Schick: Friede braucht Versöhnung und Verzicht auf Rache

  • Frieden - 06.09.2021

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat es als großes Glück bezeichnet, dass in Deutschland seit 76 Jahren Frieden herrscht. Bei der Friedenswallfahrt in Neuengrün erinnerte er am Samstag an den Zweiten Weltkrieg und an die Mammutaufgabe, die dessen Ende 1945 mit sich gebracht habe. Dass es in der Nachkriegszeit gelungen sei, in Westeuropa ein friedliches Miteinander aufzubauen, sei Politikern zu verdanken, „die vom christlichen Geist beseelt waren“.

Akteure wie Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide de Gasperi hätten erkannt, dass Ausgleich sowie Verzicht auf Rache und Versöhnung wichtige Voraussetzungen für den Frieden seien, so der Erzbischof. Wahrhaftige Versöhnung sei jedoch nur möglich, wo der Realität ins Auge geblickt werde. Deswegen sei es wichtig gewesen, die Schuld des Hitlersystems wahrzunehmen, nämlich die Genozide an Juden, Polen, Sinti und Roma sowie den blinden Nationalismus, der andere Völker und Nationen verdrängen sollte.

Als weitere Voraussetzung für den Frieden nannte Schick Gleichheit und Freiheit. Gleichheit solle in diesem Zusammenhang jedoch als Ausgleich verstanden werden und nicht als Gleichmacherei. Gleichheit unter Nationen und Völkern meine, dass diese sich gegenseitig als gleichwürdig und gleichwertig anerkennten, trotz der Verschiedenheit der Menschen, Kulturen, Sprachen, Religionen oder auch ihrer Geschichte. Es sei nicht gemeint, dass alle nach der gleichen Fasson selig werden müssten. Vielmehr fordere das Christentum „Gleichheit in der Verschiedenheit“, die in Freiheit akzeptiert würde.

„Wir sind im Augenblick in einer geschichtlichen Situation, in der wir manches zu vergessen scheinen“, mahnte der Erzbischof. „Wir vergessen, was zum Krieg geführt hat, nämlich Nationalismen, Populismen und Rassismus.“ Es sei Aufgabe eines jeden Gläubigen, sich für die Weitergabe des christlichen Glaubens und der Werte des Evangeliums einzusetzen, so Schick.

Die Friedenswallfahrt in Neuengrün fand dieses Jahr zum 76. Mal statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von Kriegsheimkehrern ins Leben gerufen und erstmals am 8. September 1946 begangen. Seitdem erinnert die Wallfahrt immer am ersten Samstag im September an die Schrecken des Krieges und den Wert des Friedens.

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