Benin wählt einen neuen Präsidenten

  • Afrika - 09.04.2021

5,5 Millionen Menschen in Benin sind am Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Amtsinhaber Patrice Talon modernisiert. Immer schlechter bestellt ist es aber um Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Täglich werden in Benins Metropole Cotonou neue Plakate aufgehängt. Sie weisen auf die Präsidentenwahl am 11. April hin und zeigen fast immer zwei Personen: Amtsinhaber Patrice Talon und Mariam Chabi Talata. Die Frau aus dem Norden des Landes ist bisher zwar wenig bekannt. Wird Talon wiedergewählt, soll sie Stellvertreterin werden. Die beiden übrigen Kandidaten Corentin Kohoue und Alassane Soumano sind hingegen kaum zu sehen. Viel weiß man über sie ohnehin nicht. Auch wenn sie einen harten und engagierten Wahlkampf angekündigt hatten, zweifelt niemand am zweiten Mandat für Talon.

Auf den ersten Blick hat der 62-Jährige viel vorzuweisen. In Cotonou ist der Flughafen modernisiert worden, Straßen wurden ausgebessert und neue gebaut. An der mittlerweile sechsspurigen Küstenstraße Marina verspricht ein Plakat die Errichtung eines Behördenviertels. Ganz in der Nähe ist eine Parkanlage in Planung. Dreimal pro Woche ist außerdem die staatliche Müllabfuhr unterwegs, die bisher kostenlos ist. Cotonou gibt sich modern und ordentlich.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Das passt zum Regierungsstil Talons. Mit dem Export von Baumwolle hat er ein Vermögen verdient und gilt laut Wirtschaftsmagazin „Forbes“ als reichster Beniner. Als Berater seines Vorgängers Boni Yayi stand er stets in engem Kontakt zur politischen Elite. Talon, heißt es immer wieder, führe das Land eher wie ein Unternehmen. Steve Kpoton, Jurist und Analyst, sagt: „Er regiert schnell, pragmatisch und effizient.“

Und ohne Rücksicht auf Verluste, finden Kritiker. Charlotte Ganfled steht vor ihrem Haus in Fidjrosse, einem der Viertel, das durch das „Projekt Asphaltierung“ der Regierung aufgewertet wurde. Die neue Straße vor ihrem Haus ist ordentlich asphaltiert und bisher frei von Schlaglöchern. Dabei haben sie und ihr Mann jedoch zwei Zimmer und das Bad verloren. Wo sie sich einst gewaschen haben, fahren jetzt Autos. Doch nicht nur das: „Früher haben wir Frauen vor dem Haus unsere kleinen Stände aufgebaut. Dafür ist jetzt kein Platz mehr“, ärgert sie sich. Ein paar Plastikeimer, Wannen, Zuckerrohr, Mais, Brot und Brennholz hat sie noch im Angebot. Für mehr reicht es nicht.

Elf Kilometer weiter Richtung Osten zwischen Hafen und Lagune zuckt auch Daniel Avinou mit den Schultern. Der 14-Jährige trägt ein blaues Trikot der Fußballschule des Hamburger Sportvereins und hat einen Wunsch: Er möchte Profifußballer werden und etwas für seine Familie tun. Diese besteht seit Generationen aus Fischern und lebt im Viertel Xwlacodji. Von der Fischerei zu leben, ist allerdings schwieriger denn je. Das Meer ist überfischt und der Fang reicht kaum noch aus, um alle zu ernähren.

Hoffnung hat auch Talons Regierung nicht gebracht. Das „Projekt Asphaltierung“ hat es nicht nach Xwlacodji geschafft. Die Straßen sind sandig, und in die Zimmer der Hinterhöfe quetschen sich nachts Dutzende Menschen. „Fußballtraining zu bekommen, das wäre der Anfang“, sagt Schüler Daniel schüchtern. Hoffnungen in Talon setzt in diesem Hinterhof niemand.

Menschenrechtler schlagen Alarm

Alarm geschlagen haben auch Menschenrechtler. Laut der Nichtregierungsorganisation Freedom House sei Benin nur noch „teilweise frei“. Reporter ohne Grenzen sieht die Pressefreiheit zunehmend beeinträchtigt. Amnesty International forderte die Behörden vergangene Woche auf, jene zu schützen, die von Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch machen.

Die Einschränkungen spiegeln auch die geringe Kandidatenanzahl. Beobachter sind sich zwar einig, dass mehr Kandidaten nicht notwendigerweise mehr Demokratie bedeuten. Bekannte Oppositionspolitiker waren jedoch im Vorfeld durch das neu eingeführte Patensystem ausgeschlossen worden. Das besagt: Zehn Prozent der Bürgermeister oder Parlamentarier müssen einen Bewerber für geeignet halten, bevor sein Name auf dem Stimmzettel steht. 17 Bewerbungen sind im Februar durchgefallen. Problematisch dabei ist außerdem, dass seit 2019 im Parlament nur noch zwei regierungsnahe Parteien vertreten sind.

Das hatten im vergangenen Jahr Vertreter der katholischen Kirche kritisiert und die Abschaffung des Systems gefordert – ohne Erfolg. Gemeinsam mit Anhängern aller Glaubensrichtungen hatten sie im März zudem in der Hauptstadt Porto Novo zu friedlichen Wahlen aufgerufen.

Von Katrin Gänsler

© KNA

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