Eritreas Kirche kritisiert Verstaatlichung von Schulen

  • Eritrea - 12.09.2019

Eritreas Kirche hat die Beschlagnahmung katholischer Schulen durch die Regierung in Asmara kritisiert. Es sei „kein plausibler Grund“ hinter der staatlichen Maßnahme zu erkennen, zitierte die BBC am Mittwoch aus einem Brief der Bischöfe an Eritreas Bildungsministerium. Die Entscheidung, diese strategisch wichtigen Einrichtungen zu schließen, habe die Eritreer nicht nur „sprachlos gemacht“, sondern könnte darüber hinaus dazu beitragen, dass noch mehr Menschen das Land verließen.

Berichten zufolge hatte das Regime in Asmara vergangene Woche mindestens sieben Mittelschulen von der katholischen Kirche beschlagnahmt. Damit ging der Streit zwischen Kirche und Staat in dem ostafrikanischen Land in die nächste Runde, nachdem die Regierung im Juni bereits 22 katholische Kliniken verstaatlicht hatte. Damals war die Armee in die Krankenhäuser entsandt worden. Soldaten hatten Patienten und Ärzte nach Hause geschickt.

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Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass in Eritrea Kirche und Staat aneinandergeraten. Die jüngsten Verstaatlichungen katholischer Krankenhäuser reihen sich ein in eine historische Auseinandersetzung der kleinen katholischen Minderheit mit dem Regime, die bis zur Gründung des ostafrikanischen Landes 1993 zurückreicht.


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Der Schritt sorgte international für Kritik. Eritreas Regierung beharrt darauf, mit der Verstaatlichung bloß ein Gesetz von 1995 umzusetzen, das Kirchen verbiete, „entwicklungsorientierte Aufgaben“ zu übernehmen. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) verteidigte Eritreas Informationsminister, Yemane Gebremeskel: „In den meisten multireligiösen und -kulturellen Gesellschaften existieren Regeln, die die gegenseitige Toleranz und das Nebeneinander verschiedener Religionen lenken.“ Das sei selbst in Europa der Fall.

Beobachter vermuten allerdings die Kritik der katholischen Kirche an den Zuständen im Land hinter dem Vorgehen. Diese prangerte zuletzt vermehrt den autoritären Regierungsstil von Präsident Isayas Afewerki an. Jährlich fliehen Tausende Eritreer vor Zwangsarbeit und Unterdrückung.

© KNA