UN ziehen Friedenstruppen aus dem Sudan ab

  • Afrika - 05.01.2021

Die Vereinten Nationen haben am Neujahrstag mit dem Abzug ihrer Mission in der sudanesischen Krisenregion Darfur begonnen. Bis 30. Juni sollten alle Militär- und Polizeikräfte der Mission UNAMID das Land verlassen haben, teilten die Vereinten Nationen in Khartum mit. Damit werde ein entsprechender Beschluss des UN-Sicherheitsrates vom 22. Dezember umgesetzt. Mit dem Ende der Mission gehe die „Verantwortung für den Schutz von Zivilisten“ an die Regierung des Sudans über, hieß es weiter.

Die sudanesische Übergangsregierung hatte um ein Ende der Mission gebeten, die 2007 startete. Zeitweilig waren 16.000 Blauhelme in der Krisenregion im Westen des Landes stationiert. Weil die Sicherheitslage auch 13 Jahre nach Beginn von UNAMID weiter als angespannt gilt, rief das Ende der Mission Kritik von Menschenrechtlern hervor.

2003 brach in der Region Darfur ein Konflikt aus, nachdem die dortige Bevölkerung mehr Mitsprache und wirtschaftliche Unterstützung von der Zentralregierung eingefordert hatte. Omar Al-Baschir, der bis 2019 an der Macht war, antwortete mit äußerster Brutalität; unter seiner Verantwortung sollen mehr als 300.000 Menschen gestorben sein.

Sudan

Der Sudan ist mit einer Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern nach Algerien und dem Kongo der drittgrößte Staat Afrikas. Die Bevölkerungszahl wird nach jüngsten Schätzungen auf etwa 45,5 Millionen Menschen beziffert. Politisch instabile Verhältnisse, massive wirtschaftliche Probleme und eine unsichere Ernährungslage schlagen sich unter anderem im Entwicklungsindex HDI nieder: Dort steht der Sudan auf Platz 168 von 189 Nationen.

Übergriffe von Milizen und regionale Konflikte wie in den Bundesstaaten Darfur, Südkordofan und Blauer Nil zwangen und zwingen immer wieder Menschen zur Flucht. Mit insgesamt rund 2,1 Millionen Binnenvertriebenen belegt der Sudan im weltweiten Vergleich einen der vorderen Ränge. 2011 spaltete sich der christlich dominierte Südsudan vom muslimisch geprägten Norden des Landes ab.

Nach dem Sturz von Langzeitpräsident Omar al-Baschir im April 2019 sehen Beobachter leichte Verbesserungen der Menschenrechtslage. So kündigte die Übergangsregierung im Februar 2020 an, al-Baschir an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auszuliefern. Dem ehemaligen Staatschef werden Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Allein in Darfur sollen unter seiner Verantwortung 300.000 Menschen getötet worden sein.

Der Export von Gold und Öl gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des hochverschuldeten Landes. Potenziell fruchtbarem Ackerland stehen neben Teilen der Sahara-Wüste Regionen gegenüber, die regelmäßig unter Dürren und Wassermangel leiden. Bedeutendste Flüsse sind der Weiße und der Blaue Nil, die sich in der Hauptstadt Khartum zum Nil vereinigen.

© Text: KNA