US-Bischöfe besuchen Grenze zu Mexiko

  • USA/Mexiko - 27.09.2019

Die USA wollen künftig nur noch 18.000 Flüchtlinge jährlich aufnehmen. Vor dem Welttag der Flüchtlinge und Migranten, den die Kirche am Sonntag begeht, machten sich mehrere Bischöfe an der Grenze ein Bild von der Lage.

Für Bischof Oscar Cantu von San Jose hat das Thema Einwanderung eine persönliche Dimension. Seine Eltern kamen vor sechs Jahrzehnten aus einer kleinen mexikanischen Stadt bei Monterrey in die USA. Sie fanden in Texas Arbeit und gründeten eine Familie.

Der kleine Oscar kam als fünftes von acht Kindern in der texanischen Metropole Houston zur Welt. Er besuchte dort eine katholische Schule, studierte in Dallas, erhielt 1994 die Priesterweihe und qualifizierte sich an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom für höhere Aufgaben.

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Gemeinsam mit mehreren anderen US-Bischöfen besuchte er in der vergangenen Woche die US-Südgrenze und traf mit Flüchtlingen und Migranten im texanischen El Paso und im mexikanischen Ciudad Juarez zusammen, um sich ein Bild von ihrer Situation zu machen. Der Besuch fand im Vorfeld des Welttags der Flüchtlinge und Migranten statt, den die Kirche am Sonntag begeht.

Die Bischöfe zeigten sich anschließend besorgt. Es sei verheerend, die Träume der Migranten zerstört zu sehen, zitiert der katholische US-Pressedienst CNS Bischof Cantu. „Träume, die meine eigenen Eltern als Einwanderer aus Mexiko vor 60 Jahren hatten.“

Die Bischöfe, zu denen auch Mark Seitz von El Paso, Peter Baldacchino von Las Cruces, Brendan Cahill von Victoria und John Stowe von Lexington gehörten, waren zuvor diesseits und jenseits der Grenze mit Flüchtlingen und Migranten zusammengetroffen. Auf mexikanischem Boden begegneten sie Menschen, die auf eine Einreise hofften, in den USA Migranten, die auf ihre Abschiebung warteten.

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„Wir sind ganz besonders besorgt über die Flüchtlinge, die in Ciudad Juarez festsitzen“, sagt der Bischof von El Paso, Mark Seitz. Laut CNS warteten zum Zeitpunkt des Besuchs der Bischöfe rund 1.750 mexikanische Staatsangehörige an der Grenze auf die Möglichkeit, einen Asylantrag in den USA zu stellen.

Seit die US-Regierung am Kongress vorbei sogenannte sichere Drittstaaten-Regelungen schuf und neue Bestimmungen erließ, die es Flüchtlingen drastisch erschweren, in die USA zu kommen oder dort zu bleiben, sind die Kapazitäten auf mexikanischer Seite ausgereizt.

Die neuen Obergrenzen der US-Regierung für das kommende Haushaltsjahr dürften die Situation weiter verschärfen. Demnach wollen die USA in den kommenden zwölf Monaten statt wie bisher 30.000 legale Flüchtlinge nur noch 18.000 ins Land lassen. Unter Barack Obama waren es zuletzt noch 110.000. Eine Zahl, die damals schon von Kirchen und Flüchtlingsverbänden als „viel zu niedrig“ kritisiert worden war.

„Die gegenwärtige Bürde auf dem US-Einwanderungssystem muss gemildert werden, bevor es möglich wird, eine größere Zahl an Flüchtlingen anzusiedeln“, heißt es in einer Erklärung des US-Außenministeriums. Ein großer Teil der Quote sei für Iraker reserviert, die dem US-Militär in der Vergangenheit geholfen hätten, hieß es. Zudem sollten vor allem Menschen aufgenommen werden, die wegen ihres Glaubens verfolgt würden.

Tatsächlich gibt es einen Rückstau von rund einer Million nicht bearbeiteter Fälle vor den Einwanderungsgerichten. Experten machen jedoch darauf aufmerksam, dass dies auch in der Vergangenheit nicht anders war und trotzdem mehr Menschen aufgenommen wurden.

Vergangene Woche veröffentlichte die Zensus-Behörde neue Zahlen, die auf einen drastischen Rückgang der regulären Einwanderung hinweisen. Demnach verzeichneten die USA den geringsten Zuwachs an Einwanderern seit einem Jahrzehnt. Den Angaben zufolge kamen 2018 etwa 200.000 Migranten hinzu. So wenig wie seit 2008 nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 70 Prozent.

Aus Sicht des vatikanischen Regionalkoordinators für Migration, Robert Stark, der die katholische Delegation in El Paso begleitete, machen die Zahlen einen Verlust deutlich. Einwanderer und Flüchtlinge seien „ein Geschenk“. Papst Franziskus habe die Aufgabe der Kirche als „Feld-Hospital“ beschrieben. „Dort ist jeder ein Verwundeter und jeder ist berufen, ein Heiler zu werden.“