Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 04.05.2020

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In Thailand schnellen wegen Corona die Suizid-Raten in die Höhe, in Italien wird Trauernden Fieber gemessen und Hilfsorganisationen fordern Merkel zu Solidarität auf. Der Tagesüberblick.

Mehr Suizide in Thailand – Angst vor Covid-19-Armut

In Thailand hat die Corona-Krise in den vergangenen Wochen zu einem starken Anstieg von Suiziden geführt. Experten führen dies auf die Angst vieler Thailänder vor Job- und Einkommensverlusten zurück, wie der asiatische Pressedienst Ucanews am Freitag berichtet. Zudem empfänden die Menschen die finanzielle Soforthilfe der Regierung in Höhe von 5.000 Bath (140 Euro) als unzureichend.

Laut einer Studie der Universität von Chiang Mai hingen seit 26. März 38 Suizidversuche, von denen 28 tödlich endeten, mit dem Lockdown, Geschäftsschließungen und Arbeitsplatzverlusten zusammen. Dies seien Anzeichen für das schwere Versagen der Regierung im Umgang mit der Situation, hieß es. Gründe seien auch Verzögerungen und Ineffektivität bei der Verteilung der Finanzhilfen.

Die Wissenschaftler äußerten zudem die Befürchtung, die Zahl der Suizide aufgrund wirtschaftlicher Folgen der Corona-Krise könnte schon bald die Zahl der Covid-19-Toten übersteigen. Am Freitag waren in Thailand 54 Menschen an dem Virus gestorben und 2.960 infiziert.

Besonders betroffen von der Krise sind die Dienstleistungsbranche und die Fabriken als wichtigste Sektoren der thailändischen Wirtschaft sowie der Tourismus, der 20 Prozent des Bruttosozialprodukts des Königreichs ausmacht. Er ist durch die weltweiten Reisebeschränkungen völlig zum Erliegen gekommen. Auf das ganze Jahr gerechnet, wird ein Rückgang der Touristenzahlen um 60 Prozent erwartet. Millionen von Einheimischen sowie Migrantenarbeiter aus den Nachbarländern haben ihre Arbeitsplätze verloren und auch nach Ende des Lockdowns keine unmittelbaren Beschäftigungsaussichten.

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Illegale Migranten fliehen aus Spanien zurück nach Afrika

Es ist ein skurriles Zeichen der Not: In der Corona-Krise versuchen Migranten von Spanien übers Meer wieder nach Afrika zu gelangen. Aus Angst vor Ansteckung, aber vor allem wegen der verschlechterten Wirtschaftslage. Zum ausführlichen Beitrag!

Weltkirche.de-Dossier

Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation


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Kirche in Italien plant Temperaturmessung bei Begräbnisfeiern

Die katholischen Bischöfe in Italien planen Messungen der Körpertemperatur, um die Sicherheit der Teilnehmer von Beerdigungsfeiern zu gewährleisten. Dies ist in Bestimmungen der Italienischen Bischofskonferenz zu lesen, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern, müsse "die Messung der Körpertemperatur durch einen Sicherheitsbeauftragten mit einem digitalen Thermometer oder einem Thermoscanner" garantiert werden, heißt es. Der Zugang für Personen mit einer Körpertemperatur über 37,5 Grad sei verboten.

Nach dem umfassenden Corona-Lockdown in Italien sind ab dem 4. Mai Beerdigungsfeiern mit bis zu 15 nahen Angehörigen unter strengen Seuchenschutzvorkehrungen erlaubt. Die Anwesenden müssen Schutzkleidung tragen und einen Sicherheitsabstand einhalten. Öffentliche Gottesdienste bleiben bis auf weiteres untersagt. Die Bischofskonferenz verhandelt derzeit mit der italienischen Regierung über eine Lockerung des Verbots in den nächsten Wochen.

