Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 22.06.2020

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  • Corona-Update - 22.06.2020

Brasilien hat die Marke von einer Million Corona-Fälle übersprungen, Südafrikas Regierung lässt sich bei der Bekämpfung von Covid-19 künftig von Kirchen beraten und in Guadalupe (Mexiko) gibt es bald wieder Gottesdienste. Die Kurzmeldungen.

Eine Million Corona-Fälle in Brasilien - und kein Minister

Brasilien hat am Freitag die Marke von einer Million Corona-Fälle übersprungen. Um 14 Uhr Ortszeit vermeldete der von Medien gegründete Covid-19-Informationsdienst 1.009.699 Fälle und 48.427 Todesfälle. Das Land weist nach den USA die weltweit zweithöchsten Covid-19-Zahlen auf. Derzeit hat Brasilien keinen Gesundheitsminister, nachdem die letzten zwei nach Streitigkeiten mit Präsident Jair Bolsonaro ihren Posten verloren hatten.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) hatte der Informationsdienst 1.204 neue Todesfälle und 23.050 Neuinfektionen innerhalb eines Tages vermeldet. Der unabhängige Informationsdienst war gegründet worden, nachdem die Regierung Anfang Juni ihre Covid-Statistiken geändert hatte. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts musste die Regierung jedoch zu ihrer bisherigen Zählweise zurückkehren. Seitdem sind die Regierungszahlen mit den Mediendaten vergleichbar.

Noch ist aufgrund fehlender Tests und hoher Dunkelziffern nicht klar, in welchem Stadium sich die Ausbreitung befindet. Derzeit werden landesweit überproportional viele schwere Atemwegserkrankungen registriert. In den Großstädten des bevölkerungsreichen Südostens wie Rio de Janeiro und Sao Paulo scheint sich das Virus auf hohem Niveau zu stabilisieren, im Landesinnern steigen die Zahlen.

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Südafrikas Kirchen beraten Regierung im Kampf gegen Covid-19

Südafrikas Regierung setzt im Kampf gegen das Coronavirus jetzt auf die Hilfe von Kirchen und Aktivisten. Diese Kehrtwende folgt auf Kritik an dem harten Durchgreifen Pretorias und eine Zunahme von Polizeigewalt. Ein Komitee aus 41 Mitgliedern solle mit Politikern kommende Woche beraten, wie die Eindämmung ohne Zwangsmaßnahmen funktionieren könnte, berichten lokale Medien am Samstag.

Vorstand des Beratungskomitees wird Bischof Malusi Mpumlwana, der Vorsitzende des Südafrikanischen Kirchenrats (SACC). Südafrikas katholische Kirche ist durch den Erzbischof von Johannesburg, Buti Joseph Tlhagale, vertreten. Darüber hinaus gehören jüdische, islamische und interreligiöse Vertreter dem Komitee an sowie Aktivisten, traditionelle Anführer und Gesundheitsarbeiter.

Bischof Mpumlwana zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeit der Gruppe zu einer effektiveren Einhaltung von Hygienemaßnahmen führen wird. „Polizisten und Soldaten werden außen vor gelassen. Die Menschen werden durch Akteure überzeugt, auf die sie hören“, so der Kirchenführer im Nachrichtenportal „News24“ (Samstag).

Während der zweimonatigen Ausgangssperre ab März mehrten sich in Südafrika die Fälle von Polizeigewalt. Zwölf Menschen sollen durch Ordnungskräfte getötet worden sein. Aktivisten und die katholischen Bischöfe kritisierten die Corona-Maßnahmen der Regierung teilweise als „vernunftlos“, darunter ein Verkaufsverbot warmer Mahlzeiten und Zigaretten.

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Neue Erleichterungen für Gottesdienste in Österreich

Österreichs Bischöfe haben weitgehende Erleichterungen für öffentliche Gottesdienste beschlossen. Die neue Rahmenordnung, beschlossen bei der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Mariazell und am Freitag verkündet, gilt ab Samstag (20. Juni). So ist künftig das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes nicht mehr vorgeschrieben.

Weiter empfohlen ist die Handkommunion; auch die Mundkommunion ist aber wieder erlaubt. Weihwasserbecken können wieder befüllt werden, wobei das Wasser häufig zu wechseln ist. Grundsätzlich sollen die Gläubigen die Messe wieder in der Gemeinde feiern; eine Entbindung von der Sonntagspflicht sehen die Richtlinien nicht mehr vor.

Als wichtigste Verpflichtung bleibt die Einhaltung eines Mindestabstands von einem Meter zu Personen, mit denen man nicht im gemeinsamen Haushalt lebt. Pflicht bleibt auch das unverzügliche Desinfizieren oder Waschen, wenn es bei der Kommunionspendung zu einer Berührung gekommen ist.

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Immer mehr Corona-Tote in Bolivien

In Bolivien sind in der ersten Juni-Hälfte bereits mehr Menschen am Coronavirus gestorben als in den vorherigen drei Monaten insgesamt. Das berichtet die Zeitung „El Deber“ (Donnerstag). Während in den drei vorangegangenen Monaten März, April und Mai insgesamt 305 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Infektion starben, waren es in der ersten Juni-Hälfte laut Gesundheitsministerium bereits 319. Bis Mitte des Monats hatte Bolivien offiziell 19.703 Infektionen und 632 Tote gemeldet.

Unterdessen warf Präsidialamtsminister Yerko Nunez Ex-Präsident Evo Morales vor, aus dem Exil seine Parteifreunde angewiesen zu haben, im Parlament Kredite in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar zum Kampf gegen Corona zu blockieren. Eine Sprecherin der sozialistischen früheren Regierungspartei MAS wies den Vorwurf zurück und erklärte, die Regierung halte nicht die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine Kreditaufnahme ein.

Bolivien wurde nach der Präsidentenwahl 2019 von heftigen Unruhen erschüttert. Die Opposition warf dem seit 2006 regierenden Morales Wahlbetrug vor; dieser bestand zunächst auf einem Sieg im ersten Durchgang. Schon seine Kandidatur war nach einem verloren gegangenen Referendum über eine dazu notwendige Verfassungsänderung hoch umstritten. Vertreter von Zivilgesellschaft, Menschenrechtsorganisationen und Kirche sprachen von Hinweisen auf Wahlfälschung. Eine Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten bestätigte diese Einschätzung. Morales trat daraufhin zurück und ging zunächst nach Mexiko und später nach Argentinien ins Exil.

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Ende Juni wieder Gottesdienst in Basilika von Guadalupe

In Mexiko-Stadt sollen ab 29. Juni wieder öffentliche Gottesdienste möglich sein. Wie die Erzdiözese (Mittwoch Ortszeit) mitteilte, werden auch in der Kathedrale und in der besonders besucherintensiven Pilgerbasilika von Guadalupe wieder Messen stattfinden. Man hoffe, dass die Behörden die derzeit geltende Alarmstufe am kommenden Freitag herunterstuften, so ein Sprecher.

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