karibik - 15.09.2020

In Haiti sorgen zum Teil gewalttätige Proteste von Polizisten in der Hauptstadt Port-au-Prince für Unruhe. Wie lokale Medien berichteten, zündeten vermummte und bewaffnete Sicherheitskräfte, die sich selbst als „Fantome 509“ bezeichnen, Polizei-Fahrzeuge an, gaben Warnschüsse in die Luft ab und errichteten Blockaden.

Ziel der Proteste ist die Freilassung eines Kollegen, der sich seit mehreren Monaten wegen einer Mordanklage in Haft befindet. Wegen der gefährlichen Lage blieben Schulen und Geschäfte am Montag (Ortszeit) geschlossen. In einer Erklärung verurteilte die haitianische Regierung die Proteste als antidemokratisch und antisozial.

Bereits am Samstag hatten andere Polizeibeamte einen ähnlichen Streik organisiert, um fünf Kollegen freizubekommen. Diese befanden sich in Untersuchungshaft, weil sie bei einer Untersuchung des Mordes an Anwalt Monferrier Dorval Wertgegenstände aus dessen Haus gestohlen haben sollen. Die Verdächtigen wurden am Samstag freigelassen. Nach der Ermordung des Vorsitzenden des Anwaltsverbandes und Universitätsdozenten Me Monferrier Dorval sind am gingen Anfang September dutzende Studenten der Staatlichen Universität in der Hauptstadt Port-au-Prince auf die Straße. Dort demonstrierten sie gegen die Unsicherheit und Kriminalität im Land. Dorval war wenige Tage zuvor an seinem Haus, unweit der Residenz von Staatspräsident Jovenel Moise, ermordet worden.

 

 

Bischöfe fordern dringendes Handeln

Auch die katholische Bischofskonferenz von Haiti meldete sich deshalb zu Wort. Die Unsicherheit und die Gewalt bewaffneter Banden brächten Tod, Trauer, Angst und Trostlosigkeit. Dies schaffe eine Situation, die Haiti direkt in den Abgrund führen könne, so die Bischöfe.

Leider sei diese Realität zum Alltag der Bevölkerung geworden, die unter Schock, Trauma, Wut und Aufruhr lebe. Die Gewalt sei ein schwerer Angriff auf das Leben, auf die Gerechtigkeit, den Frieden und ein soziales Leben sowie den Aufbau einer gerechten, brüderlichen, harmonischen und friedlichen Gesellschaft. Es sei nun dringendes Handeln notwendig, denn das Land versinke in der Dunkelheit der wirtschaftlichen Stagnation, des Leidens und der Verzweiflung, so die Bischöfe..

© Text: KNA