Erschütterung nach Brand von Notre Dame in Paris

  • Weltkirche - 16.04.2019

Kirchenvertreter und Politiker in Deutschland haben ihr Entsetzen über den Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris bekundet. Mehrere Bistümer läuten Mittags die Glocken. Inzwischen konnte der Brand in der Pariser Kathedrale vollständig gelöscht werden.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick, schrieb auf Twitter: „Der Brand in Notre-Dame geht mir zu Herzen, Wahrzeichen der christlichen Kultur Europas, für die Franzosen ein Symbol ihrer Nation. Sie muss restauriert werden“, schrieb Schick am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Es freue ihn, dass die Dornenkrone Christi gerettet sei, die seinem Namenspatron, dem heiligen Ludwig, kostbar gewesen sei.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, schrieb in einem Brief an den Erzbischof von Paris, Michel Aupetit: „Was gestern mit Ihrer Bischofskirche Notre Dame geschehen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich übermittle Ihnen, den Gläubigen des Erzbistums Paris und allen Menschen Frankreichs meine tief empfundene Anteilnahme.“

Mit dem Feuer und den Zerstörungen an Notre-Dame sei das „Herzstück des katholischen Glaubens“ in Paris ebenso getroffen worden wie eines der Wahrzeichen ganz Frankreichs und Europas. „In Notre Dame haben sich über Jahrhunderte Baustile, Kunstgeschichte und bedeutende historische Ereignisse vereint, die den europäischen Kontinent mit prägten. In der Sprachlosigkeit über diesen Schicksalsschlag für Ihr Land versichere ich Ihnen das Gebet der Gläubigen in Deutschland“, schreibt Marx in dem Brief weiter.

Notre-Dame sei jener Ort, an dem französische Geschichte geschrieben und angesichts nationaler Katastrophen in Trauer und Gebet gedacht worden sei. „Jetzt ist dieser Ort der Einkehr selbst ein Ort der Trauer. Die Karwoche mit ihren aufrüttelnden Bildern und Texten ist für Paris, Frankreich und Europa zu einer Woche tiefster Trauer geworden“, so Marx.

Menschen stehen am Ufer der Seine und blicken auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris am 15. April 2019.

Corinne Simon/CIRIC/KNA

Trauerglocken in mehreren Bistümern

Das Erzbistum Hamburg wie die evangelischen Hauptkirchen der Stadt kündigten an, um 12 Uhr die Trauerglocke als Zeichen der Anteilnahme und des Mitgefühls zu läuten. Auch im Kölner Dom, im Freiburger Münster und im Mainzer Dom sollen die Glocken läuten. Msgr. Dr. Christian Hermes, Stadtdekan des katholischen Stadtdekanats Stuttgart und Dompfarrer der Domkirche St. Eberhard kündigte unterdessen an, Benefizkonzerte und Spendenaktionen für Notre Dame zu organisieren.

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich ebenfalls von den Bildern der brennenden Kathedrale „bis ins Mark erschüttert“. „Die Kathedrale ist ein Ort voller Hoffnung und Sehnsucht der Menschen, ein Zeugnis des christlichen Glaubens“, erklärte Timmerevers. „Nun mussten wir erleben, wie verletzlich und zerbrechlich diese Kathedrale ist, an der Menschen über Jahrhunderte zur Ehre Gottes gebaut haben.“ Auch Sachsens Ministerpräsident rief zu Spenden für Notre-Dame auf. „Ich wünsche mir die gleiche Solidarität und Unterstützung, die wir für die Frauenkirche hier in Dresden bekommen haben, jetzt auch für Notre-Dame“, sagte Kretschmer MDR Aktuell am Dienstag. Dieses Gebäude gehöre „zu uns allen in Europa“.

Inzwischen konnte der Brand in der Pariser Kathedrale vollständig gelöscht worden. Das teilte die Feuerwehr der französischen Hauptstadt am Dienstagmorgen mit. Nun werde mit der Begutachtung der Schäden begonnen. Die Einsatzkräfte hätten die ganze Nacht über gekämpft, um ein Wiederaufflammen des Brandes zu verhindern. Zudem sei die Stabilität der Gebäudestruktur überwacht worden.

Das „heftige Feuer“ habe sich am Montagabend rasch auf 1.000 Quadratmetern über das gesamte Dach ausgebreitet. Den Angaben der Feuerwehr zufolge trugen drei Menschen leichte Verletzungen davon, darunter ein Polizist und ein Feuerwehrmann.

Die Grundsubstanz der Kirche sowie die Fassade mit den beiden Haupttürmen wurde offenbar gerettet. Ebenso unversehrt blieben anscheinend wichtige Gemälde, Kunstgegenstände und Reliquien, darunter auch die traditionell verehrte Dornenkrone Jesu.

© KNA/cze