Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 27.04.2020

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  • Corona-Pandemie - 27.04.2020

Entwicklungsminister Müller fordert vier Milliarden Euro Corona-Hilfe für Entwicklungsländer, Caritas international befürchtet eine Hungersnot in Nepal, Boliviens Intellektuelle wollen Zeitungen retten und in Nigeria schließen zur Corona-Eindämmung die Koranschulen

Minister Müller fordert vier Milliarden Euro Corona-Hilfe für Entwicklungsländer

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert laut einem Zeitungsbericht weitere drei Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt zur Corona-Bekämpfung in Entwicklungsländern. Das bisher geplante Sofortprogramm für mehr als eine Milliarde Euro „wird alleine nicht reichen, um der weltweiten Krise zu begegnen“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag, online). Es gebe „einen weiteren Sofortbedarf von drei Milliarden Euro für Nothilfen zur Grundversorgung“ vor allem in Flüchtlingsregionen. Diese Mittel habe er für den Nachtragshaushalt 2020 angemeldet.

Die Pandemie entwickele sich zu einer globalen Gesundheits-, Ernährungs- und Wirtschaftskrise auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Europäischen Union, warnte Müller. „Wir müssen verhindern, dass erst Krankenhäuser und dann ganze Staaten zusammenbrechen. Die Folgen wären dramatisch: Hunger, Unruhen und am Ende unkontrollierbare Flüchtlingsbewegungen.“

Das Hilfskonzept aus dem Entwicklungsministerium, das den Zeitungen vorliegt, sieht demnach Investitionen von jeweils 800 Millionen Euro in die Gesundheitsversorgung und die Ernährungssicherung in besonders armen Ländern vor. Die Bereitstellung von Schutzkleidung und mobilen Handwaschanlagen gehöre ebenso dazu wie Investitionen in die Wasserversorgung und die Verteilung von Lebensmitteln.

600 Millionen Euro sollen der Stabilisierung von Flüchtlings- und Krisenregionen dienen – etwa in der Zone um Syrien, in Nordafrika, in der Sahelregion, im Jemen und in Südäthiopien. „Das heißt vor allem Stärkung der Versorgungsstrukturen, Finanzierung von Gesundheitspersonal, Verstärkung der Nothilfe und der Flüchtlingsversorgung sowie Maßnahmen zur unmittelbaren Gesundheitsvorsorge“, schreiben die Autoren des Konzepts.

Aus dem laufenden Entwicklungsetat will Müller demnach insgesamt 1,15 Milliarden Euro einsetzen, weitere 3,15 Milliarden sollen aus dem Nachtragshaushalt kommen, der 156 Milliarden Euro umfasst. Der bisherige Verlauf der Pandemie zeige deutlich, so Müller: „Wir besiegen Corona nur weltweit oder gar nicht.“

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Nigeria schließt Koranschulen zur Corona-Eindämmung

In Nigeria haben sich die Gouverneure von 19 Bundesstaaten im Norden und im Zentrum des Landes auf eine Schließung aller Koranschulen geeinigt. Damit soll laut dem Sender BBC (Mittwoch) die Corona-Ausbreitung eingedämmt werden. Laut Schätzungen besuchen rund neun Millionen Kinder – vorwiegend Jungen – die traditionellen Schulen. Sie sollen nun zurück zu ihren Eltern geschickt werden.

In Nigeria sowie in anderen Staaten West- und Zentralafrikas geben viele muslimische Familien ihre Kinder zu Imamen, die ihnen das Rezitieren des Koran beibringen sollen. Stattdessen werden sie aber oft zum Betteln auf die Straßen geschickt und leben in überfüllten Unterkünften ohne ausreichende Sanitäranlagen. Dort könnte sich das Coronavirus schnell ausbreiten.

In Nigeria gibt es aktuell 782 bestätigte Corona-Fälle. Neben der Hafenmetropole Lagos und der Hauptstadt Abuja ist mittlerweile Kano, das Wirtschaftszentrum des Nordens, besonders betroffen.

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Weltkirche.de-Dossier

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Religionsführer in Israel beten gemeinsam um Rettung vor Pandemie

Mit einem einzigartigen Schritt haben sich Religionsführer in Israel gegen das Coronavirus gewandt. „Hunderttausende sind gestorben, Millionen sind erkrankt. Rette, flehen wir Dich an, oh Herr“, beteten jüdische, christliche, muslimische und drusische Vertreter am Mittwochnachmittag in Jerusalem gemeinsam. Das eigens für den Anlass erstellte Gebet wurde wegen der strikten Einschränkungen im Kampf gegen Covid-19 im Internet übertragen.

