Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 07.05.2020

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  • Corona-Update - 07.05.2020

Palästina verlängert den Notstand, US-Bischöfe fordern Untersuchung von Sars-CoV-2-Infektionen unter Latinos und Schwarzen und philippinische Gastarbeiter können wegen eines Einreisestopps nicht nach Hause. Der Tagesüberblick.

Manila schließt Flughäfen – Arbeitskräfte sitzen im Ausland fest

Die Philippinen haben wegen der erwarteten Rückkehr Zehntausender Arbeitskräfte aus dem Ausland die Flughäfen des Landes geschlossen. Damit wollten die Behörden die Quarantäne-Einrichtungen entlasten, sagte der Leiter der Antivirus-Taskforce der Regierung, Carlito Galvez, am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur PNA.

Hunderttausende philippinische Migrantenarbeiter sind laut philippinischen Medien von der mit nur achtstündiger Vorwarnung erfolgten Flughafenschließung betroffen. Viele hätten wegen der Corona-Krise ihre Arbeit verloren und säßen in ihren Gastländern fest, hieß es.

Der Export von Arbeitskräften ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor der Philippinen, dem größten mehrheitlich katholischen Land Asiens. 2019 arbeiteten weltweit nach Regierungsangaben mehr als 12 Millionen Philippiner (10 Prozent der Einwohner) als Haushalts- und Pflegekräfte, Bauarbeiter, Seeleute sowie auf Ölfeldern. Laut der philippinischen Zentralbank überweisen sie jährlich umgerechnet rund 30 Milliarden Euro an ihre Familien und tragen damit zehn Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Nach den USA sind die islamischen arabischen Länder dabei die größten Arbeitsmärkte.

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Weltkirche.de-Dossier

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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Abbas verlängert Notstand für Palästina um weiteren Monat

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat den seit Anfang März geltenden Notstand um weitere 30 Tage verlängert. Er folgt damit den Empfehlungen des palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Schtajjeh, der bei einer Lockerung einen erneuten Anstieg der Covid-19-Infektionen befürchtet, wie örtliche Medien am Dienstag berichteten.

Auch das palästinensische Gesundheitsministerium hatte sich für eine Aufrechterhaltung des Notstands ausgesprochen, bis die Pandemie unter Kontrolle sei. Verboten bleiben damit unter anderem Versammlungen sowie Gebete in Kirchen und Moscheen. Weiterhin geschlossen bleiben auch Schulen und Bildungseinrichtungen.

Zuletzt waren im islamischen Fastenmonat Ramadan in Hebron und Nablus wieder mehr Menschen in den Straßen zu sehen. Medienberichten zufolge kam es zu Zusammenstößen zwischen Ladenbesitzern und Sicherheitskräften wegen unerlaubter Wiedereröffnungen.

Nach palästinensischen Angaben hatte es zuletzt keinen nennenswerten Anstieg der Infektionen gegeben. Demnach sind in den palästinensischen Gebieten einschließlich Ostjerusalem und dem Gazastreifen 532 Corona-Fälle bestätigt. In Ostjerusalem und im Westjordanland starben jeweils zwei Menschen an dem Virus.

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Bischöfe: Covid-Mortalität von Schwarzen und Latinos untersuchen

Die katholische US-Bischofskonferenz fordert die Regierung auf, die Ursachen für die hohe Infektionszahl unter Schwarzen und Latinos während der Corona-Pandemie zu untersuchen. Afroamerikaner seien unverhältnismäßig häufig mit dem Virus infiziert, heißt es in einer Erklärung von Montag (Ortszeit). Auch sei die Todesrate deutlich höher als der Anteil der Schwarzen und Latinos in der US-Gesamtbevölkerung.

In St. Louis entfallen demnach 64 Prozent der registrierten Corona-Fälle auf Schwarze, bei 45 Prozent Bevölkerungsanteil. In New York starben anteilig 28 Prozent Schwarzafrikaner an dem Virus, die aber nur 22 Prozent der Bürger in der Metropole ausmachen. In der Hauptstadt Washington sei die Infektionsrate unter Hispaniern doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Bevölkerung.

