Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 27.07.2020

  • © Bild: Florian Kopp/Adveniat
  • Corona-Pandemie - 27.07.2020

In Kolumbien und Haiti verhungern Kinder, die UNO schlägt ein befristetes Grundeinkommen vor und ein Corona-Korruptionsskandal erschüttert Südafrika. Die Kurzmeldungen.

UN: Millionen Haitianer brauchen humanitäre Hilfe

Fast die Hälfte der Bevölkerung Haitis benötigt nach Einschätzung des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten Hilfe zum Überleben. In einem in dieser Woche veröffentlichten Dokument, aus dem lokale Medien zitieren, heißt es, die Ernährungsgrundlage von rund 4,1 Millionen Menschen sei infolge der Corona-Pandemie nicht sichergestellt. Unter den Folgen der Corona-Pandemie litten insbesondere schwangere Frauen. So seien Beratungen und Krankenhausgeburten deutlich zurückgegangen. Haitis Gesundheitssystem sei auf die Auswirkungen der Pandemie nicht vorbereitet.

© Text: KNA

Zehn indigene Kinder in Kolumbien seit Pandemiebeginn verhungert

Mindestens zehn Kinder des indigenen Volkes der Wayuu sind während der Corona-Pandemie in Kolumbien bereits verhungert. Etwa 535 Kinder in der nordkolumbianischen Provinz La Guajira sind zurzeit von Unterernährung betroffen, wie aus einem Bericht der Tageszeitung „El Espectador“ am Mittwoch (Ortszeit) hervorgeht.

Seit Jahresbeginn sind nach Erkenntnissen der Nichtregierungsorganisation „Nación Wayuu“ bereits 28 Kinder an den Folgen einer Unterernährung gestorben. Die Dunkelziffer könnte allerdings noch höher liegen, da einige Eltern ihre Kinder beerdigten ohne die Behörden darüber zu informieren.

© Text: KNA

Dossier

Wie gehen Staaten und Religionsgemeinschaften weltweit mit der Herausforderung Covid-19 um? Das Corona-Dossier von weltkirche.de bietet Antworten.


Zum Dossier

Korruptionsskandal um Corona-Hilfe erschüttert Südafrika

In Südafrika hat die Corona-Krise offenbar eine neue Welle von Korruption und Steuermissbrauch losgetreten. Laut einem Bericht der südafrikanischen „Sunday Times“ (Sonntag), strichen „skrupellose Beamte und Unternehmen“ zuletzt mehrere Milliarden Rand ein, die ursprünglich für den Kampf gegen die Seuche gedacht waren. Die dubiosen Geschäfte mit der Regierung belaufen sich demnach auf umgerechnet 113 Millionen Euro.

Die Enthüllungen kommen drei Tage nach einer Rede von Präsident Cyril Ramaphosa im Staatsfernsehen, in der dieser ein hartes Durchgreifen ankündigte. „Korruption gefährdet Leben“ und „Südafrikaner verdienen nicht weniger als volle Rechenschaft von ihren gewählten Vertretern“, erklärte der Staatschef. Um den Korruptionsring aufzudecken, würden Sonderermittler eng mit Klägern und Steuerfahndern zusammenarbeiten.

Unter anderem ermitteln die Behörden den Angaben zufolge gegen Unternehmen, die unrechtmäßig Schutzausrüstung verkauft hätten, und gegen Kriminelle, die Arbeitslose während der Corona-Pandemie um finanzielle Nothilfe betrogen hätten.

Südafrika verzeichnet die fünfhöchste Zahl an Corona-Fällen weltweit. Bisher gab es mehr als 434.000 Infizierte; täglich kamen in den vergangenen Tagen zwischen 9.000 und 13.000 Neuinfektionen hinzu. Lokale Gesundheitsbehörden berichteten vor dem erwarteten Gipfel im August von einem Bettenmangel in Krankenhäusern. Infizierte seien trotz kritischen Zustands nach Hause geschickt worden.

© Text: KNA

Solidaritätsaktion - 08.09.2020

Gäste aus der Weltkirche werden im Monat der Weltmission 2020 Corona-bedingt wohl nicht anreisen können. Dennoch sind vielerlei Solidaritätsaktionen möglich. Die Missio-Werke haben deshalb entsprechende Handreichungen veröffentlicht.

Artikel lesen

Italiens Kirche: Brief zur Wiederbelebung des Pfarreilebens

Für eine Wiederbelebung des Pfarreilebens nach den Sommerferien unter Pandemie-Bedingungen haben die katholischen Bischöfe Italiens Leitlinien veröffentlicht. Wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten Brief der Italienischen Bischofskonferenz heißt, müsse man sich für „neue Formen kirchlicher Präsenz öffnen“. Ziel sind demnach unter anderem „eine größere Beteiligung von Eltern, Jugendlichen und anderen Erwachsenen“ sowie eine stärkere Teilnahme an Sonntagsmessen.

Nach dem Ende des Lockdowns beobachte man eine weit verbreitete Abwesenheit von Kindern und Jugendlichen in Gottesdiensten. Die Wiederaufnahme des Gemeindelebens nach den Sommerferien müsse einerseits behutsam und unter Berücksichtigung von Sicherheitsstandards erfolgen. Andererseits gelte es, sorgfältig das auszuwählen, was tatsächlich wesentlich sei, heißt es in dem Brief.

© Text: KNA

UN fordern befristetes Grundeinkommen für Arme in Corona-Krise

Die Vereinten Nationen schlagen vor, zur Linderung der Coronakrise in Entwicklungsländern den Menschen ein befristetes Grundeinkommen zu zahlen. Der Leiter des Entwicklungsprogramms UNDP, Achim Steiner, sagte dem Deutschlandfunk am Sonntag, in ungewöhnlichen Zeiten seien ungewöhnliche Maßnahmen notwendig. Ziel seien arme Länder, in denen soziale Sicherungssysteme oft nicht vorhanden seien. Da die Menschen einen Großteil ihres Lebensunterhalts in der informellen Wirtschaft bestritten, fielen sie bei Lockdown-Maßnahmen sofort in die Armut.

Europäische Länder hätten in diesen Situationen bereits eine Art Grundeinkommen, weil etwa Arbeitslosenhilfe oder Kurzarbeitergeld gezahlt würden. Wo dies fehle, seien jetzt Alternativen nötig.

Steiner betonte, das Konzept schlage bewusst befristete Hilfen vor, um nicht in die generelle Diskussion hineinzugeraten, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen geeignet sei, um Armut zu bekämpfen. Auch gehe es nicht um große Summen. Im Fall der Ärmsten der Armen würden Beträge von etwa fünf bis sechs Dollar am Tag benötigt: „Das sind kleinste Investitionen in einem absolut notwendigen Rahmen“.

Das Konzept des UNO-Entwicklungsprogramms berechnet die Kosten und möglichen Auswirkungen befristeter Grundeinkommens-Programme für 132 Staaten. Danach würde es 199 Milliarden Dollar pro Monat kosten, um rund 2,7 Milliarden Menschen ein Basiseinkommen über der Armutsgrenze zu verschaffen.

© Text: KNA