Gott möge die Kranken heilen und die Plage von seiner Welt abwenden, beteten die Religionsvertreter. Abschließend rezitierten sie Psalm 121, mit dem sich Jerusalempilger unter den Schutz Gottes stellten und um seinen Segen baten. In Israel wird der Psalm auch am Gedenktag für gefallene israelische Soldaten und Terroropfer (Jom HaZikaron) gebetet, der am Dienstag (28. April) begangen wird.

Das Coronavirus kenne keine Grenzen zwischen Religionen, Rassen oder politischen Parteien, sagte Patriarchatsleiter Erzbischof Pierbattista Pizzaballa der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Wir sind vereint in der Krankheit, und das hat eine Menge Grenzen und Vorurteile zwischen uns zerstört.“ Er äußerte die Hoffnung, diese Einheit könne auch nach dem Ende der Corona-Krise fortgesetzt werden.

Der Moderator des Treffens, der im interreligiösen Dialog engagierte britische Rabbiner David Rosen, bezeichnete es als historisch. „Die religiösen Führer dieses Landes sind erstmals überhaupt zusammengekommen, um gemeinsam ein Gebet zu sprechen um göttliche Gnade und Mitgefühl im Moment, in dem wir durch eine Pandemie herausgefordert sind“, so Rosen. Das Zusammentreffen sei zugleich „wundervoll und traurig“. Selbst jene, die „üblicherweise nicht so offen gegenüber dem interreligiösen Dialog sind“, seien zum gemeinsamen Gebet zusammengekommen, wenn es auch „eine Tragödie, Schmerz und Leiden sind, die uns trotz theologischer Spannungen zusammengebracht haben“.

Das live übertragene interreligiöse Gebet ging laut Veranstaltern zurück auf eine Initiative verschiedener Behörden und Organisationen, darunter das israelische Oberrabbinat sowie der Weltrat der religiösen Führer. Neben den sephardischen und aschkenasischen Oberrabbinern Jitzchak Josef und David Lau nahmen der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. sowie der Leiter des katholischen Patriarchats Erzbischof Pizzaballa ebenso wie ranghohe muslimische und drusische Vertreter teil.

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Maas will schwächere Gesundheitssysteme unterstützen

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will schwächere Gesundheitssysteme in der Corona-Krise unterstützen. „Das ist nicht nur ein humanitäres Gebot, sondern liegt in unserem ureigensten Interesse“, sagte Maas vor der Videokonferenz mit den EU-Außenministern am Mittwoch in Berlin. Eine Unterstützung von Nachbarländern gegen die Corona-Pandemie liege im Interesse Deutschlands, da ein Problem „direkt vor unserer Haustür“ die Bekämpfung des Virus in Deutschland erschwere.

Die EU-Kommission schlug am Mittwoch insgesamt drei Milliarden Euro zur Unterstützung von zehn Nicht-EU-Staaten in der Nachbarschaft vor. Die Ukraine soll etwa 1,2 Milliarden Euro erhalten, Tunesien 600 Millionen.

Auf der Agenda der EU-Außenminister stand am Mittwochnachmittag auch die Lage in Libyen. „Es gibt nichts zu verharmlosen“, sagte Maas zur dortigen Situation. Die zunehmenden Kampfhandlungen seien „fatal“. „Wer meint, die aktuelle Notlage nutzen zu können, um daraus militärische Vorteile zu ziehen, der handelt ganz sicher kurzfristig und gefährlich“, so Maas. Auch für die Konfliktparteien müsse der Kampf gegen das Virus nun Priorität haben; die humanitären Folgen können gerade in Krisengebieten verheerend sein.

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UN: Corona-Krise schürt Hass gegen Religionen und Minderheiten

Die Vereinten Nationen warnen davor, die Corona-Pandemie für wirtschaftliche und politische Interessen zu missbrauchen und Religionen oder Ethnien zu stigmatisieren. „Ich appelliere an Staaten, Glaubensführer, Zivilgesellschaft, Medien und die Öffentlichkeit, sich gegen Hass und Ausgrenzung zu wenden“, sagte der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit, Ahmed Shaheed, am Mittwoch in Genf. Stattdessen forderte er Hilfe und Solidarität für jene, die in dieser schwierigen Zeit zu Opfern werden könnten.

