Mehr als 100 Angriffe auf Menschenrechtler in Venezuela

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  • Lateinamerika - 17.07.2020

Seit Januar hat es in Venezuela mehr als 109 Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger gegeben. Das berichtet die Nichtregierungsorganisation CDJ. Die Politik der Kriminalisierung habe sich seit der Verhängung der Corona-Maßnahmen im März noch einmal verschärft, zitiert das regierungskritische Blatt „El Nacional“ (Montag Ortszeit) aus dem CDJ-Bericht. Der venezolanische Staat verfolge weiterhin die Strategie, jene zu attackieren, die die Menschenrechte verteidigen. Besonders unter den Angriffen zu leiden hätten die Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen und humanitären Organisationen, Journalisten, soziale Aktivisten, Gewerkschafter und Verteidiger von Menschenrechten.

Ebenfalls am Montag veröffentlichte die NGO Foro Penal die aktualisierte Liste von politischen Gefangenen in dem südamerikanischen Land. Demnach befinden sich derzeit 410 politische Gefangene in den Haftanstalten Venezuelas. Seit 2014 habe es mehr als 30.000 politisch motivierte Verhaftungen im Land gegeben.

Menschenrechtsorganisationen und die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet werfen der Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro bereits seit Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Das „Komitee der Familien der Opfer“ zählte seit Januar 2012 insgesamt 11.328 außergerichtliche Tötungen. Für einen Großteil seien die Sicherheitskräfte des Staates verantwortlich. In den vergangenen zwei Jahren sei allein die neugegründete umstrittene Spezialeinheit FAES für 571 Tötungen verantwortlich gewesen. Im ersten Quartal wurden 357 außergerichtliche Hinrichtungen gezählt, 99 Prozent der Opfer seien Männer gewesen. Drei Viertel der Getöteten seien unter 25 Jahre alt.

Lateinamerika - 03.06.2020

Die Proteste in Venezuela gegen die katastrophale Versorgungslage nehmen nach Angaben der katholischen Kirche weiter zu. Der Generalsekretär der Venezolanischen Bischofskonferenz, Weihbischof Trino Fernandez aus Caracas, sagte dem regierungskritischen Portal Tal Cual am vergangenen Wochenende: „Ich glaube nicht, dass man den Hunger unseres Volkes mit Repression unterdrücken kann.“ Fernandez kritisierte die Einschüchterung und Gewalt gegen lokale Aktivisten, Journalisten und Angestellte im Gesundheitswesen, die verfolgt und ohne Prozess inhaftiert wurden


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UN: Gewalt gegen Minenarbeiter in Venezuela stoppen

Die Vereinten Nationen haben auch die Behandlung von Minenarbeitern in Venezuela kritisiert. Die Menschen müssten in den von kriminellen Syndikaten kontrollierten Minen bis zu zwölf Stunden täglich arbeiten, ohne dafür ausreichend Lohn zu erhalten, hieß es in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Bericht. Zudem komme es zu drakonischen Bestrafungen – von Verstümmelungen bis hin zu Erschießungen.

Besonders betroffen ist den Angaben zufolge die bodenschatzreiche zentral gelegene Region Arco Minero del Orinoco. Dort kontrollierten mehrere kriminelle Gruppen den Minenabbau. Staatliche Kräfte hätten entweder keinen Einfluss, würden bestochen oder beteiligten sich an der Ausbeutung. Außderdem komme es hier auch zu Menschenhandel, Kinderarbeit und Prostitution von Minderjährigen. Die Regierung müsse schnellstens handeln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, forderte UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet.

Durch einen massiven Zuzug von Arbeitsmigranten in die Region seien auch die hygienischen Zustände in den Siedlungen kritisch geworden, heißt es in dem Bericht weiter. So gebe es weder fließendes Wasser noch Strom oder medizinische Versorgung. Dadurch könnten sich Krankheiten, wie aktuell Malaria, schnell in der Bevölkerung verbreiten.

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