Multireligiöses Berliner „House of One“ jetzt mit Kuratorium

  • Kuehn/Malvezzi House of One Modellfoto © Michel-Koczy/Stiftung House of One
  • Interreligiöser Dialog - 16.11.2020

Namhafte Persönlichkeiten beraten ab sofort als Kuratorium das Berliner Bauprojekt eines „Bet- und Lehrhauses“ von Juden, Christen und Muslimen. In der konstituierende Sitzung des 20 Mitglieder umfassenden Gremiums sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag: „Mit dem 'House of One' schafft Berlin etwas Neues, Einzigartiges. Drei bedeutende Religionsgemeinschaften bauen stellvertretend für alle ein gemeinsames Haus. Das ist eine große Chance für unsere Stadt und soll breit ausstrahlen.“ Es solle ein klares Signal setzen für Verständigung und Kooperation.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hob die Bedeutung von interreligiösen Verständigungsprojekten wie dem ‚House of One' hervor: „Ein friedliches, kreatives Miteinander von Judentum, Christentum und Islam mitten in Berlin, inmitten dieser, auch politisch alles andere als ruhigen Zeit. Das Konzept hat mich persönlich überzeugt.“

Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch wies darauf hin, dass es innerhalb der Religionsgemeinschaften auch kritische Anfragen an das Projekt des „House of One“ gebe: „Hier sollte ein Dialogprozess ermöglicht werden, der das intellektuell Kritische nicht ausschließt.“ Überdies sollte das Projekt auch nichtreligiöse Menschen einbeziehen. Nicht zuletzt sei sein Eindruck, dass das Projekt noch bekannter gemacht werden müsse.

Altbundespräsident Christian Wulff empfahl allen am Projekt Beteiligten die jüngste Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus zur Lektüre: „Ich halte sie sehr hilfreich für das Konzept des ‚House of One' –  insbesondere der Hinweis des Papstes, dass Gott alle Menschen liebe, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit.“

Weitere Kuratoriums-Mitglieder neben Müller, Schuster, Koch und Wulff sind der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein, Rabbiner Walter Homolka, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die Direktorin des Jüdischen Museums Berlin, Hetty Berg, der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfragen, Markus Grübel (CDU).

Träger des Projekts sind die evangelische Kirchengemeinde Sankt Petri-Sankt Marien, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg und der muslimische Verein Forum Dialog. Ihr Sakralbau wird eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach sowie einen zentralen Raum der Begegnung mit anderen religiösen und nichtreligiösen Menschen umfassen. Die Kosten des Projekts belaufen sich nach Angaben der Träger auf 47,2 Millionen Euro.

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© Text: KNA