Weltkirche-Bischof Meier: Wir sind in Deutschland nicht der Nabel der Weltkirche
Bild: © Dieter Mayr/KNA
Interview

Weltkirche-Bischof Meier: Wir sind in Deutschland nicht der Nabel der Weltkirche

Augsburg ‐ Seit September 2021 ist der Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier Vorsitzender der Konferenz Weltkirche. Es werde künftig darauf ankommen, die Kräfte in der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland weiter zu bündeln, erklärt er im Interview mit dem Internetportal weltkirche.de - und verrät, warum er während des Studiums so manche Vorlesung verpasst hat. (Teil 1/3)

Erstellt: 10.01.2022
Aktualisiert: 08.09.2022
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Frage: Herr Bischof Dr. Meier, inmitten der Pandemie haben Sie das Amt des Vorsitzenden der Kommission Weltkirche übernommen. Diese Aufgabe lebt von der persönlichen Begegnung – auch über Grenzen hinweg. Wie ist es Ihnen damit bisher ergangen?

Bischof Dr. Meier: Wie viele andere leide auch ich darunter, dass derzeit nur sehr wenige präsentische Treffen möglich sind. Aber ich tue alles, um am Netzwerk der Weltkirche mitzuknüpfen und darin ein Knotenpunkt zu sein. Ich versuche einfach, aus der Not eine Tugend zu machen. Die moderne Technik hilft, aber sie ersetzt keine „berührenden“ Begegnungen. Immerhin habe ich den Vorteil, dass ich in der weltkirchlichen Szene kein Unbekannter bin.

Frage: Als Vorsitzender der Konferenz Weltkirche sind Sie nun eine Art „Außenminister“ der katholischen Kirche in Deutschland. Was macht dieses Amt aus und auf welche Aufgaben freuen Sie sich besonders?

Meier: Es geht um den Dreiklang: Koordination – Organisation – Inspiration. Zunächst möchte ich die zahlreichen Akteure, die in unserem Land weltkirchlich unterwegs sind, kennenlernen und darauf achten, dass die wertvollen Projekte, die es gibt, noch mehr koordiniert werden. Damit hängt zusammen, dass es künftig darauf ankommen wird, uns noch besser aufzustellen. Es gilt, unsere Kräfte zu bündeln: personell und finanziell. Und schließlich ist es mir ein Anliegen, weltkirchliche Spiritualität zu fördern. Katholiken „ticken“ global. Sie schauen über den eigenen Tellerrand hinaus. Diese weltkirchliche Perspektive sollten wir gerade hier in Deutschland hochhalten. Dafür werden wir auch international anerkannt und geschätzt. 

„Es gilt, unsere Kräfte zu bündeln: personell und finanziell.“

—  Zitat: Dr. Bertram Meier, Bischof von Augsburg und Vorsitzender der Konferenz Weltkirche

Frage: Sie haben selbst viele Jahre im Ausland verbracht, unter anderem in Rom. Was bedeutet Weltkirche für Sie persönlich?

Meier: Schon als Kind habe ich Weltkirche erlebt und gelernt: In meiner Heimatgemeinde waren Priester aus der Einen Welt als Urlaubsvertreter tätig; es gab einen sehr engagierten Missionskreis; unsere Pfarrjugend hat sog. Missionsprojekte beworben und durch Aktionen unterstützt. Sternsingen gehörte für mich schon als Kind zum Pflichtprogramm. Da können Sie sich vorstellen, dass die Studienjahre in Rom und später die Arbeit im Vatikan für mich ein „Eldorado“ der Weltkirche waren. Gern erinnere ich mich an die täglichen Bar-Besuche an der Gregoriana (1551 gegründete päpstliche Universität in Rom, Anmerkung d. Red.), wo die Cappuccino-Pause mit Kommilitonen aus anderen Ländern und Kulturen oft sehr ausgedehnt war. Wegen der interessanten Gespräche fand manche Vorlesung dann ohne mich statt.

Frage: Wo erleben Sie selbst diese Weltkirche?

Meier: Im täglichen Geschäft als Bischof: angefangen bei der Korrespondenz über Telefonate bis hin zu gegenseitigen Besuchen, soweit das in Corona-Zeiten möglich ist. Für 2022 stehen schon ein paar Auslandsreisen im Kalender. Hoffentlich lassen sich die Pläne realisieren.

„Wegen der interessanten Gespräche fand manche Vorlesung dann ohne mich statt.“

—  Zitat: Weltkirche-Bischof Meier über internationale Cappuccino-Pausen an der Gregoriana in Rom

Frage: In Anbetracht der Vielzahl unterschiedlicher Kulturen, Sprachen, Riten und Traditionen: Was hält nach ihrer Erfahrung die Kirche weltweit zusammen?

Meier: Es ist der weihnachtliche Paukenschlag: Gott wird Mensch. Wenn die Welt menschlicher werden soll, dann haben wir eine gemeinsame Mission, die alle Katholiken in der weltweiten Kirche verbindet. Auf den Punkt gebracht: Frieden und Gerechtigkeit, Gesundheit und die Bewahrung der Schöpfung sind Themenfelder, die wir nur gemeinsam schultern können. So ist uns eine Klammer der Einheit vorgegeben, die wir gar nicht erst organisieren müssen. Katholisch sein heißt automatisch: weltkirchlich glauben und leben. Darauf bin ich stolz.

Frage: Was können wir als Kirche in Deutschland von der Weltkirche lernen?

Meier: Etwas mehr Gelassenheit und Bescheidenheit. Wir sind in Deutschland nicht der Nabel der Weltkirche. 

Die Fragen stellte Damian Raiser (weltkirche.de)

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