Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 29.06.2020

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  • Corona-Update - 29.06.2020

Deutschland stockt seine Zahlungen an die WHO auf, Hilfsorganisationen und die kolumbianische Kirche haben Geldsorgen und das ägyptische Gesundheitsministerium bitten Frauen um Aufschub von Schwangerschaften. Die Corona-Kurzmeldungen.

Hilfsorganisationen haben Existenzängste in Corona-Krise

Der entwicklungspolitische Dachverband Venro warnt vor drastischen Folgen der Corona-Krise für Hilfsorganisationen. Jede siebte entwicklungspolitische und humanitäre Nichtregierungsorganisation sei derzeit existenziell bedroht, teilte der Verband am Freitag in Berlin mit. Zu diesem Ergebnis komme eine Umfrage unter den Mitgliedern.

Rund ein Drittel der Mitgliedsorganisationen verzeichne demnach bereits sinkende Einnahmen aus Spenden oder Fördermitteln. Gleichzeitig gaben 34 Prozent an, dass ihre Ausgaben durch Vorsorgemaßnahmen oder inhaltliche Anpassungen ihrer Projektarbeit steigen. 14 Prozent sehen sich von der Krise existenziell betroffen. An der Umfrage beteiligten sich den Angaben zufolge 72 der 139 Venro-Mitglieder und damit gut die Hälfte.

Venro-Chef Bernd Bornhorst forderte die Bundesregierung auf, den Eigenanteil, den zivilgesellschaftliche Organisationen für eine Projektförderung aufbringen müssten, auf zehn Prozent zu senken. Dies sei „ein wirksamer Hebel, um Entwicklungs- und humanitäre Organisationen in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen und ihre Vielfalt zu erhalten.“

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Wie gehen Staaten und Religionsgemeinschaften weltweit mit der Herausforderung Covid-19  um? Das Corona-Dossier von weltkirche.de bietet Antworten.


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Deutschland gibt WHO mehr Geld für Kampf gegen Corona

Deutschland erhöht seinen Beitrag für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich. Das Bundesgesundheitsministerium werde die WHO in diesem Jahr und mit Blick auf die Covid-19-Pandemie mit mehr als 500 Millionen Euro unterstützen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach einem Treffen mit WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf mitteilte. Das sei der bislang höchste deutsche Beitrag. Darüber hinaus will Deutschland an die WHO Schutzmasken und Schutzausrüstung liefern für Länder, die diese dringend benötigen.

Die WHO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf und zählt mittlerweile 194 Mitglieder. Sie wurde am 7. April 1948 mit dem Ziel gegründet, für alle Völker das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu erreichen. Die WHO ist dabei angewiesen auf die Unterstützung, vor allem die finanziellen Mittel ihrer Mitgliedsstaaten. Diese tragen durch Pflichtbeiträge, die sich an den UN-Beitragssätzen orientieren, und durch freiwillige Zahlungen zur WHO bei. So lag der deutsche Beitrag im Jahr 2016 bis 2017 bei umgerechnet rund 170 Millionen Euro.

Die USA hatten sich im Mai aus der WHO zurückgezogen. Die UN-Organisation habe es versäumt, Reformen umzusetzen, sagte Präsident Donald Trump. Er wirft der WHO „Missmanagement“ in der Corona-Krise sowie Einseitigkeit zugunsten Chinas vor.

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„Guatemala vor Zusammenbruch des Gesundheitssystems“

Guatemala steht laut Einschätzung der Ombudsfrau für Menschenrechte (PDH), Sulma Calderon, vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems. In wenigen Tagen werde das Land keine zusätzlichen Corona-Patienten mehr behandeln können; die Kapazitäten seien erschöpft, sagte Calderon dem Portal „Publinews“ (Online Mittwoch Ortszeit). Das Gesundheitsministerium müsse dringend weitere Unterbringungsmöglichkeiten suchen. Laut offiziellen Angaben gibt es in dem mittelamerikanischen Land derzeit 11.286 aktive Infektionen. Bislang seien 601 Tote zu beklagen.

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Corona verheerend für Afrikas Wirtschaft

Aktuellen Studien zufolge wird die Corona-Pandemie verheerende Wirkung auf die Wirtschaft in Afrika haben. Alleine im laufenden Jahr werden afrikanische Regierungen wegen den Folgen der Krise rund 40 Milliarden Euro weniger zur Verfügung haben als zuvor angenommen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung „Exploring the impact of Covid-19 in Africa: a scenario analysis to 2030“ hervorgeht. Verfasst haben den Bericht das Institut für Sicherheitsstudien (ISS), das Gordon Institute of Business Science in Südafrika sowie das Frederick S. Pardee Center for International Futures in den USA.

