Activities of Elman Peace/alternativer Nobelpreis
Auszeichnung

Alternativer Nobelpreis geht an Menschenrechtler und Klimaschützer

Stockholm ‐ Ausgezeichnet werden in diesem Jahr Menschen aus der Ukraine, Somalia, Uganda und Venezuela. Das gab der Direktor der Right Livelihood Award Stiftung, Ole von Uexküll, am Donnerstag in Stockholm bekannt.

Erstellt: 30.09.2022
Aktualisiert: 04.10.2022
Lesedauer: 

Die ukrainische Preisträgerin und Menschenrechtsverteidigerin Oleksandra Matwijtschuk trage als Vorsitzende des Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL) seit über einem Jahrzehnt maßgeblich zur Stärkung der ukrainischen Zivilgesellschaft und staatlicher demokratischer Strukturen bei, so die Stiftung. Ihre Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen ebne den Weg zu einer gesellschaftlichen und rechtlichen Aufarbeitung, die seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine umso wichtiger geworden sei. „Mit ihrer Arbeit sorgen Matwijtschuk und CCL dafür, dass Menschenrechtsverletzungen geahndet werden und in der Ukraine eine demokratische Zukunft entstehen kann.“

Die Preisträgerinnen Fartuun Adan und Ilwad Elman sind somalische Menschenrechtsaktivistinnen, die gemeindenahe Projekte zur Friedenskonsolidierung leiten und damit marginalisierten Gruppen lebensrettende Unterstützung bieten, wie die Jury würdigte. „Mit ihrer Organisation Elman Peace haben Mutter und Tochter innovative und kulturspezifische Ansätze entwickelt, die Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt unterstützen, ehemalige Kindersoldat*innen resozialisieren sowie Frauen und Jugendlichen berufliche Bildung und das Erlernen von Führungskompetenzen ermöglichen.“

Ausgezeichnet wurde zudem die Kooperative Cecosesola, ein Netzwerk von Gemeinschaftsorganisationen aus einkommensschwachen Regionen in Venezuela, das erschwingliche Waren und Dienstleistungen für mehr als 100.000 Familien produziert und bereitstellt. Dazu zählen genossenschaftliche Bestattungsdienste, Lebensmittelmärkte, ein Gesundheitsnetzwerk, Spar- und Darlehensdienste sowie Agrarproduktion und kleine Verarbeitungsbetriebe. Die Right Livelihood Award Stiftung würdigte Cecosesola als „eine Inspiration für alle, die nach alternativen ökonomischen Ansätzen suchen und das traditionelle hierarchische Modell in privaten und staatlichen Unternehmen überwinden wollen“. Die Aktivitäten würden weit unter den Einzelhandelspreisen angeboten.

Der vierte Preisträger, das Africa Institute for Energy Governance (AFIEGO) aus Uganda, unterstützt Gemeinden dabei, sich gegen umweltschädliche Projekte bei der Öl- und Gasförderung zu wehren. „Durch Lobbyarbeit, Medienkampagnen sowie lokale und internationale rechtliche Schritte hat AFIEGO dafür gesorgt, dass die Stimmen der Gemeinden bei Entscheidungsträger*innen Gehör finden“, stellte die Jury fest. Trotz Repressionen durch die ugandische Regierung stehe AFIEGO unerschrocken gegen Landraub und Umweltzerstörung. Insbesondere setze sich die Organisation für einen Stopp der umstrittenen East African Crude Oil Pipeline ein, die Rohöl aus Uganda zu einem Hafen in Tansania transportieren soll. Der 1980 ins Leben gerufene Right Livelihood Award unterstützt Menschen, die sich, teils unter Gefahr für Leib und Leben, für eine friedliche, gerechte und nachhaltige Welt für alle einsetzen. Durch die Ehrung und den Aufbau von weltweiten Netzwerken soll der Preis dringliche und langfristige gesellschaftliche Veränderungsprozesse fördern.

Gestiftet wurde der „Alternative Nobelpreis“ von dem Journalisten und Philantropen Carl Wolmar Jakob von Uexküll (78), einem ehemaligen Mitglied des EU-Parlaments. Zuvor hatte er sich bemüht, einen Nobelpreis für Ökologie und Entwicklung zu finanzieren; dies lehnte der Vorstand der Nobelstiftung jedoch ab. Das Büro der Right Livelihood Foundation hat seinen Hauptsitz in Stockholm, wo die Auszeichnung den Preisträgerinnen und Preisträgern am 30. November übergeben wird.

Von Christoph Schmidt (KNA)