Adveniat zum „Superwahlsonntag“: Armutsbekämpfung oberstes Gebot

  • Südamerika - 12.04.2021

In Bolivien, Ecuador und Peru ist am Wochenende gewählt worden. Während in Ecuador der konservative Politiker Guillermo Lasso klar gewonnen hat, steht in Peru noch nicht fest, wer an der kommenden Stichwahl teilnehmen darf. In Bolivien deutet sich nach den ersten Ergebnissen an, dass die Menschen nach den unruhigen Monaten die politische Macht auf mehrere Schultern verteilen wollen.

„Alle Wahlen haben richtungsweisenden Einfluss nicht nur auf das politische Geschehen in ihren Ländern, sondern über die Grenzen hinaus“, betont Thomas Wieland vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Jetzt gelte es, die Probleme der Region anzupacken: „Lateinamerika wird gleich von mehreren Krisen erschüttert. Der Subkontinent leidet unter einer rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen, häufig im Interesse großer Industrienationen aus dem Westen und Asien. Diese bringen Probleme für Mensch und Natur mit sich. Damit hängen auch massive Migrationsbewegungen zusammen: Aufgrund von Armut fliehen vor allem Menschen aus Venezuela nach Kolumbien und in weitere lateinamerikanische Länder und aufgrund von Gewalt aus Mittelamerika in Richtung USA. Als Verstärker dieser Krisen entfaltet sich die aktuelle Corona-Pandemie, die die Region vor allem wirtschaftlich viel härter trifft als Europa und für eine neue Armutswelle sorgt“, sagt der Leiter der Projektabteilung von Adveniat. „Die Wahlgewinner müssen zusammen mit der internationalen Staatengemeinschaft die Corona-Pandemie und die durch sie verursachte Armut bekämpfen, die Rechte der Migranten und aller Menschen achten sowie die Umwelt schützen“, fordert Wieland.

In Ecuador ist nach dem Wahlsieg des konservativen Politikers Guillermo Lasso nun die Zeit gekommen, die Polarisierung zu überwinden und den Dialog zu suchen. Der relativ knappe Wahlausgang verdeutlicht die Spaltung der Gesellschaft. Wie die Umweltbewegung in Ecuador, ruft auch Adveniat die neue Regierung auf, den Dialog mit den Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen zu suchen. Adveniat stellt sich laut Wieland zudem hinter den Appell der Ecuadorianischen Bischofskonferenz an alle Kräfte in der Politik, fanatische Ideologien und extreme Positionen zu überwinden und auch jene zu respektieren, die andere Ansichten vertreten: „Die Überwindung der Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie erfordert ein gemeinsames Handeln aller gesellschaftlichen Kräfte.“ 

„In Bolivien ist nach einem monatelangen Wahlkampf zunächst auf nationaler und zuletzt auf regionaler Ebene die Zeit für einen breiten Dialog gekommen“, sagt Wieland. Auch das Lateinamerika-Hilfswerk rufe wie die Bolivianische Bischofskonferenz alle Konfliktparteien dazu auf, aufeinander zuzugehen und zu versuchen, die innenpolitischen Probleme im gegenseitigen Respekt zu lösen. „Dazu ist auch eine von der Politik unabhängige juristische Aufarbeitung der Vorfälle aus den Unruhejahren 2019 aber auch davor notwendig“, sagt Lateinamerika-Experte Wieland. Die Menschen hätten sich nach den unruhigen Monaten in Folge der Wahlen 2019 und 2020 entschieden, die politische Macht im Land auf mehrere Schultern zu verteilen. „Das deutet darauf hin, dass sich die Bolivianerinnen und Bolivianer ein Miteinander statt ein Gegeneinander wünschen.“

In Peru sei es laut Wieland noch zu früh, ein Urteil über den Wahlausgang abzugeben. Der Aufruf der Peruanischen Kirche, die offiziellen Ergebnisse mit Geduld und in demokratischer Verantwortung abzuwarten, sei das Gebot der Stunde.

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