Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 27.05.2020

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  • Corona-Pandemie - 27.05.2020

Die Corona-Pandemie breitet sich in den Haftanstalten und Armenvierteln Lateinamerikas aus, in Indien ist eine Debatte über die massenhafte Desinfektion von Wanderarbeitern entbrannt und Venezuelas Kirche ist besorgt über die Lage indigener Völker. Der Corona-Tagesüberblick.

Ärzte in Guatemala warnen vor bevorstehenden Kollaps

Ärztinnen und Ärzte in Guatemala haben in einem Brief an die Regierung des mittelamerikanischen Landes vor einem bevorstehenden Zusammenbruch des Gesundheitswesens wegen der Ausbreitung des Coronavirus gewarnt. „Wir stehen vor einem totalen Kollaps“, schrieb das medizinische Personal des Krankenhauses San Jan de Dios angesichts der Auslastung mit Covid-19-Patienten laut einem Bericht der Tageszeitung „Prensa“ (Mittwoch).

Notwendig sei es, dass die Regierung von Präsident Alejandro Giammattei und das Parlament in Kürze nach Alternativen zu suchten, denn das gesamte öffentliche Gesundheitswesen sei in der gleichen Situation, hieß es. Laut offiziellen Angaben gibt es in Guatemala bislang rund 3.500 Covid-19-Infektionen.

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Weltkirche.de-Dossier

Wie gehen Staaten und Religionsgemeinschaften weltweit mit der Bedrohung durch Sars-Coronavirus 2 um? Welche Probleme verschärfen sich durch diese Pandemie? Das Corona-Dossier von weltkirche.de bietet Antworten.


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Corona-Ausbruch in Armenviertel von Buenos Aires

In Argentinien haben die Behörden ein Armenviertel in der Hauptstadt Buenos Aires abgeriegelt, nachdem dort 53 Corona-Infektionen festgestellt wurden. Sicherheitskräfte setzten die Quarantäne durch, wie die Zeitung „La Nacion“ (Montag) berichtet. Einwohner der betroffenen Villa Azul kritisierten die Aktion. Als Sofortmaßnahme wurden dort Verteilstellen für Lebensmittel und Hygieneartikel eingerichtet.

Zuvor war es zwischen dem linken Gouverneur des Großraums Buenos Aires und dem konservativen Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta zu einer Debatte über Öffnungsmaßnahmen gekommen. Argentinien verzeichnet aktuell rund 12.000 bestätigte Infektionen und 452 Todesfälle.

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Corona-Risiko in Flüchtlingsheimen wie auf Kreuzfahrtschiffen

Die Zahl der Corona-Infektionen in Flüchtlingsheimen steigt in Deutschland weiter an. Laut einer Studie unter Leitung des Forschers Kayvan Bozorgmehr von der Uni Bielefeld, die der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag) vorab vorliegt, verbreitet sich das Virus in Asylunterkünften ähnlich schnell wie auf Kreuzfahrtschiffen.

Zu den am stärksten betroffenen Bundesländern zählt Bayern, wo mitunter je mehr als tausend Asylbewerber in sogenannten Anker-Zentren untergebracht sind. Laut Bayerischem Innenministerium haben sich dort bislang 1.486 Menschen in Asylunterkünften mit Corona infiziert. 20 Einrichtungen stehen derzeit unter Quarantäne. In Regensburg wurden innerhalb einer Woche derart viele Flüchtlinge positiv auf Covid-19 getestet, dass die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner deutlich überschritten wurde.

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Zahl der Corona-Toten in Chile verdoppelt - Lage angespannt

In Chile hat sich die Zahl der Todesfälle im Zuge der Coronavirus-Pandemie in den vergangenen zwei Wochen verdoppelt. Das berichtet die Tageszeitung „La Tecera“ (Donnerstag Ortszeit). Bislang starben demnach 589 Menschen an dem neuartigen Coronavirus. In den Krankenhäusern wird die Lage laut der Zeitung immer angespannter. Nach offiziellen Angaben sind nur noch 15 Prozent der 2.130 verfügbaren Beatmungsgeräte frei. Die Zahl der Infizierten ist auf 57.000 bestätigte Fälle gestiegen, mehr als 900 Menschen befinden sich derzeit auf der Intensivstation.

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Entsetzen über Chemikalien-Besprühung indischer Wanderarbeiter

Kirchenführer, Aktivisten und politische Parteien in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind schockiert über die Besprühung von Wanderarbeitern mit Chemikalien, um sie zu desinfizieren. „Wir verurteilen die Tat“, sagte der Sekretär der Kommission für Migranten der katholischen Bischofskonferenz Indiens, Pater Jaison Vadassery, dem asiatischen Pressedienst Ucanews (Dienstag). „Niemand in einer zivilisierten Gesellschaft wird das gutheißen“, betonte Vadassery.

Am 22. Mai ging ein Video über die Besprühung von Wanderarbeitern in einem Stadtteil von Neu Delhi mit Chemikalien viral. Zuvor waren bereits über Soziale Netzwerke Videos von ähnlichen Sprühaktionen in anderen Bundesstaaten verbreitet worden.