Die Bischöfe weisen darauf hin, dass beengte Wohnverhältnisse und mangelnde medizinische Versorgung für den Anstieg der Infektionszahlen unter Schwarzen und Latinos verantwortlich sein könnten.

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Corona-Pandemie - 04.05.2020

Nach mehreren Wochen, in denen Corona-bedingt keine Gottesdienste gefeiert werden durften, überlegen Religionsgemeinschaften weltweit, wie Menschen wieder als Gemeinschaft ihren Glauben leben können, ohne damit weitere Corona-Wellen zu verursachen. Dabei kommen unterschiedliche Modelle zur Sprache. Ein Überblick.


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Rios Christus-Statue trägt Maske aus Licht

Die weltberühmte Christusstatue auf Rio de Janeiros Berg Corcovado wird zu einem Symbol für die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Am Wochenende wurde eine Schutzmaske auf die hoch über der Stadt aufragende Figur projiziert. Am Ostersonntag hatte die Statue bereits einen „Arztkittel“ getragen. Rio hat laut aktuellen Medienberichten mittlerweile über 1.000 Corona-Opfer sowie mehr als 11.000 Infizierte zu beklagen, weshalb den Krankenhäusern nach Angaben der Behörden in den nächsten Tagen der Kollaps droht.

„Wieder einmal ist die Christusstatue das herausragende Symbol einer Kampagne für das Leben“, sagte Padre Omar Raposo, Verwaltungsdirektor der Statue in der Erzdiözese, der Zeitung „O Globo“. Während Mund und Nase der Statue per Lichtprojektion mit einer weißen Maske bedeckt waren, war auf der Brust der Slogan „Masken retten“ zu lesen. Zu Ostern „trug“ sie dank derselben Technik einen Arztkittel; zudem wurden die Gesichter von Ärzten und Krankenpflegern aus Rio auf die Statue projiziert.

In Rio de Janeiro herrscht seit einigen Tagen Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. In Geschäften und öffentlichen Transportmitteln haben nur Personen mit Mund-Nasen-Schutz Zutritt. Jedoch sind auf den Straßen viele Menschen ohne Masken zu sehen. Sowohl Rios Bürgermeister Marcelo Crivella wie auch der Gouverneur des Gliedstaates Rio de Janeiro, Wilson Witzel, setzen sich vehement für die Einhaltung der Beschränkungen ein. Allerdings mischt sich Staatspräsident Jair Messias Bolsonaro fast täglich ohne Maske unter seine Anhänger, was die Akzeptanz der Maßnahmen nach Ansicht von Kritikern in ganz Brasilien untergräbt.

Die Christusstatue ist Brasiliens berühmtestes Symbol. Sie wurde 1931 auf dem 710 Meter hohen Corcovado-Berg errichtet und zieht jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an. Die Figur, in deren Sockel eine Kapelle eingelassen ist, ist Eigentum der katholischen Kirche und untersteht der Verwaltung der Erzdiözese von Rio.

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Drastische Corona-Maßnahmen: Menschenrechtler sehen Meinungsfreiheit in Äthiopien in Gefahr

Die Presse- und Meinungsfreiheit in Äthiopien gerät in der Corona-Krise nach Einschätzung von Menschenrechtlern unter Druck. Die Regierung nutze Anti-Corona-Maßnahmen aus, um diese Rechte zu beschränken, kritisierte die Organisation Human Rights Watch (HRW) am Mittwoch. „Falschinformationen über die Pandemie können Anlass zur Sorge bieten, aber nicht zur Begrenzung der Meinungsfreiheit“, mahnte die HRW-Direktorin am Horn von Afrika, Laetitia Bader.

Die Regierung unter Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hat laut HRW ein neues Gesetz zu Hassrede und Fehlinformationen erlassen, demzufolge Behörden missliebige oder kontroverse Meinungen für „falsch“ erklären können. Nutzer der Sozialen Netzwerke mit über 5.000 Followern können für Verstöße stärker bestraft werden. Eine weitere Regelung untersagt den Medien, über das Coronavirus in einer Weise zu berichten, die „Schrecken und unangemessene Angst in der Bevölkerung“ verursachen könnte. HRW bemängelt zudem unklare Formulierungen, die es Journalisten, Aktivisten und Internetnutzern zusätzlich erschwerten, die Regeln zu beachten.

