Von Outdoor-Gottesdiensten, Solidarität und Tischtennis-Spielen

  • © Bild: Friederike Meschede/Bonifatiuswerk
  • Freiwilligendienste - 16.05.2020

Amelie Tepper aus Hannover und Friederike Meschede aus Paderborn absolvieren mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken zurzeit ihr „Praktikum im Norden“ im schwedischen Vadstena. Hier erzählen sie, wie sie die Corona-Pandemie in Schweden erleben – und wie sich diese auf ihre Arbeit auswirkt.

Amelie Tepper aus Hannover absolviert mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken zurzeit ihr „Praktikum im Norden“ im schwedischen Vadstena. Im Birgittenkloster hilft sie den Schwestern normalerweise im Gästehaus, das direkt an das Kloster angesiedelt ist. Doch Anfang März wurde es wegen der Corona-Pandemie und zum Schutz der meist älteren Schwestern auf unbestimmte Zeit geschlossen, sodass für die Abiturientin und eine Mitpraktikantin andere Aufgaben in den Fokus rücken. „Das sind vor allem Renovierungsaufgaben wie das Streichen von Fluren oder der Frühjahrsputz, den wir dieses Jahr ganz besonders gründlich gemacht haben“, erklärt Amelie Tepper.

Auch wenn die Freizeitaktivitäten wie Chorproben oder Treffen von Studentengruppen teilweise noch stattfinden würden, verzichtet die 18-Jährige darauf, um die Schwestern, von denen einige zur Risikogruppe gehören, zu schützen. „Sie halten sich größtenteils aus dem öffentlichen Leben heraus und können sich durch die dazugewonnene Zeit wieder mehr auf das Klosterleben konzentrieren“, beschreibt die Abiturientin das Verhalten der Birgitten, die überwiegend kontemplativ in ihrem Orden leben.

Ihre neu gewonnene Zeit nutzt Amelie Tepper nun, um kreative Koch- und Backrezepte auszuprobieren, sehr zu Freude der Schwestern, die jetzt jede Woche mit frischen Croissants oder ähnlichem verwöhnt werden. „Sonst puzzeln wir viel, lesen oder veranstalten Spielenachmittage mit den Schwestern. Zudem haben wir uns aus zwei alten Tischen und einem selbstgenähten Netz eine Tischtennisplatte gebaut“, berichtet die Bonifatius-Praktikantin, die abends gerne einmal ihren Tag am nahegelegenen Vätternsee Revue passieren lässt.

Im Garten des Gästehauses gäbe es seit Ostersonntag zur Freude der Gemeindemitglieder Outdoor-Wortgottesdienste. Jede Woche würden mehr Menschen das Angebot in Anspruch nehmen. Es werde aber darauf geachtet, dass es nie mehr als die von der Regierung erlaubten 50 Personen seien und immer genügend Abstand eingehalten werde. „Ich glaube, die Gottesdienste helfen den Menschen in dieser doch besonderen Situation, wieder ein bisschen Normalität in ihr Leben zu bekommen. Vor allem ältere Menschen in Risikogruppen, die sich sonst zu Hause isolieren müssen, haben durch die Sicherheitsabstände eine Möglichkeit, nicht ganz aus dem sozialen Leben ausgeschlossen zu werden.“

Das „Praktikum im Norden“

Das „Praktikum im Norden“ ermöglicht jährlich rund 20 jungen Menschen einen Aufenthalt in Nordeuropa und dem Baltikum, um ihnen unmittelbare Einblicke in das kirchliche Leben in der Diaspora zu bieten. Es ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk und dem Newman Institut im schwedischen Uppsala. Finanzielle Unterstützung erhält es vom Erzbistum Paderborn.

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Natürlich habe die Abiturientin auch Respekt vor dem Virus und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft, jedoch spüre sie die relativ lockeren Maßnahmen der schwedischen Regierung in einer Kleinstadt wie Vadstena nicht so stark wie in der Hauptstadt Stockholm. Die Menschen hier vor Ort seien alle ziemlich gefasst und würden keine Hamsterkäufe machen oder Panik verbreiten.

