Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 23.04.2020

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Madagaskars Präsident setzt beim Kampf gegen Corona auf Kräutertee, im kolumbianischen Letitia kündigen alle Ärzte und Chiles Bischöfe tagen erstmals virtuell: Die Corona-Kurzmeldungen.

Reisewelle zum Ramadan in Indonesien verboten

Zum Schutz gegen Corona hat das muslimisch geprägte Indonesien den jährlichen Massenexodus von Millionen Muslimen aus den Städten zum Ende des Fastenmonats Ramadan verboten. Die staatliche Nachrichtenagentur Antara vermeldete am Dienstag die Entscheidung von Präsident Joko Widodo. Im vergangenen Jahr waren knapp 20 Millionen der 260 Millionen Indonesier zum Ende des Ramadan aus den Städten zu ihren Familien in anderen Landesteilen gefahren. Der vierwöchige Ramadan beginnt am Donnerstag.

Indonesische Wissenschaftler hatten gewarnt, die erwartete Reisewelle zu den Feiertagen könnte allein auf der bevölkerungsreichsten Insel Java mit der Hauptstadt Jakarta zu einer Million Neuinfektionen führen. Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Land der Welt, verzeichnet inzwischen die höchste Zahl von Corona-Toten in Südostasien.

Mit Stand Dienstag (21. April) waren dort 590 Menschen an der Virusinfektion gestorben, 6.760 Infektionen bestätigt bei 182.000 Verdachtsfällen.

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Schutzausrüstung fehlt - Ärzte in Amazonashospital kündigen

In der kolumbianischen Amazonas-Stadt Leticia haben mehr als 30 Ärzte wegen fehlender Schutzausrüstung ihren Dienst quittiert. Das Risiko einer Infektion für Mediziner und Patienten sei zu groß, zitiert die Zeitung „El Espectador“ aus ihrem Schreiben an die Regionalregierung. In der Provinz gibt es laut dem Bericht nur ein Krankenhaus für 80.000 Einwohner, die über eine sehr große  und unwegsame Fläche verteilt sind.

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Weltkirche.de-Dossier

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Caritas beklagt Lage afrikanischer Straßenhändler auf Mallorca

Die Caritas auf Mallorca beklagt die Situation afrikanischer Straßenverkäufer auf der Insel. Infolge der Corona-Pandemie stünden die rund 600 zumeist aus dem Senegal stammenden Männer ohne Kunden und Einkünfte da, lebten eingepfercht auf engstem Raum und fürchteten um ihre Familien in Afrika, sagte Caritas-Mitarbeiter Babacar Diakhate der „Mallorca Zeitung“. Er bekomme täglich an die 20 Anrufe von Straßenverkäufern, von denen viele verzweifelt seien, so der Senegalese, der einst selbst als „fliegender Händler“ auf die Insel kam.

„Das größte Problem ist, dass die allermeisten von ihnen keine Aufenthaltserlaubnis besitzen. So können sie natürlich keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen“, sagte Diakhate. Und selbst wenn sie Anrecht auf Mietzuschüsse oder die balearische Existenzsicherung „renta social garantizada“ hätten, verfüge kaum einer über ein Bankkonto für mögliche Überweisungen.

Laut einer im Winter veröffentlichten Studie der Caritas leben mehr als 60 Prozent der senegalesischen Straßenverkäufer mit mindestens sechs weiteren Landsleuten in kleinen Wohnungen, sogenannten pisos patera, zusammen. Fast die Hälfte von ihnen teilen sich demnach ihr Zimmer mit zwei oder mehr Männern, nur etwa jeder Zehnte hat ein Zimmer für sich allein. In solch beengten Wohnverhältnissen der Ausgangssperre zu unterliegen, sorge in Verbindung mit Geldsorgen für Frust und Gewaltausbrüche, mahnte Babacar Diakhate.

Wenn auf Mallorca kein Geld hereinkomme, bekomme das auch die Familie in Afrika unmittelbar zu spüren. „Die Leute schuften sich hier ab, um ihren Kindern Lebensmittel zu ermöglichen“, so der Caritas-Mitarbeiter. Auf der Insel gebe es im Notfall Tafeln oder Essensausgaben für Bedürftige, im Senegal gebe es nichts davon. „Dort leiden die ersten Familien bereits an Hunger.“

Darüber hinaus seien die sogenannten locutorios, wo mögliche Rücklagen versendet werden könnten, im Moment alle geschlossen. Er lote derzeit mit der Caritas aus, wie er den Männern helfen könne, sagte Diakhate der Zeitung.

