Rassismus – Auch die US-Kirche hat sich schuldig gemacht

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  • Menschenrechte - 10.06.2020

Die Sklaverei gilt als die Ursünde Amerikas. Ihre Folgen vergiften noch heute das Miteinander. Auch Priester, Bischöfe und Ordensgemeinschaften haben sich schuldig gemacht.

Sonntagmorgen, elf Uhr – in dieser Stunde manifestiere sich die größte Trennung des christlichen Amerika. Das beobachtete Anfang der 1960er Jahre US-Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. Denn um diese Uhrzeit gingen und gehen die Menschen in die Kirche. Damals wie heute bevorzugen nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten den Gottesdienstbesuch in einer Gemeinde mit Menschen eines ähnlichen sozialen und ökonomischen Status. Noch immer ist die Gemeindezugehörigkeit auch massiv von der Hautfarbe bestimmt.

Im 21. Jahrhundert hat die katholische Kirche in den USA nicht nur den Kampf gegen den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen aufgenommen. Ähnlich wichtig ist den Bischöfen heute der Kampf gegen Rassismus. Denn sie wissen, dass Priester, Bischöfe und Ordensgemeinschaften in früheren Jahrhunderten nicht nur Sklaven besessen haben, sondern auch aktiv in den Sklavenhandel verwickelt waren.

Als vor 400 Jahren die ersten afrikanischen Sklaven in Nordamerika eintrafen, wurden sie auch von Katholiken erstanden und ausgebeutet. Manche jungen Frauen bekamen von den Eltern Sklaven geschenkt, die sie dann als ihre „Mitgift“ mit ins Kloster nahmen. Auch Louis William DuBourg (1766-1833), Bischof im Gebiet von Louisiana, besaß einige und versorgte auch die Vinzentiner in Missouri mit Sklaven.

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„Wir sind untröstlich, angewidert und empört, auf einem Video zu sehen, wie ein afroamerikanischer Mann direkt vor unseren Augen getötet wird“, heißt es in der am Freitag (Ortszeit) auf der Webseite der US-Bischofskonferenz veröffentlichten Stellungnahme. 


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Widersprüchliche Reaktion auf päpstliche Verurteilung des Sklavenhandels

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder neue Details bekannt. So berichtete die „New York Times“ 2016, dass die hoch angesehene Jesuiten-Universität Georgetown ihr Überleben im Jahr 1838 nur dem Verkauf von 272 Sklaven – Frauen, Männer und Kinder – verdankte, organisiert von zwei Jesuiten, den Präsidenten der Schule. Mit dem Erlös von umgerechnet heute mehr als 3,3 Millionen US-Dollar konnten die Schulden der Universität getilgt werden. Inzwischen haben auch andere Top-Unis des Landes wie Harvard oder Princeton den seinerzeitigen Besitz von Sklaven eingeräumt und die historische Erforschung in die Wege geleitet.

Spät wurden sich die nachfolgenden Generationen einer Schuld bewusst und bemühen sich seither um einen Ausgleich: Im April 2019 stimmten die Studenten von Georgetown für die Einführung einer Zusatzgebühr. Ein Fonds soll damit den Verkauf der 272 Sklaven sühnen und benachteiligte Gemeinden unterstützen, in denen die Nachfahren der einst verkauften Sklaven leben.

Wie tief die Sklaverei in der Gesellschaft verankert war, zeigt auch die Tatsache, dass zehn der ersten zwölf US-Präsidenten Sklaven besaßen. Sogar James Monroe, der eigentlich gegen die Sklaverei war, besaß in seinem Leben rund 250 von ihnen. Ähnlich widersprüchlich reagierten die katholischen US-Bischöfe auf das Schreiben „In supremo apostolatus“, mit dem Papst Gregor XVI. 1839 Sklavenhandel als Verbrechen bezeichnete und allen Kirchenstrafen androhte, die sich weiter daran beteiligen. Die US-Bischöfe bezogen das Verbot nicht auf ihr eigenes Leben, sondern nur auf die Lage in anderen Ländern.

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Noch nie hätten sich die deutschen Bischöfe „ausführlich und systematisch zur Haltung ihrer Vorgänger zum Zweiten Weltkrieg geäußert“, hieß es im Vorfeld. Jetzt gibt es dazu eine Erklärung. Erfüllt sie die Erwartungen?


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Bis heute wenige Bischöfe afroamerikanischer Herkunft

1862 wurde in den Südstaaten die Abschaffung der Sklaverei verkündet. Nach dem folgenden Bürgerkrieg bis 1865 waren die Sklaven freie Menschen. Dennoch wurden sie auch kirchlicherseits lange nicht als gleichberechtigt anerkannt. Erst vor 100 Jahren, 1920, wurde ein Priesterseminar für junge Männer afroamerikanischer Herkunft eingerichtet.

Eine ernste Änderung trat in der US-Kirche mit dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung nach 1950 ein. 1958 positionierte sich die Bischofskonferenz erstmals deutlich, indem sie Rassismus verurteilte. 1979 folgte das Hirtenschreiben „Brothers and Sisters to us“, und 40 Jahre später, 2019, wurde das Grundsatzschreiben „Open wide our hearts“ veröffentlicht.

1965 ernannte Papst Paul VI. Harold Perry zum Weihbischof im Erzbistum New Orleans; damit war Perry der erste Bischof afroamerikanischer Herkunft im 20. Jahrhundert. In diesem Jahr nahmen auch viele Geistliche, Priester und Ordensfrauen, an den Demonstrationsmärschen nach Selma statt, die tief in der kollektiven Erinnerung der USA eingegraben sind.

Die Zahl der Bischöfe afroamerikanischer Herkunft freilich liegt bis heute im unteren zweistelligen Bereich. Am 4. April 2019, dem 51. Jahrestag der Ermordung Martin Luther Kings Jr., ernannte Papst Franziskus Wilton Gregory zum Erzbischof von Washington DC. Ein Tag mit Symbolwert, leitet doch damit erstmals ein Afroamerikaner das Hauptstadterzbistum. Es ist davon auszugehen, dass Gregory, lange schon in der Bürgerrechtsbewegung engagiert, eines Tages zum Kardinal ernannt wird. Er wäre dann der erste afroamerikanische der Geschichte.

Von Christiane Laudage (KNA)

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