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Appell an Merkel: Globale Solidarität gegen Covid-19 beweisen

Ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen und Einzelpersonen ruft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich dafür einzusetzen, dass niemand beim Kampf gegen das Coronavirus benachteiligt oder ausgeschlossen wird. Die Bundesregierung solle etwa bei der Online-Geberkonferenz am heutigen Montag „alles in ihrer Macht Stehende tun, damit egoistische Interessen von Staaten oder Gewinnerwartungen von Firmen nicht über das Leben von Menschen gestellt werden“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Offenen Brief.

Zu den Unterzeichnern zählen auch kirchliche Hilfsorganisationen wie Misereor, Brot für die Welt, medico international oder das Missionsärztliche Institut Würzburg. Vor allem die Gesundheit und der Schutz der am meisten Gefährdeten und Benachteiligten sollten im Fokus stehen, fordern sie: „Menschen in den Ländern des Südens, die in Slums, in Flüchtlingslagern oder in Krisenregionen leben, aber auch Menschen ohne Wohnung oder geregelten Aufenthaltsstatus in Deutschland.“

„Gesundheit ist ein Menschenrecht, auch in Krisenzeiten,“ so die Unterzeichner weiter. Die Finanzierungskonferenz unter der Leitung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sei eine wichtige Chance. Doch dafür müsse Merkel „als Ko-Vorsitzende der Konferenz entscheidend dazu beitragen, dass nun nicht privatwirtschaftliche und nationalstaatliche Interessen dominieren, sondern die Kräfte gebündelt werden, damit niemand zurückgelassen wird“.

Neben der Forschungsfinanzierung gelte es dabei sicherzustellen, dass die Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen: „Die Produktion von neuen Impfstoffen, Diagnostika und Therapien sollte weltweit verschiedenen Herstellern ermöglicht werden, damit der enorme globale Bedarf schnell und über Grenzen hinweg gedeckt werden kann.“ Exklusive Lizenzrechte und Monopole durch Patente einzelner Hersteller könnten dagegen zu hohen Preisen und Lieferengpässen führen. Dies gefährde Menschenleben und verletze das Menschenrecht auf Gesundheit.

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Papst unterstützt Aufruf für Gebet aller Religionen gegen Corona

Papst Franziskus unterstützt die Initiative für eine weltweite Gebetsaktion aller Religionen gegen die Corona-Pandemie. „Ich habe diesen Vorschlag angenommen“, sagte er am Sonntag nach seinem Mittagsgebet im Apostolischen Palast. Zudem betonte er abermals seine Nähe zu „allen Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind“. Diese globale Krise könne nur durch Solidarität und internationale Zusammenarbeit gelöst werden.

Das von den Vereinigten Arabischen Emiraten initiierte „Hohe Komitee der menschlichen Brüderlichkeit“ (Higher Committee of Human Fraternity) hatte am Samstag den 14. Mai als weltweiten Gebetstag gegen die Corona-Pandemie vorgeschlagen. Man dürfe in der aktuellen Krise „nicht vergessen, sich an Gott den Schöpfer zu wenden“, heißt es in einer entsprechenden Erklärung. Jeder Mensch – egal, in welchem Land oder welcher Religion – möge sich beteiligen.

Das interreligiös besetzte Komitee wurde im September in Rom gegründet. Es kümmert sich um die Umsetzung des Dokuments über die Brüderlichkeit unter den Menschen, das Papst Franziskus im Februar 2019 in Abu Dhabi mit dem Großimam von Al-Azhar, Al-Tayyeb, unterzeichnet hatte. Dem Gremium gehört auch der Präsident des Päpstlichen Rats für Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ayuso Guixot, an.

In seiner Ansprache am Sonntag ging Franziskus auch auf den an diesem Tag begangenen Weltgebetstag um geistliche Berufungen ein. Das Priestertum und das geweihte Leben erforderten Mut und Ausdauer. Ohne Gebet komme man auf diesem Weg nicht voran, so der Papst. Er lade alle ein, „den Herrn um das Geschenk guter Arbeiter für sein Reich zu bitten – Menschen, deren Herzen und Hände offen sind für seine Liebe“.

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