Bischöfe in den USA empört über tödlichen Polizeieinsatz

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  • Rassismus - 02.06.2020

In den USA haben sieben führende katholische Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung die tödliche Polizeigewalt gegen einen Schwarzen in Minneapolis verurteilt und zum Kampf gegen Rassismus aufgerufen. „Wir sind untröstlich, angewidert und empört, auf einem Video zu sehen, wie ein afroamerikanischer Mann direkt vor unseren Augen getötet wird“, heißt es in der am Freitag (Ortszeit) auf der Webseite der US-Bischofskonferenz veröffentlichten Stellungnahme. Der Fall sei umso schockierender, weil es in den vergangenen Wochen bereits zu ähnlichen Vorfällen gekommen sei. „Dies ist der letzte Weckruf, auf den jeder von uns im Geist einer entschlossenen Umkehr reagieren muss“, so die Bischöfe.

Rassismus sei kein Problem der Vergangenheit oder ein politisches Randthema. „Er ist eine reale und präsente Gefahr, die gezielt angegangen werden muss.“ Die Kirche könne zu solchen Untaten nicht schweigen und stehe für den Respekt vor jedem menschlichen Leben.

Die Bischöfe erklären ihre Unterstützung für friedlichen Protest und ihre Solidarität mit Menschen, die in den USA unter Rassismus zu leiden haben. „Zu viele Gemeinschaften in diesem Land spüren, dass ihre Stimmen nicht gehört werden, ihre Klagen über rassistische Behandlung nicht beantwortet werden, und wir tun zu wenig, um deutlich zu machen, dass diese tödliche Behandlung im Widerspruch zum Evangelium des Lebens steht.“

Gleichgültigkeit sei keine Option, so die Bischöfe. Zugleich verurteilen sie in ihrer Erklärung aber auch die gewalttätigen Ausschreitungen aufgebrachter Bürger, die seit dem tödlichen Vorfall in dieser Woche Minneapolis und andere Städte in den USA erschütterten.

Der 46-jährige Schwarze George Floyd war am Montag vergangener Woche nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Von dem Vorfall existiert ein Videomitschnitt. Der Beamte wurde inzwischen unter Mordverdacht festgenommen. In rund 30 US-Städten kam es seit dem Vorfall zu anhaltenden, teils gewalttätigen Protesten.

Die sieben Bischöfe sind jeweils Vorsitzende von Fachkomitees der US-Bischofskonferenz wie dem Komitee gegen Rassismus, dem Komitee für kulturelle Vielfalt in der Kirche und dem Unterkomitee für afroamerikanische Angelegenheiten.

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US-Kirchen verurteilen Rassismus und Polizeigewalt

Kirchen in den USA haben sich hinter die landesweiten antirassistischen Proteste gestellt. Neben der katholischen US-Bischofskonferenz erklärten auch protestantische Glaubensgemeinschaften am Wochenende ihre Solidarität mit den Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeiwillkür in vielen US-Städten, wie aus einer Mitteilung des Weltkirchenrats (ÖRK) von Sonntagabend hervorgeht.

Der National Council of Churches USA bezeichnete den Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis, der die Proteste in der vergangenen Woche ausgelöst hatte, als „empörend“. „Immer noch gibt es kein Mittel gegen den Rassismus und das weiße Überlegenheitsgefühl, das sich in dieser Gesellschaft so hartnäckig hält.“

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika stellte sich an die Seite jener, die durch rassistische Gewalttaten Angehörige verloren hätten. Man trauere und bete für die Opfer des „Gifts weißer Vorherrschaft“, hieß es in einer Erklärung.

Der Interims-Generalsekretär der American Baptist Churches USA, Jeff Woods, sprach in einem offenen Brief von „Auswirkungen einer historischen rassistischen Ungerechtigkeit“ in den USA, die in den vergangenen Wochen offensichtlich geworden sei. Er verwies dabei auch auf die im Verhältnis höheren Infektionszahlen unter Afroamerikanern in der Covid-19-Pandemie.

Herbert Nelson, Sekretär der Presbyterianischen Kirchen der USA, erinnerte in einer Videobotschaft an die jüngsten Toten rassistischer Gewalt in den USA. Sie alle seien Opfer von Fanatismus und Hass. Die Hispanische Nationale Versammlung der Presbyterianer prangerte eine „systematische Diskriminierung“ farbiger US-Bürger an, die sich seit den Tagen der Sklaverei erhalten habe. „Die Morde an unbewaffneten Schwarzen durch die Polizei in den letzten Jahren beweisen diese Dynamik.“

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, äußerte sich laut der ÖRK-Mitteilung „tief besorgt“ über Rassismus und Polizeigewalt in den USA. Der Tod von George Floyd sei ein Zeichen der Ungerechtigkeit und müsse dringend aufgearbeitet werden, so Junge.

 

© Text: KNA