Katholische Kirche in Belarus fordert Runden Tisch

  • Osteuropa - 13.08.2020

Renovabis, das Osteuropahilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, äußert sich besorgt über die aktuelle Situation in Belarus. Der Staat geht mit einem massiven Polizeiaufgebot und mit großer Härte gegen Menschen vor, die friedlich gegen das offiziell verkündete Ergebnis der Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Sonntag protestieren. „Das Recht auf Meinungs- und Informations­freiheit muss unbedingt gewahrt werden“, so Renovabis-Geschäfts­führer Markus Ingenlath. Die Idee von Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, einen Runden Tisch einzuberufen, sei ein guter Weg, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.

Kondrusiewicz, katholischer Metropolit von Minsk, appelliert an seine Landsleute, die Gewalt zu beenden und stattdessen einen Runden Tisch einzuberufen. Dass die Kirchen eine moderierende Rolle einnehmen können, zeigen sie bereits jetzt: katholische Priester im Talar versuchen in diesen Tagen, durch ihre Anwesenheit Gewalt auf den Straßen einzudämmen, so das katholische Internetportal catholic.by.

Die Katholische Kirche, die traditionell etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Belarus ausmacht und vor allem im Westen des Landes konzentriert ist, hat sich in den Jahren der Diktatur bisher politisch eher zurückhaltend geäußert. Deshalb sind die Stellungnahmen aus dem Episkopat bemerkenswert. 

Renovabis schließt sich dem Appell des Metropoliten von Minsk an, die Gewalt in Belarus zu beenden. „Warum haben wir, eine Nation mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte des Christentums, heute die Nächstenliebe und die Toleranz gegenüber Andersdenkenden vergessen?“, mahnte der Metropolit. Mit dem Vorschlag zur Einberufung eines Runden Tisches bei der Suche nach friedlichen Auswegen aus dem Konflikt erinnert der Erzbischof an die slawische Tradition der „Wetsche“, einer Volksversammlung. Sein Witebsker Kollege Oleg Butkevich rief die Bevölkerung Weißrusslands dazu auf, nach der Wahrheit zu suchen. Es sei „wichtig sicher zu sein, dass ich die Wahrheit verteidige, nicht die Täuschung“.

Mehrere Tage lang waren belarussische Nachrichtenseiten, darunter auch die von Renovabis-Projektpartnern, nicht zugänglich gewesen. Die Solidaritätsaktion unterstützt in dem Land viele auch vom dortigen Staat anerkannte vorbildliche Sozial- und Pastoralprojekte, die von einheimischen Partnern aufgebaut worden sind und auch in Zukunft verwirklicht werden sollen. Geschäftsführer Ingenlath rief auch die Europäische Union dazu auf, ihren Einfluss geltend zu machen, dass jedwede Gewalt eingestellt werde.

© Text: Renovabis