Corona erreicht indigene Territorien in Brasilien

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  • Indigene Territorien - 13.04.2020

Nun ist es passiert: Corona ist auch bei den Indigenen Brasiliens angekommen. Ein 15-jähriger Angehöriger des Yanomami-Volkes starb am Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Krankenhaus in der Stadt Boa Vista an Covid-19, wie brasilianische Medien berichten. Er ist das erste Corona-Opfer unter den Yanomami und der erste Corona-Todesfall nach einer Infizierung auf indigenem Gebiet. Das Virus könnte durch weiße Goldsucher in die Region eingeschleppt worden sein.

Der Junge hat sich den Berichten zufolge entweder in dem Indigenengebiet Boqueirao, wo er zur Schule ging, oder in seinem Heimatdorf Helepi infiziert, das im Gebiet der Yanomami liegt. Die dort lebenden rund 70 Yanomami sowie sechs weitere Personen, die mit dem Jugendlichen Kontakt hatten, stehen derzeit unter ärztlicher Beobachtung durch die indigene Gesundheitsbehörde Sesai.

In den vergangenen Tagen waren bereits zwei Indigene an Covid-19 gestorben. Die Infizierung erfolgte jedoch in Städten und nicht auf indigenem Territorium. Es handelt sich um eine ältere Frau des Borari-Volkes, die in der Kleinstadt Alter do Chao lebte, sowie ein Mann vom Volk der Bare aus der Amazonas-Metropole Manaus. Zudem wurden vier Angehörige des Kokama-Volkes aus dem Teilstaat Amazonas positiv getestet.

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Das Yanomami-Dorf Helepi liegt am Ufer des Uraricoera-Flusses im nördlichsten Teilstaat Roraima, an der Grenze zum Nachbarland Venezuela. Der Fluss ist ein Einfallstor für Tausende illegale Goldsucher, die auf Yanomami-Gebiet schürfen.

Bereits seit Jahrzehnten wehren sich die Yanomami gegen  Eindringlinge, die die Flüsse durch das Schürfen mit Quecksilber verseuchen. In den 1960er, 70er und 80er Jahren brachten illegale Goldgräber zudem mehrmals Krankheiten, darunter Masern, zu den Indigenen; dies führte zum Tod von rund 15 Prozent der Yanomami-Bevölkerung.

Seit dem Wahlsieg des Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro Ende 2018 sei die Zahl der illegalen Goldsucher gestiegen, berichtet die Yanomami-Organisation Hutukara. Sie schätzt die Zahl illegaler Goldsucher auf ihrem Land auf rund 25.000. Bolsonaro hatte versprochen, das Goldschürfen auf indigenem Land zu legalisieren.

In den vergangenen Wochen hatten Experten wiederholt vor gravierenden Folgen der Corona-Pandemie für indigene Völker in Brasilien gewarnt.

© Text: KNA

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