Kolonialismus-Forscher fordert schnelle Impf-Hilfe für Namibia

  • Afrika - 05.07.2021

Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage in Namibia fordert der Hamburger Historiker und Kolonialismus-Forscher Jürgen Zimmerer schnelle Impfstoff-Hilfe aus Deutschland. Das sei ein Gebot historischer Gerechtigkeit, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag): „In Namibia trifft die Covid-Pandemie auf ein Land, dessen Gesundheitssystem auch auf Grund der kolonialen Geschichte“ völlig unzureichend ausgebaut sei.

Das Land habe keinen Impfstoff mehr und keinen Zugang zum kostenlosen Covax-Hilfsprogramm, da es als Land mittleren Einkommens klassifiziert sei, so der Historiker weiter. Er nannte es eine „bittere Ironie“, dass Namibia durch sein Durchschnittseinkommen in die mittlere Gruppe eingestuft werde, während es wegen der nach wie vor kolonialen Wirtschaftsstruktur Spitzenreiter in der Schere zwischen arm und reich sei: „Die Opfer von Kolonialismus und Apartheid leiden doppelt, und sind nun auch durch Covid massiv gefährdet.“

Auch mehrere führende Repräsentanten der Herero seien in den vergangenen Wochen nach Corona-Infektionen gestorben, darunter sowohl der Chefunterhändler des Versöhnungsabkommens mit Deutschland als auch einer der wichtigsten Kritiker. „Dass die drohende medizinische Katastrophe zeitlich zusammenfällt mit dem Abschluss der Regierungsverhandlungen über den Genozid, erfordert schnelles und eindeutiges Handeln der Bundesregierung“, ergänzte Zimmerer.

„Ein Gebot historischer Gerechtigkeit“

Die offizielle Unterzeichnung des Versöhnungsabkommens müsse auf Eis gelegt werden, „bis die Herero Zeit hatten, ihre Repräsentanten zu betrauern, neue zu wählen und ihre Haltung zum Abkommen in Ruhe zu bestimmen.“ Außerdem sei schnelle Hilfe etwa durch die Bereitstellung von Impfstoff durch Deutschland nun „ein Gebot historischer Gerechtigkeit“.

Zimmerer fügt hinzu: „Es wäre das stärkste Zeichen der Verantwortungsübernahme durch Deutschland, wenn es nun alles Erdenkliche unternehmen würde, um den Erhalt der überlebenden Herero und Nama in der Gegenwart zu schützen“.

Ende Mai hatten sich Deutschland und Namibia im Grundsatz auf eine „Gemeinsame Erklärung“ verständigt. Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Mit dem Abkommen will die Bundesrepublik die Verbrechen deutscher Truppen an den Volksgruppen der Herero und Nama offiziell als Völkermord anerkennen und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung bitten. Im Raum steht ein 1,1 Milliarden Euro umfassendes Wiederaufbauprogramm.

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