Papst stellt sich hinter Flüchtlingsretter auf dem Mittelmeer

  • © Bild: Alessio Mamo / KNA
  • Flucht und Asyl - 13.04.2020

Angesichts der neuen Abschottung von Häfen für Migranten hat sich Papst Franziskus hinter die private Seenotrettung gestellt. In einem persönlichen Brief an den Einsatzleiter von Mediterranea, Luca Casarini, schrieb das Kirchenoberhaupt, die Aktivisten könnten auf ihn zählen. Die italienische Zeitung „Avvenire“ veröffentlichte am Samstag im Internet ein Foto der handschriftlichen Botschaft des Papstes.

Casarini hatte in einem Schreiben an Franziskus die Lage der Menschen in den Flüchtlingslagern und die erschwerten Bedingungen für Seenotretter auf dem Mittelmeer beklagt. Dabei kritisierte er auch die Verweigerung eines Hafens für das deutsche Schiff „Alan Kurdi“ mit rund 150 Migranten.

Franziskus dankte Casarini für das „menschliche Mitleid“ angesichts der Leiden. Wörtlich schrieb der Papst: „Ich bin dir und deinen Gefährten nahe. Danke für alles, was ihr tut. Ich möchte euch sagen, dass ich immer bereit bin, euch zu helfen. Zählt auf mich.“ Datiert ist das Schreiben auf den 10. April.

Mit ihrem vielfältigen Engagement im Bereich der Flüchtlings- und Migrantenhilfe steht die Kirche an der Seite aller Schutzbedürftigen und Notleidenden: durch Beratung, Seelsorge, materielle Unterstützung und den stetigen Dialog mit Politik und Gesellschaft.


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Die Nichtregierungsorganisation Mediterranea hat wie auch Sea-Watch, Ärzte ohne Grenzen und Open Arms Rettungsfahrten wegen der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Aufnahmebeschränkungen in europäischen Häfen derzeit eingestellt. In einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag warfen die vier Organisationen Italien vor, den medizinischen Notstand flüchtlingspolitisch zu instrumentalisieren.

Augenblicklich ist nur das Schiff „Alan Kurdi“ des Regensburger Vereins Sea-Eye auf dem Mittelmeer unterwegs. Mit 149 Migranten und 17 Besatzungsmitgliedern sucht es seit Montag einen Hafen.

Jesuiten-Flüchtlingsdienst kritisiert Schließung von Häfen

Derweil äußert sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Italien besorgt über das Schicksal von Kindern, Männern und Frauen auf ihrem Weg über das Mittelmeer. Die Corona-Krise könne den Regierungen nicht als Vorwand dienen, um Häfen als nicht sicher zu erklären, hieß es in einer am Samstag verbreiteten Stellungnahme des Centro Astalli in Rom. Europa dürfe nicht Menschen den Rücken zukehren, die aus Krieg, Armut und libyschen Internierungslagern flöhen.

Die katholische Flüchtlingshilfsorganisation verlangte angemessene Quarantänevorkehrungen und Hilfe für medizinisch behandlungsbedürftige Migranten sowie Kinder und Schwangere. Die EU-Staaten sollten einen Solidaritätsplan verabschieden, so dass jedes Land nur eine geringe Zahl von Migranten aufnehmen müsse. Dies sei ohne Risiko für die innere Sicherheit möglich, so das Zentrum.

© Text: KNA

Offenbar Lösung für Geflüchtete auf der „Alan Kurdi“ in Sicht

Für die 149 Migranten auf dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ ist offenbar eine Lösung in Sicht. Laut einer Bestätigung der deutschen Behörden sei „ein Transfer auf ein italienisches Schiff konkret in Vorbereitung“, erklärte der Betreiberverein Sea-Eye in Regensburg. Jetzt werde es möglicherweise eine Einigung über die spätere Verteilung der Flüchtlinge geben. „Unsere Leute sind mit den Kräften am Ende“, hieß es in der Mitteilung.

Der Zeitpunkt des Transfers bleibe weiter unbekannt. Bis zum Dienstagabend habe es weder aus Rom noch aus Berlin eine verbindliche Antwort gegeben, teilte der Verein mit. Italien hatte am Wochenende den Vorschlag gemacht, die Migranten von der „Alan Kurdi“ auf ein größeres Schiff zu bringen und dort unter Quarantäne zu stellen. Um eine Verteilung auf EU-Staaten sollte sich demnach Deutschland als Flaggenstaat kümmern. Italien hält wegen der Corona-Pandemie seine Häfen für ausländische Schiffe mit Flüchtlingen geschlossen.

Die Migranten verbringen inzwischen die neunte Nacht auf der „Alan Kurdi“. Die Kapitänin Bärbel Beuse rechne mit hohem Wellengang; viele Gerettete, die an Deck übernachten, würden dann durchnässt und seekrank. „Wenn die See am Mittwochmorgen abklingt, könnten viele Menschen an Bord vor Erschöpfung einfach zusammenbrechen“, so Sea-Eye.

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2020 inhaltlich durch die sich abzeichnende Lösung für die Geflüchteten auf der Alan Kurdi ergänzt.

© KNA

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