Katholischer Priester in Belarus zu zehn Tagen Haft verurteilt

  • Osteuropa - 04.12.2020

Ein Gericht in Belarus hat einen regimekritischen katholischen Priester zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Wie unabhängige örtliche Medien (Donnerstagabend) berichteten, warf die Justiz in Rassony im Nordwesten des Landes Pfarrer Wiachaslau Barok vor, öffentlich ein Nazi-Symbol gezeigt zu haben. Er habe im Internet ein gegen Machthaber Alexander Lukaschenko gerichtetes Plakat des belarussischen Künstlers Uladsimir Zesler präsentiert, auf dem auch ein Hakenkreuz abgebildet ist.

„Das Gerichtsurteil ist rechtswidrig“, wird der Priester zitiert: „Wir werden siegen, Gott ist mit uns, es lebe Belarus!“ Barok hatte vor dem Richterspruch auf seinem YouTube-Kanal betont, er sei gegen Faschismus, Kommunismus und jedes totalitäres Regime. Mit dem Plakat habe er gegen die Gewalt im Land protestieren wollen. Er prangert seit Monaten im Netz Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten und eine Unterdrückung der Demokratiebewegung durch Lukaschenko an.

Bereits am Montag war in Belarus ein Geistlicher der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche ebenfalls zu zehn Tagen Haft verurteilt worden. Er wurde wegen der angeblichen Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration angeklagt. Vor Gericht erklärte er sich für nicht schuldig, wie seine Kirche mitteilte.

Seit der offensichtlich zugunsten Lukaschenkos gefälschten Präsidentenwahl Anfang August gehen in Belarus fast täglich Hunderte Menschen gegen den „letzten Diktator Europas“ auf die Straße. Landesweit fordern sie Neuwahlen und die Freilassung der politischen Häftlinge sowie ein Ende der brutalen Polizeigewalt. Einen Rücktritt lehnt Lukaschenko, der seit 1994 das Land regiert, strikt ab. Sicherheitskräfte nahmen laut Menschenrechtlern bislang mehr als 30.000 Demonstranten fest. Mehrere Hundert Bürger, die das Regime kritisch sehen, wurden zu Haftstrafen verurteilt, einige von Sicherheitskräften getötet.

© Text: KNA