In vielen Ländern habe die Pandemie zu einem Aufflammen religiöser Intoleranz geführt, so der UN-Experte. Er sei „alarmiert“ angesichts der Tendenz, etwa Christen, Juden oder Muslime zu „Sündenböcken“ für die Verbreitung von Corona zu machen. Das gelte auch für Migranten, Geflüchtete und Asylsuchende. Doch seien die Staaten verpflichtet, jede Anstiftung zu Hass oder Gewalt aufgrund religiöser oder ethnischer Identität einzudämmen.

Die Betroffenen seien verbalen und physischen Angriffen, Morddrohungen sowie der Verweigerung lebenswichtiger Gesundheitsversorgung ausgesetzt. „Um Desinformation zu bekämpfen, ist es wichtig, dass die Staaten wirksame Strategien und Kommunikationskanäle festlegen, um der Öffentlichkeit genaue und zuverlässige Informationen zu liefern“, so der Experte.

Solidarität unter Menschen aller Glaubensrichtungen sei noch nie so wichtig gewesen, betonte Shaheed. Nicht alle Religionen oder Personen in prekären Bedingungen hätten Zugang zu Informationen zur Corona-Prävention, mahnte der UN-Sonderberichterstatter. Dafür müssten sich sowohl die Zivilgesellschaft wie auch religiöse Organisationen einsetzen.

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Caritas international befürchtet Hungertote in Nepal

Die Corona-Krise verschärft laut Caritas international die ohnehin prekäre Lage für Hunderttausende Menschen in Nepal. „Der Hungertod ist aktuell für Hunderttausende Tagelöhner eine deutlich konkretere Gefahr als eine Covid-19-Erkrankung“, sagte Caritas-Leiter Oliver Müller am Donnerstag. Etwa sieben Millionen Menschen in Nepal lebten unter der Armutsgrenze und damit „von der Hand in den Mund“. Die Massenquarantäne in Folge der Corona-Pandemie stelle für sie eine „existenzielle Bedrohung“ dar. Zugleich sei zu befürchten, dass durch Hunger geschwächte Menschen schneller dem Virus zum Opfer fielen.

Weiter fehle in Zehntausenden Familien derzeit der Arbeitslohn nepalesischer Migranten, die im Ausland Geld verdienten, etwa in Indien oder Katar. Nepal gehört den Angaben zufolge mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 645 Euro zu den ärmsten Ländern der Welt. Nur etwa jeder dritte Nepalese habe Zugang zu angemessenen Sanitäranlagen. Die Caritas Nepal verteile derzeit unter anderem südlich von Kathmandu Lebensmittel an besonders betroffene Gruppen.

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Kirche im Kongo koordiniert Corona-Hilfe

Die Kirche in der Demokratischen Republik Kongo leitet künftig die Hilfsmaßnahmen für Betroffene der Corona-Pandemie. Mit der Aufsicht durch Religionsvertreter über den staatlichen Hilfsfonds sollten „Transparenz und Rückverfolgbarkeit“ sichergestellt werden, so Präsident Felix Tshisekedi. Als Vorstand ernannte er den Erzbischof der Hauptstadt Kinshasa, Kardinal Fridolin Ambongo (60), wie lokale Medien (Freitag) berichten. Ihm sollen neben evangelischen und islamischen Glaubensführern auch Vertreter aus Medizin und Zivilgesellschaft assistieren.

Die kongolesischen Bischöfe äußerten „Stolz“ über die neue Aufgabe. Sie bestehe vor allem darin, „Mittel zu mobilisieren, um Leben zu retten und uns aus der Krise zu holen“. Die neue Rolle von Kardinal Ambongo sei auf die Dauer der Pandemie beschränkt.

Für viele Beobachter kommt die Annäherung zwischen Kongos Kirche und Staat als Überraschung. Unter Tshisekedis Langzeitvorgänger Joseph Kabila war die katholische Bischofskonferenz unter den lautesten Regimekritikern des zentralafrikanischen Landes. Auch Tshisekedis Führung prangerten die Glaubensvertreter in der Vergangenheit an.

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Boliviens Intellektuelle rufen zu Rettung der Zeitungen auf

In Bolivien haben 80 Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler ein Sofortprogramm zur Rettung von Zeitungen gefordert. Durch die Corona-Krise seien viele Zeitungshäuser in Schieflage geraten, weil der Straßen- und Anzeigenverkauf eingebrochen sei, heißt es in einem Brief an Übergangspräsidentin Jeanine Anez, den die Zeitung „El Deber“ (Onlineausgabe Donnerstag Ortszeit) veröffentlichte. Das Funktionieren einer freien Presse sei existenziell für die Demokratie. Zuvor hatte bereits die Nationale Pressevereinigung die Regierung um Hilfe gebeten, bislang ohne Antwort.

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