Kirche und Hilfswerke fordern faire Verteilung von Impfstoff

  • Pandemiebekämpfung - 07.02.2021

In der Corona-Pandemie fordern Kirche und Caritas eine faire Verteilung der Impfstoffe weltweit. Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verlangt, Afrika versprochene Impfdosen gegen Covid-19 zukommen zu lassen.

Nach Auffassung des Vatikan sollte der weltweite Zugang zu Corona-Impfstoffen im UN-Sicherheitsrat verhandelt werden. Nötig seien „feste politische Entscheidungen auf Grundlage des Multilateralismus“, erklärte am Freitag der Dachverband der Caritas-Organisationen im Vatikan. Die Impffrage sei ein globales Sicherheitsproblem. Zugleich forderte Caritas Internationalis einen umgehenden Schuldenerlass für die ärmsten Länder, damit diese ihr Gesundheitssystem stärken könnten.

Die Impfstoffe hätten zusammen mit Hoffnung auch eine größere Ungleichheit gebracht, hieß es. Unterzeichnet ist die Erklärung von den Kurienkardinälen für Mission und Entwicklung, Luis Tagle und Peter Turkson. Tagle ist auch Präsident von Caritas Internationalis. Arme, Minderheiten, Flüchtlinge und gesellschaftlich Ausgegrenzte seien dem Virus am stärksten ausgesetzt. Diese Menschen im Stich zu lassen, setze die globale Gemeinschaft aufs Spiel.

Impfstoff nach humanitären Aspekten verteilen

Während reiche Nationen auf eine Rendite für ihre Investitionen in die Erforschung und Produktion des Impfstoffs hofften, bleibe der globale Süden außen vor. Den Industriestaaten warf Caritas Internationalis Nationalismus und Protektionismus vor. Auch die Frage der Patente müsse dringend erörtert werden. Es gehe darum, eine lokale Produktion in Afrika, Lateinamerika und Asien zu ermöglichen und den Zugang zu Impfstoffen zu beschleunigen.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Bislang wurde nicht eine einzige Dose des von der Weltgesundheitsorganisation zugelassenen Impfstoffes der Firma Pfizer in Afrika verabreicht – eine krasse Diskrepanz zu den rund 100 Millionen Dosen, mit denen überwiegend Menschen in westlichen Industrienationen geimpft worden sind.“ Es dürfe nicht sein, dass der Impfstoff nach finanziellen und nicht nach humanitären Aspekten verteilt werde.

Programme zu anderen Impfungen unterbrochen

Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen sagte der Nachrichtenseite ntv.de: „Unsere Regierung sollte sich jetzt dafür einsetzen, dass die maßgeblich mit deutschen und europäischen Steuergeldern geförderten Impfstoffe rund um die Welt auf Hochtouren produziert und zu bezahlbaren Preisen verkauft werden.“ Er verwies außerdem auf die Covax-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die nicht greife, denn „der Westen hat sich trotz seines Bekenntnisses zum gemeinsamen Handeln unsolidarisch gezeigt“.

Dass Afrika scheinbar gut mit der Pandemie zurechtkomme, sei möglicherweise trügerisch, so Gertler. Es werde zu wenig getestet, und die Übersterblichkeitszahlen seien kaum bekannt. Langsam zeigten wissenschaftliche Daten zudem, dass vermutlich bereits viel mehr Menschen in Afrika an Covid-19 gestorben seien, als die bekannten Statistiken es zeigten. Auch hätten Lockdowns und andere Maßnahmen einschneidende wirtschaftliche Folgen, Millionen Kinder könnten nicht zum Unterricht, Programme zu anderen Impfungen seien unterbrochen.

© Text: KNA

Essen - 20.09.2021

Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat reagiert „entsetzt und beschämt“ auf die Beteiligung des ehemaligen Adveniat-Geschäftsführers Emil Stehle (1926-2017) an der Vereitelung der Strafverfolgung eines Priesters. „Das Haus Adveniat – seine Leitung und seine Mitarbeitenden – denken hier zuerst an das Leid der Opfer, das durch die Beteiligung Stehles an der Strafvereitelung vergrößert wurde“, teilte Adveniat mit.

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