Nach Angaben der den Bundesstaat Delhi regierenden Aam Aadmi Party (AAP) war für die Sprühaktion ein städtischer Betrieb verantwortlich, der von Mitgliedern der hindu-nationalistischen Indischen Volkspartei (BJP) geleitet wird. Das Besprühen von Menschen mit Desinfektionsmitteln könne zu Augen-, Haut- und Atemwegserkrankungen führen, sagte ein Sprecher der AAP laut Ucanews.

Seit dem am 24. März von Indiens Regierung verhängten Lockdown hat sich der Massenexodus von Migrantenarbeitern aus den Städten zu einer humanitären Krise entwickelt. Trotz des Appells von Premierminister Narendra Modi an die Arbeiter, an ihrem Aufenthaltsort zu bleiben, haben sich Tausende zu Fuß über Straßen und entlang von Eisenbahnlinien auf den Weg in ihre Dörfer gemacht.

Für viele der geschätzten 40 Millionen einheimischen indischen Wanderarbeitnehmer bedeutet der inzwischen bis 31. Mai verlängerte Lockdown Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Ernährungsunsicherheit. Die gestrandeten Migrantenarbeiter sind von den Corona-Hilfsprogrammen ausgeschlossen, weil die meisten nicht in den Städten gemeldet sind, in denen sie sich als Tagelöhner verdingen.

In die Lücke springen unter anderem kirchliche Hilfsorganisationen. In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen habe die Bischofskommission für Migranten bisher 50.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, sagte Pater Vadassery der International Catholic Migration Commission (ICMC).

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Venezuelas Kirche besorgt über „verzweifelte Lage“ indigener Völker

Die katholische Kirche in Venezuela hat sich besorgt über die „verzweifelte Lage“ der indigenen Völker in dem südamerikanischen Land geäußert. Durch die Coronakrise habe sich die ohnehin schwierige Situation noch einmal verschlechtert. Die katastrophale Gesundheitsversorgung der indigenen Völker sei eine Folge der systematischen Verweigerung der Rechte und des Zugangs zu den Basisdiensten, die für ein würdiges Leben notwendig seien, heißt es in einem von verschiedenen kirchlichen Organisationen und der Venezolanischen Bischofskonferenz unterzeichneten Schreiben, aus dem lokale Medien am Donnerstag (Ortszeit) zitierten.

Gesundheitsposten in den indigenen Gemeinden seien nicht einmal mit einem Mindestmaß an Personal und Material ausgestattet. Hinzu komme, dass der illegale Goldbergbau die Rechte der Indigenen untergrabe und Landschaften, Kulturen und Wasserqualität zerstöre. Vor wenigen Tagen hatte das kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM der sozialistischen Regierung von Nicolas Maduro vorgeworfen, die offiziellen Zahlen von infizierten Indigenen zu manipulieren.

Unterdessen rief Kardinal Baltazar Porras in einem Interview des Senders Union Radio die zerstrittenen politischen Lager zur Zusammenarbeit auf. Es sei die Zeit, persönliche und Parteiinteressen bei Seite zu lassen, Drohungen zu unterlassen und Brücken zu bauen, die gemeinsame Lösungen ermöglichen. Zugleich kritisierte Porras das Fehlen von Information über die Coronavirus-Krise. Dies löse in der Bevölkerung Unsicherheit aus.

Venezuela leidet bereits seit Jahren unter einer schweren Versorgungs- und Wirtschaftskrise. Wegen der unsicheren und schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben inzwischen bis zu fünf Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen. Inzwischen kehren wegen der Coronavirus-Krise jedoch auch Venezolaner in das Land zurück, weil sie in den überforderten Aufnahmeländern zu wenig Unterstützung finden.

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Viele Corona-Infektionen in Panamas Haftanstalten

In Panama ist knapp ein Drittel der Insassen eines Gefängnisses mit dem Coronavirus infiziert. Wie die Zeitung „Prensa“ (Mittwoch) berichtet, wurden 158 der 503 Häftlinge in Santiago in der Provinz Veraguas positiv getestet. Lokale Behörden bezeichnen die Lage als besorgniserregend; das Gefängnis sei überbelegt. Hohe Infektionszahlen gebe es auch in Gefängnissen in Colon (26), Chiari (96) und Nueva Joya (45).

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Kolumbiens Kirche besorgt über Corona-Lage in Gefängnissen

Die katholische Kirche in Kolumbien zeigt sich angesichts der Corona-Pandemie besorgt über die Zustände in den dortigen Haftanstalten. Schon seit längerem hätten die Behörden versprochene Maßnahmen gegen die kritische Situation in den Gefängnissen nicht umgesetzt, bemängelte Monsignore Hector Fabio Henao in einer von der Caritas Kolumbien verbreiteten Erklärung. Es gelte dringend, die Würde der Menschen und deren Gesundheit in den Haftanstalten sicherzustellen.

Sowohl Häftlinge als auch Mitarbeiter der Einrichtungen müssten unter anderem durch Schutzausrüstung ausreichend geschützt werden, so der Caritas-Direktor. Auch sei einer Überbelegung der Gefängnisse zu begegnen. In Kolumbien gibt es laut offiziellen Angaben bislang 21.175 registrierte Infektionen und 727 Tote; rund 5.000 Personen gelten als geheilt. Zuletzt häuften sich Meldungen über Infektionsfälle in Gefängnissen.

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