Durch das Internet stehe sie aber in ständigem Kontakt mit ihrer Familie und ihren Freunden und könne sich mit ihnen über Sorgen und Probleme schnell austauschen. Ihr Praktikum frühzeitig zu beenden, kam für sie nicht in Frage. „Meine Eltern unterstützen mich in meiner Entscheidung, hier zu bleiben, auch wenn sie sich natürlich Sorgen machen, vor allem weil die Situation in Schweden noch entspannter ist als in Deutschland.“

„Wir sind dankbar, dass viele unserer Praktikanten in dieser herausfordernden Zeit sich für ihren Einsatz in den jeweiligen Einrichtungen in Nordeuropa entschieden haben. Alle Praktikanten haben zu Anfang der Corona-Pandemie vom Bonifatiuswerk die Möglichkeit bekommen, ihr Praktikum frühzeitig zu beenden. Dieses Engagement von den jungen Menschen nun zu sehen, freut uns umso mehr und zeigt, wie gelebte Solidarität über den Tellerrand hinaus aussehen kann. Ebenso dankbar sind wir für die Begleitung der Praktikanten vor Ort“, erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Solidarität gibt Kraft und Mut

„Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist während dieser Zeit deutlich gestiegen. Dies gibt allen neue Kraft und Mut in diesen unsicheren Zeiten“, sagt Friederike Meschede, die ebenfalls ihr „Praktikum im Norden“ des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken im schwedischen Vadstena verbringt. Im Birgittenkloster hilft sie den Schwestern normalerweise im Gästehaus, das direkt an das Kloster angesiedelt ist. Doch Anfang März wurde es wegen der Corona-Pandemie und zum Schutz der meist älteren Schwestern auf unbestimmte Zeit geschlossen. „Das heißt für meine Mitpraktikantin und mich, dass unser Arbeitsalltag nun hauptsächlich aus Frühjahrsputz, Kochen, Backen, Einkaufen und kleinen Renovierungsarbeiten besteht“, erklärt die Paderbornerin.

Tiefere Einschnitte in ihrem täglichen Leben im Kloster spüre sie bei ihrer Freizeitgestaltung, doch zum Schutz der Ordensschwestern verzichte sie gerne darauf. „Dafür haben wir eine neue Freizeitbeschäftigung für uns entdeckt. Aus zwei Tischen und einem selbstgenähten Netz haben wir kurzerhand eine Tischtennisplatte improvisiert, die nun von den Schwestern und uns mit viel Begeisterung genutzt wird.“

Improvisiert werde auch bei den Gottesdiensten, die unter Einhaltung der Vorschriften jetzt im Freien gefeiert würden. Seit Ostersonntag gäbe es zur Freude der Gemeindemitglieder Outdoor-Wortgottesdienste im Garten des Gästehauses. Außerdem werde in täglichen Gebeten an alle an Corona Erkrankten gedacht und den Menschen gedankt, die sich in ihren Berufen für andere einsetzten.

Im Vergleich zu Deutschland habe die unterschiedliche Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus in Schweden Friederike Meschede anfangs eher verunsichert. „Durch die deutschen Medien und Maßnahmen bekam ich den Eindruck, dass Schweden die Krise nicht ernst nimmt. Mittlerweile habe ich aber gelernt, der schwedischen Regierung zu vertrauen.“

Aktuell gibt es in Schweden ein Versammlungsverbot ab 50 Personen. Universitäten und Gymnasien ab der zehnten Klasse wurden auf Fernunterricht umgestellt und von touristischen Reisen wird dringend abgeraten. Für geöffnete Cafés, Läden und Restaurants gibt es strenge Hygieneauflagen. Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen sollen gezielt isoliert werden und sind zu ihrem eigenen Schutz aufgefordert, zu Hause zu bleiben.

„Hier in der Ortschaft Vadstena mit rund 6.000 Einwohnern ist die Lage noch entspannt. Das Virus und seine Auswirkungen sind bisher kaum wahrnehmbar. Durch die wenigen Maßnahmen gibt es nur wenige Veränderungen und die Gefahr ist für viele kaum fassbar. Lediglich Abstandsmarkierungen im Supermarkt und Schilder mit Hygieneregeln in den Geschäften stellen eine sichtbare Veränderung dar. Ich bemerke aber, dass im Supermarkt und auf der Straße in vielen Fällen der empfohlene Sicherheitsabstand eingehalten wird“, berichtet die Abiturientin.

So weit weg von der eigenen Paderborner Heimat zu sein, gehe auch mit Sorgen der Eltern von Friederike Meschede einher. „Aber sie vertrauen mir, unterstützen mich in meiner Entscheidung, in Schweden zu bleiben.“ Für Friederike selbst sei es gut zu wissen, dass sie jederzeit zu Hause willkommen sei.

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© Text: Bonifatiuswerk