„Sklaverei ist längst nicht überwunden“

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  • Menschenhandel - 08.02.2021

Die Deutsche Bischofskonferenz fordert mehr Engagement gegen Ausbeutung und Menschenhandel. „Die Umstände und Methoden mögen sich geändert haben, doch die Sklaverei ist längst nicht überwunden“, sagte der Kölner Weihbischof Ansgar Puff am Samstag in Bonn. Er ist Vorsitzender der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“, die die Migrationskommission der Bischofskonferenz eingerichtet hat.

Ein erheblicher Teil des weltweiten Menschenhandels finde im Rahmen von Arbeitsausbeutung statt, so Puff weiter. Sie ereigne sich beim Abbau von Rohstoffen oder in der Textilindustrie, „oft unsichtbar für uns in anderen Gegenden der Welt. Aber auch inmitten unserer Gesellschaft gibt es Systeme der Ausbeutung, wie die Skandale in der Fleischindustrie vergangenes Jahr gezeigt haben.“

All diesen Formen der Ausbeutung sei gemein, dass sich mit ihnen viel Geld verdienen lasse. Die Staaten müssten dies unterbinden und gut geschultes Personal einsetzen, das für die Anliegen von Betroffenen sensibilisiert sei, forderte der Weihbischof. Zugleich sei jeder Einzelne gefragt: „Wir alle sollten uns fragen, ob wir mit unserem Kaufverhalten Ausbeutung unterstützen.“

Die Kirchen müssten hier als Vorbilder fungieren, fügte Puff hinzu. Neben dem Einkauf fair gehandelter Produkte, der in Diözesen und bei anderen katholischen Organisationen oft schon etabliert sei, sollte auch in anderen Bereichen bei der Vergabe von Aufträgen eine besondere Sorgfalt gelten. Auch könnten etwa die katholischen Bildungseinrichtungen ein Bewusstsein für das Verbrechen des Menschenhandels schaffen.

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Laut Schätzungen sind rund 40 Millionen Menschen auf der Welt Opfer von moderner Sklaverei und organisiertem Menschenhandel. Sie werden als Zwangsarbeiter und, vor allem Frauen und Kinder, als Prostituierte oder auch für den Organhandel ausgebeutet.


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Am Montag begeht die katholische Kirche den Weltgebetstag gegen den Menschenhandel. Papst Franziskus hat den Tag 2015 festgelegt. Es handelt sich um den Gedenktag der heiligen Josephine Bakhita (1869-1947), der Schutzpatronin der Opfer von Sklaverei.

„Bereits als Kind geriet Josephine Bakhita im sudanesischen Darfur in die Hände von Sklavenhändlern – ein Schicksal, das auch heute noch Millionen von Menschen ereilt. Die Umstände und Methoden mögen sich geändert haben, doch die Sklaverei ist längst nicht überwunden.“ Auch inmitten unserer Gesellschaft gebe es Systeme der Ausbeutung, wie die Skandale in der Fleischindustrie vergangenes Jahr gezeigt hätten, so Weihbischof Puff.

Er erinnerte auch daran, dass das Gebet die Kraft zum Bewusstseinswandel habe: „Zusammen mit Ordensschwestern auf der ganzen Welt möchte ich heute dazu aufrufen, für die Überwindung der Sklaverei zu beten: sei es mit einem persönlichen Gebetstext oder mit dem Gebet, das Papst Franziskus an die hl. Josephine Bakhita gerichtet hat.“

Gebet von Papst Franziskus (aus den Pastoralen Orientierungen zum Menschenhandel)

Himmlischer Vater, wir danken dir für das inspirierende Beispiel der heiligen Josephine Bakhita.

Heilige Josephine Bakhita, du wurdest als Kind versklavt; du wurdest gekauft und wieder verkauft; du wurdest brutal behandelt.

Wir erbitten deine Fürsprache für all jene, die sich in den Fängen von Menschen- und Sklavenhändlern befinden.

Mögen diese sie freilassen, und möge dieses Übel für immer vom Erdboden verschwinden.

Heilige Josephine Bakhita, als du deine Freiheit wiedererlangt hast, hast du nicht zugelassen, dass deine Leiden dein Leben bestimmen.

Du hast einen Weg der Freundlichkeit und Großzügigkeit gewählt.

Hilf denjenigen, die von Gier und Lust geblendet sind und die Menschenrechte und Würde ihrer Brüder und Schwestern mit Füßen treten.

Hilf ihnen, sich von den Ketten des Hasses zu befreien, um wieder ganz Mensch zu werden, und sich deine Freundlichkeit und Großzügigkeit zum Vorbild zu nehmen.

Liebe heilige Josephine Bakhita, deine Befreiung hat dich zu Christus und seiner Kirche geführt.

Dann hat Gott dich zum Ordensleben als Canossianerin berufen.

Du hast deine Berufung erfüllt von großer Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Güte gelebt.

Hilf uns, stets wie du zu sein, besonders wenn wir in Versuchung geraten, wegzuschauen und nicht zu helfen, andere abzulehnen oder gar zu missbrauchen.

Bitte für uns, damit Christus unsere Herzen mit Freude erfüllt, so wie er stets deines erfüllt hat.

Liebender Gott, bringe dein barmherziges Licht in unsere aufgewühlte Welt. Lass es die dunkelsten Schatten durchdringen.

Rette die Unschuldigen, die unter der Sünde des Missbrauchs leiden.

Bekehre die verlorenen Seelen, die sie gefangen halten und ausbeuten.

Schenke uns allen die Kraft, in der wahren Freiheit der Liebe zu dir und der Liebe füreinander und für unser gemeinsames Zuhause zu wachsen.

Amen.

Papst ruft zum Kampf gegen Menschenhandel auf

Zum Weltgebetstag gegen Menschenhandel hat auch Papst um eine breite Beteiligung bei diesem Engagement geworben. In diesem Jahr gehe es darum, „für eine Wirtschaft zu arbeiten, die diesen schändlichen Handel auch nicht nur indirekt begünstigt“, sagte das Kirchenoberhaupt beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Ziel müsse eine Wirtschaft sein, in der „Männer und Frauen nie zur Ware, zum bloßen Objekt gemacht werden“. Der Mensch sei immer Ziel des Wirtschaftens.

Die Arbeitsgruppe Menschenhandel

Die katholischen Organisationen, die sich in Deutschland gegen den Menschenhandel engagieren, haben sich 2014 auf Initiative der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in der „Arbeitsgruppe Menschenhandel“ zusammengeschlossen. Neben dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Büro in Berlin sind darin der Deutsche Caritasverband, die Deutsche Kommission Justitia et Pax, Renovabis, Missio Aachen, Solwodi, IN VIA und das Fraueninformationszentrum Stuttgart vertreten. Seit 2018 wird die Arbeitsgruppe durch den stellvertretenden Vorsitzenden der Migrationskommission, Weihbischof Ansgar Puff (Köln), geleitet.

© Text: KNA/DBK/ Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen – Abteilung Migranten und Flüchtlinge: Pastorale Orientierungen zum Menschenhandel