UN: 400.000 Menschen im äthiopischen Tigray droht der Hungertod

  • Addis Abeba - 07.07.2021

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungerkatastrophe in der äthiopischen Konfliktregion Tigray und rufen zu internationaler Hilfe auf. 400.000 Menschen drohe dort der Hungertod, weitere 1,8 Millionen seien gefährdet, sagte der amtierende Chef des UN-Nothilfebüros OCHA, Ramesh Rajasingham, bei einer Sondersitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am Freitagabend (Ortszeit) in New York.

Durch die Kämpfe zwischen der äthiopischen Armee und der Volksbefreiungsfront TPLF seien 1,7 Millionen Bewohner Tigrays vertrieben worden. Zudem berichtete die UN-Behörde von 1.200 dokumentierten Fällen sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder. Dies sei aber wohl nur ein Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes.

Das Leben vieler Menschen in Tigray hängt nach den Worten Rajasinghams davon ab, ob die Staatengemeinschaft bereit ist, sie mit Lebensmitteln, medizinischer und humanitärer Hilfe zu unterstützen: „Und wir müssen sie jetzt erreichen. Nicht nächste Woche. Jetzt.“ Er forderte alle Konfliktparteien dazu auf, die Kämpfe sofort einzustellen und Hilfe für Zivilisten zu ermöglichen.

5,2 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen

Im November 2020 hatten äthiopische Regierungstruppen eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront TPLF in Tigray begonnen. Beteiligt sind auch Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea, das Äthiopiens Armee unterstützt. Im Zuge des Konflikts gab es wiederholt Berichte über Massaker an Zivilisten und andere Gräueltaten in der weithin abgeschnittenen nordäthiopischen Provinz.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind 5,2 Millionen Menschen in Tigray, also mehr als 90 Prozent der Bevölkerung, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Am Montag hatte die äthiopische Regierung einseitig einen humanitären Waffenstillstand für die Region erklärt, dem sich die TPLF bisher nicht offiziell angeschlossen hat.

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