Misereor sieht große Defizite bei Wasserversorgung in Afrika

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  • Wasser - 16.06.2020

In vielen Ländern Afrikas erschweren laut Misereor Mängel bei der Wasserversorgung den Kampf gegen Corona. So blieben Schulen geschlossen, weil die Klassen überbelegt seien und es in den Schulgebäuden kein Wasser zum Händewaschen gebe, „von Desinfektionsmittel ganz zu schweigen“, so die Misereor-Referentin für Wasserversorgung und Wasserwirtschaft, Jutta Himmelsbach, am Montag in Aachen.

Ähnlich sehe die Lage in vielen Krankenstationen aus, sagte Himmelsbach. Mitunter müssten sich 20 und mehr Patienten eine Toilette teilen. Dabei sei eine ausreichende Hygiene unter anderem deswegen unverzichtbar, weil nur dadurch eine Ausbreitung des Coronavirus unter Menschen mit Vorerkrankungen eingedämmt werden könne.

Als problematisch stufte die Expertin auch die öffentliche Wasserversorgung ein. In fast allen afrikanischen Ländern müsse ein Großteil der Menschen sich das kostbare Nass an öffentlichen Zapfstellen holen. „Dort warten in der Regel Frauen und Mädchen in langen Schlangen, damit sie ihren Kanister füllen können. Sie können je nach Alter zehn, 15 bis zu 25 Liter tragen. Das ist die Menge Wasser, die ein Mensch pro Tag zum Trinken und für die persönliche Hygiene und den häuslichen Bedarf benötigt.“

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Misereor ist das größte katholische Entwicklungshilfswerk. Gemeinsam mit einheimischen Partnern unterstützt Misereor benachteiligte Menschen jedes Glaubens und jeder Kultur in Afrika, Asien und Lateinamerika.


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2,1 Milliarden Menschen ohne Trinkwasser

In Corona-Zeiten steige der Wasserbedarf. „Also folgt daraus: noch längere Schlangen, noch mehr Schlepperei. Je weiter die Wasserquelle entfernt, je unsicherer die Wasserquelle, je größer der zusätzliche Aufwand ist, die eigene Familie unter Corona-Bedingungen zu versorgen, umso weniger gewährleistet ist die notwendige Wasserversorgung der Haushalte.“

Die Misereor-Referentin betonte, dass auch andere Krankheiten wie Durchfallerkrankungen durch entsprechende Hygienestandards vermieden werden könnten. Sie verwies darauf, dass die Vereinten Nationen in ihren Nachhaltigkeitszielen eine sichere Versorgung mit sauberem Wasser und Sanitäranlagen bis zum Jahr 2030 zugesagt hätten. Ob dieses Vorhaben rechtzeitig realisiert werden könne, sei allerdings ungewisser denn je, so Himmelsbach. „Noch leben laut Unesco 2,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sicherem und durchgängig verfügbarem Wasser. 1,8 Milliarden Menschen nutzen Trinkwasser, das bakteriell verunreinigt ist.“

© Text: KNA