Zudem sei das Coronavirus inzwischen auch im Senegal angekommen. Zu ihren eigenen Sorgen komme bei den Männern deshalb jetzt auch noch die Angst um die Gesundheit ihrer Angehörigen.

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Madagaskars Präsident präsentiert Kräutertee als Corona-Therapie

Madagaskar setzt im Kampf gegen das Coronavirus jetzt offenbar auf Kräutertee. Zwei Erkrankte sollen nach Angaben der Regierung in Antananarivo bereits so geheilt worden sein, wie örtliche Zeitungen (Dienstag) berichten. „Wir sind bei anderen Patienten noch in der Beobachtungsphase. Doch wir haben bereits gute Resultate gesehen“, wird der Präsident der Tropeninsel, Andry Rajoelina, zitiert.

Bei der Vorstellung des Kräutertrunks namens „Covid-Organics“ zu Wochenbeginn nahm Rajoelina demonstrativ einen Schluck vor Journalisten und Diplomaten. Die Wirkung der gelben Tinktur beruhe auf traditionellen Heilpflanzen. Gewächse der Gattung Armisia, der etwa auch Wermutkraut angehört, werden schon länger in der Behandlung von Tropenkrankheiten eingesetzt.

Das ominöse Getränk diene als „Kur und Prävention“ und solle ab Mittwoch in Apotheken und Supermärkten erhältlich sein, hieß es. An Schüler und Bewohner von Corona-Hotspots soll es laut „Madagascar Tribune“ kostenlos ausgegeben werden. Internationale Wissenschaftler äußerten zuletzt Zweifel an traditionellen Therapien gegen das Virus. Diese hätten nicht selten sogar schädliche Wirkung.

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Erste digitale Vollversammlung von Chiles Bischöfen

In der Corona-Krise hat die erste digitale Vollversammlung der Chilenischen Bischofskonferenz begonnen. Bis Donnerstag besprechen die Bischöfe der 27 Diözesen per Videokonferenz aktuelle Fragen. „Das Treffen findet erstmals in seiner Geschichte auf diese Weise statt“, heißt es in einer Mitteilung des Vorsitzenden, Militärbischof Santiago Silva (Montag Ortszeit), zur insgesamt 120. Vollversammlung.

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Verband: Corona gefährdet Friedensarbeit - Ruf nach Staatshilfen

Friedensorganisationen sind durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in ihrer Existenz gefährdet: Das beklagt die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) in einem am Dienstag in Bonn veröffentlichten Hilferuf an Bund und Länder. Programme wie Workshops und Jugendbegegnungen seien bereits abgesagt worden, Freiwillige hätten nach Deutschland zurückgeholt werden müssen, hieß es.

Durch Rückholung, Stornierungsgebühren und weiterlaufende Verpflichtungen entstünden Mehrkosten, erklärte AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister. Einige Organisationen hätten Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit geschickt, Honorarkräften fehlten Einkünfte. Je länger die Einschränkungen durch die Pandemie andauerten, desto wahrscheinlicher werde, dass manche Organisationen „diese Krise ohne staatliche Unterstützung nicht überstehen“. Unter anderem müssten die Haushaltsmittel für das Programm „Demokratie leben!“ erhöht werden, forderte die AGDF. Denkbar sei zudem ein Nothilfefonds für zivilgesellschaftliche Organisationen.

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Erster Corona-Toter im Nordosten Syriens

Nach dem ersten bestätigten Corona-Todesfall im Nordosten Syriens zeigt sich die Organisation Ärzte ohne Grenzen „zutiefst besorgt“. Das geschwächte Gesundheitssystem und Grenzschließungen machten es in der Region fast unmöglich, angemessen auf die Krankheit zu reagieren, erklärte Ärzte ohne Grenzen (Mittwoch) in Berlin.

Es fehlten Labortests, Krankenhauskapazitäten, Schutzausrüstung und eine Abverfolgung von Kontaktpersonen, so die medizinische Notfallkoordinatorin in Syrien, Crystal van Leeuwen. Gesundheitsbehörden, humanitäre Organisationen und Geberländer müssten ihre Hilfe deutlich aufstocken.

Besonders die Situation in den Vertriebenenlagern in der Region macht der Organisation Sorgen. Die Menschen dort lebten auf engstem Raum mit wenig oder keinem Zugang zu medizinischer Versorgung oder sauberem Trinkwasser. Allein im Lager Al Hol leben demnach rund 65.000 Menschen, mehr als 90 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Keiner dürfe das Lager verlassen.

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