Bereits in den vergangenen Jahren seien ähnlich unausgereifte Gesetze in Äthiopien entstanden, kritisierte HRW. Bader forderte das Parlament und die Öffentlichkeit auf, die Anwendung der neuen Regelungen in den fünf angekündigten Monaten des Notstandes genau zu beobachten. Nur so lasse sich sicherstellen, „dass sie nicht missbraucht werden oder weiterhin in Kraft bleiben, wenn die Gesundheitskrise endet“.

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Caritas Internationalis zur Corona-Krise: Müssen schnell handeln

Caritas Internationalis ruft die internationale Gemeinschaft zu schnellem Handeln in der Corona-Pandemie auf. Die sozialen Nachwirkungen könnten sonst Millionen Menschen das Leben kosten, erklärte der weltweite Dachverband am Mittwoch in Rom. Die gegenwärtige Entwicklung führe direkt in eine "ernste humanitäre Krise".

Leider konzentrierten sich Politik und Medien seit Monaten nur auf die Eindämmung des Virus. Dabei seien die ökonomischen Folgen der Pandemie um ein Vielfaches tödlicher, vor allem für die ärmsten Länder der Erde. Der Lockdown in Europa, China, Japan und den USA habe den weltweiten Handel zum Erliegen gebracht. Nun könnte bis zu 230 Millionen Menschen in diesem Jahr der Hungertod drohen, doppelt so viel wie zuvor.

"Wir wissen, dass wir uns in einer außergewöhnlichen Notlage befinden, von der zurzeit hauptsächlich die Industrieländer betroffen sind", sagte Caritas-Generalsekretär Aloysius John. Trotzdem dürfe man das Schicksal der Bevölkerung etwa in Afrika nicht außer Acht lassen.

Bereits Anfang April hatte Caritas Internationalis eine globale Kampagne gegen Covid-19 gestartet. Im Fokus stehen strukturschwache Länder. In Ruanda etwa gebe es bislang kein ausreichendes Bewusstsein für die aktuelle Seuchengefahr, weil die Bevölkerung unter schlimmer Nahrungsmittelknappheit leide. "Sie sagen: 'Wir sterben lieber an Covid als zu verhungern', so der Generalsekretär.

Caritas Internationalis ist der Dachverband von 165 nationalen Caritasverbänden; diese sind in rund 200 Ländern in der Not- und Entwicklungshilfe sowie in Sozialdiensten tätig. Das internationale Netzwerk gehört auch einer von Papst Franziskus eigens geschaffenen Vatikan-Kommission zum Umgang mit den Corona-Folgen an.

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Weltkirche.de-Dossier

Wie wirkt sich die Sars-CoV-2-Pandemie auf unterschiedlichen Erdteilen aus? Weltkirche.de trägt die Informationen zusammen.


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Kirche und Politik erinnern an Weltkriegsende vor 75 Jahren

Bundesweit erinnern Politik, Kirche und Gesellschaft an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Wegen der Corona-Krise sind zentrale Gedenkveranstaltungen rund um den 8. Mai allerdings nur eingeschränkt möglich.

Der brandenburgische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte das Zusammenwachsen Europas nach dem Krieg. Die daraus entstandene Europäische Union diene vor allem "dem Frieden und dem Wohlergehen der Menschen unseres Kontinents", erklärte er im Vorfeld des Gedenktages. Es komme weltweit mehr denn je auf Solidarität über die Ländergrenzen hinaus an. "Diese große Lehre aus dem Leid des Krieges ist heute aktueller denn je."

Eine Kranzniederlegung gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Vertretern der anderen Verfassungsorgane in der Neuen Wache in Berlin soll am Freitag stattfinden. Woidke bedauerte, dass der Gedenktag wegen der Corona-Krise nicht gemeinsam in Deutschland und Europa begangen werden könne.

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