Demnach werden in diesem Jahr auch zwölf Millionen Menschen mehr in absoluter Armut leben und täglich weniger als 1,90 US-Dollar zur Verfügung haben. In zehn Jahren könnte diese Zahl auf dem gesamten Kontinent auf zwischen 603 bis 631 Millionen Menschen anwachsen; frühere Schätzungen vor der Corona-Pandemie gingen noch von rund 570 Millionen Menschen aus. Die Wissenschaftler warnten zudem vor einer zweiten oder dritten Infektionswelle.

Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds IWF benötigt Afrika für das laufende Jahr mehr als 100 Milliarden Euro für die Bewältigung der Corona-Krise. Aktuell hat der Kontinent gut 337.000 bestätigte Corona-Fälle. Die Zahlen steigen seit Wochen rasant an, was aber auch an den steigenden Testkapazitäten liegt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind Tests mittlerweile in allen Ländern möglich; zu Beginn der Krise konnte nur in zwei Staaten getestet werden.

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Katholischer Kirche in Kolumbien droht Finanzkrise

Der katholischen Kirche in Kolumbien droht ein finanzieller Engpass. Wegen der Corona-Krise könnte die Kirche im August in den roten Zahlen stecken, erklärte Bogotas neuer Erzbischof Luis Jose Rueda dem kolumbianischen Sender „W Radio“.

Laut Rueda finanziert sich die Kirche in Kolumbien zu 90 Prozent über Spenden, Entgelte für religiöse Zeremonien und Abgaben. Die Kirchen-Schließungen in Folge der Corona-Pandemie in den letzten drei Wochen habe deshalb zu einem Einnahmerückgang von rund 70 Prozent geführt.

„Einige Pfarreien befinden sich bereits im Minus“, so Rueda. Es gebe allerdings eine breite innerkirchliche Solidarität. In Bogota etwa unterstützten religiöse Zentren die Pfarreien im Süden der Stadt. „So lange die Barmherzigkeit Gottes nicht endet, werden wir nicht pleite gehen“, meinte der Erzbischof.

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Papst Franziskus spendet 35 Beatmungsgeräte an mehrere Länder

Papst Franziskus hat erneut mehrere Beatmungsgeräte an von der Corona-Pandemie betroffene Staaten gespendet. Wie der Vatikan am Freitag mitteilte, wurden in den vergangenen Wochen 35 Apparate verschickt.

Je vier für Haiti, Brasilien und Venezuela, jeweils drei für Kolumbien, Honduras und Mexiko, je zwei für die Dominikanische Republik, Bolivien, Ecuador, Kamerun, Simbabwe, Bangladesch und die Ukraine.

Damit wird die Liste der im Namen des Papstes verschickten Hilfsgüter zur Bewältigung der Corona-Krise immer länger. Zuletzt hatte das Kirchenoberhaupt immer wieder entsprechende Lieferungen in Auftrag gegeben.

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Mehr Suizide in Indien – Arbeitslos plus Zukunftsangst

In Indien steigt in der Corona-Krise die Zahl der Selbsttötungen an. Vom Beginn des Lockdown Mitte März bis Anfang Mai hätten sich mindestens 338 Menschen das Leben genommen, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews (Donnerstag) unter Verweis auf wissenschaftliche Daten.

Nach Ansicht von Gesundheitsexperten und Psychologen droht auch die Post-Corona-Zeit in Indien durch eine Massenarbeitslosigkeit „ein Nährboden“ für Depressionen, Stress, Alkoholismus, geschlechterbezogene Gewalt, Selbstverstümmelungen und Selbstmorde zu werden. Einrichtungen der katholischen Kirche haben laut Bericht besondere Beratungsdienste und Hotlines eingerichtet.

Nach Behördenangaben nehmen sich in Indien täglich durchschnittlich 15 Menschen das Leben. Schon 2018 verzeichnete Indien demnach mehr als ein Sechstel der Suizide weltweit.

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Ägypten bittet Frauen um Aufschub von Schwangerschaften

Frauen in Ägypten sollen mit Schwangerschaften warten, um mögliche zusätzliche Risiken durch das Coronavirus zu vermeiden. Dazu ruft das Gesundheitsministerium laut Bericht der Onlinezeitung „Egypt Today“ auf. Schwangerschaften wirkten sich auf das Immunsystem von Frauen aus, die dadurch größerer Infektionsgefahr ausgesetzt seien.

Ferner könne Covid-19 zu Blutgerinnung führen und damit auf die Versorgung des Fötus über die Placenta einwirken. – Ägypten verzeichnete laut Medien bis Freitag 62.755 bestätigte Corona-Fälle. 2.620 Menschen starben an dem Virus, rund 16.800 erholten sich.

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