Zehn Jahre „Brot für alle Menschen“

  • Erzbistum Bamberg - 01.10.2019

Mit einem Symposium hat die Stiftung „Brot für alle Menschen“ von Erzbischof Ludwig Schick auf ihr zehnjähriges Wirken zurückgeblickt. Neben der Rückschau auf bisherige Projekterfolge wurden am Samstag auch aktuelle Herausforderungen der Entwicklungshilfe thematisiert.

Die Stiftung, die Schick zu seinem 60. Geburtstag im September 2009 gegründet hat, leistet Hilfe zur Selbsthilfe vor allem im Bereich der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Die finanzielle Unterstützung geschehe dort in dreierlei Richtung, so Michael Kleiner, Referent für Weltkirche im Erzbistum Bamberg. Einerseits werden Saatgut, Düngemittel und der Bau von Bewässerungsanlagen bezahlt. Für einen langfristigen Effekt wird die Wissensvermittlung an landwirtschaftlichen Schulen finanziert. Darüber hinaus wird Geld für akute Notfälle bereitgestellt.

In den zehn Jahren wurde fast eine halbe Million Euro ausgeschüttet, wovon 16 Initiativen profitiert haben. Darunter ist die Schule des Jesuitenpaters Heribert Müller in Mosambik, die für ihre praktische landwirtschaftliche Ausbildung einen neuen Traktor sowie eine solarbetriebene Wasserpumpe bekam. Die Unterstützung bewege die Schüler dazu, „Freude an der Landwirtschaft zu finden“, so Müller. Dies verbessere die Lebenssituation vor Ort, wodurch weniger Anlass zur Migration für die Jugendlichen bestehe.

„Die wirklich Armen sind Menschen mit Würde. Macht keine Bettler aus Ihnen!“

— Pater Noel Oliver

Diese Erfahrung konnte auch Bischof André Guèye aus dem Partnerbistum Thiès im Senegal bestätigen: Die Landwirtschaft biete Zukunftsperspektiven und schaffe Arbeitsplätze, auch für Menschen mit wenig Schulbildung. Diese hätten besondere Wertschätzung verdient, betonte der Jesuitenpater Noel Oliver: In seiner Arbeit in Kambodscha und Indien erfuhr er, wie sich Menschen in Armut mit ihrem Leben arrangieren. „Die wirklich Armen sind Menschen mit Würde. Macht keine Bettler aus Ihnen!“, bat Oliver.

Die erzbischöfliche Stiftung arbeitete in der Vergangenheit auch mit Hilfsorganisationen wie Misereor zusammen. Deren Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel betonte beim Symposium: „Die kleinbäuerliche familiäre Landwirtschaft ist für uns ein entscheidender Schlüssel, damit niemand hungern muss und jeder in Würde leben kann.“ Denn etwa 70 Prozent aller unverarbeiteten Lebensmittel weltweit werden in dieser Form produziert, wie Reis, Hirse oder Ölpalmen; dabei stehen den Kleinbauern lediglich ein Drittel der Ressourcen wie Land und Wasser zur Verfügung. Dies liege an ungerechten Besitzstrukturen zugunsten von Großkonzernen, denn „Essen wird nicht hergestellt, um Menschen satt zu machen, sondern um Geld zu machen“, stellte Spiegel fest.

„Wir sehen, wie Hunger als Waffe eingesetzt werden kann“, pflichtete ihm Oliver Müller, Direktor von Caritas International, bei. Die Menschen dürften nicht in Abhängigkeit von Hilfsprojekten geraten, sondern müssten zu „Akteuren ihres Schicksals gemacht werden.“ Ihr Leid könne so weniger von der jeweiligen Regierung ausgenutzt werden.

Erzbischof Schick betonte das Ziel seiner Stiftung: „Ich möchte, dass alle Menschen dankbar sind, wenn sie jeden Tag genug zu essen haben. Aus dieser Dankbarkeit erwächst Achtsamkeit, die uns fragen lässt, wie wir denen helfen können, die das tägliche Brot nicht haben.“ Er bekam zum Abschluss das Buch „Gebt ihr ihnen zu essen! Bedeutung und Potenzial kleinbäuerlicher Landwirtschaft“ überreicht, in dem die Arbeit der Stiftung vorgestellt wird. Laut Siegfried Grillmeyer, Direktor der Nürnberger Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus und Mitherausgeber, soll die Publikation Anregung und Impulse für die weitere Arbeit geben. Das Buch ist in der „edition cph“ erschienen und für 5 Euro erhältlich.

© Silvia Franzus (Pressestelle Erzbistum Bamberg)