Papst wirbt für „Kultur der Achtsamkeit als Weg zum Frieden“

  • Weltfriedenstag - 20.12.2020

Papst Franziskus hat angesichts weltweit zunehmender Krisen und Konflikte zu einer „Kultur der Achtsamkeit als Weg zum Frieden“ aufgerufen. In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag (1. Januar) wirbt er für einen „wirklich menschlichen Kurs“ im Globalisierungsprozess.

„Dies würde es in der Tat erlauben, den Wert und die Würde eines jeden Menschen zu achten“, so das Kirchenoberhaupt. Die Verantwortlichen aller Länder sollten „gemeinsam und solidarisch für das Gemeinwohl handeln und alle aufrichten, die unter Armut, Krankheit, Sklaverei, Diskriminierung und Konflikten leiden“.

Erneut wendet sich Franziskus gegen eine „heute oft vorherrschende Kultur von Gleichgültigkeit, Wegwerfen und Konfrontation“. Diese müsse man „ausmerzen“. Wenn es der internationalen Gemeinschaft gelinge, sich an einem Kompass sozialer Prinzipien zu orientieren, könne dieses Ziel erreicht werden. Der Argentinier verwies auf eine „Grammatik der Achtsamkeit“, die aus folgenden Grundsätzen abzuleiten sei: Förderung der Würde eines jeden Menschen, Solidarität mit den Armen und Schutzlosen, Sorge um das Gemeinwohl und Bewahrung der Schöpfung.

Die Corona-Pandemie habe in den vergangenen Monaten etliche Krisen verschärft, die miteinander in engem Zusammenhang stünden: die Klima-, Ernährungs-, Wirtschafts- und Migrationskrisen. All das habe „schweres Leid und Not“ verursacht. Obendrein gewännen „verschiedene Formen von Nationalismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit wie auch Tod und Zerstörung bringende Kriege und Konflikte neuen Schwung“.

Der Papst mahnt: „Wir müssen innehalten und uns fragen: Was hat dazu geführt, dass Konflikte in unserer Welt zur Normalität geworden sind?“ Die Menschheit benötige – dringend wie nie zuvor – einen Mentalitätswandel, „um in Solidarität und Geschwisterlichkeit wirklich Frieden zu suchen“.

Franziskus greift in diesem Zusammenhang eine Idee auf, die er bereits in seiner im Oktober veröffentlichten Enzyklika „Fratelli tutti“ formulierte: Statt Geld für Waffen und Militär auszugeben, solle mit den eingesparten Mitteln ein „Weltfonds“ zur Bekämpfung von Hunger und Elend eingerichtet werden. Das wäre eine „mutige Entscheidung“, so der 84-Jährige.

Eine „Kultur der Achtsamkeit“ könne sich letztlich nur mithilfe eines entsprechenden „Erziehungsprozesses“ durchsetzen, gibt der Papst zu bedenken. Dabei spielten die Religionen „eine unersetzliche Rolle“. Als Beispiel nennt er einen weltweiten Bildungspakt („Global Compact on Education“), für den er seit Monaten wirbt.

In einem Videoclip zur Vorstellung der Friedensbotschaft ermutigt Franziskus zur Schaffung einer friedlicheren, gerechteren Welt. Kurienkardinal Peter Turkson erläuterte, der Schlüssel zur Lösung der gegenwärtigen Menschheitsprobleme sei in der katholischen Soziallehre zu finden. Der Weltfriedenstag sei ein guter Anlass, um dies stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Der Sekretär der Vatikan-Behörde für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Bruno-Marie Duffe, kritisierte „technokratische“ Irrwege, die sich im Licht der Corona-Krise als ausgesprochen schädlich erwiesen hätten. Leidtragende seien vor allem die Schwächsten: Obdachlose, Migranten, Arbeiter im informellen Sektor, Alte. Ohne die eingeforderte „Kultur der Achtsamkeit“ sei ein grundlegender Wandel nicht möglich, so Duffe.

Die katholische Kirche begeht seit 1968 den 1. Januar als Weltfriedenstag; zugleich ist der Neujahrstag das „Hochfest der Gottesmutter Maria“. Zu dem Tag veröffentlicht der Vatikan jeweils eine Botschaft des Papstes, die sich mit einem speziellen Thema befasst. In den vergangenen beiden Jahren ging es um „Gute Politik im Dienst des Friedens“ sowie um „Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“.

Von Alexander Pitz (KNA)

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