Mit dem Fahrrad für Straßenkinder weltweit

  • Weltkirche - 06.03.2019

Auf dem Sofa herumsitzen ist nicht Peter Friemels Ding: Der 81-jährige Rentner fährt seit vielen Jahren Fahrrad zugunsten von Salesianerprojekten für benachteiligte Kinder und Jugendliche weltweit. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau. Eine Begegnung mit zwei besonders engagierten Menschen.

An Aufhören denkt Peter Friemel noch lange nicht. „Solange meine Knochen mitmachen, steige ich aufs Rad.“ Das macht der pensionierte Lehrer aus Lüdinghausen bei Münster aus gutem Grund: Er sammelt mit seinen Fahrradtouren Spenden für Projekte der Salesianer für benachteiligte Kinder und Jugendliche weltweit. Mit seiner Frau Luise ist er zur großen Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Don Bosco Mission nach Bonn gekommen.

„Ich war bereits als Kind fasziniert vom Einsatz des Heiligen Don Bosco für benachteiligte Jugendliche und Straßenkinder“, sagt Peter Friemel. Er wuchs in Thüringen auf und begegnete in der Diaspora-Gemeinde Ohrdruf einem Pfarrer, der viel von Don Bosco erzählte. Friemel besuchte später eine Don-Bosco-Schule, studierte in Benediktbeuern und wurde Haupt- und Gesamtschullehrer. Dort wollte er auch im Sinne von Don Bosco handeln: Er sammelte mit seinen Schülern Altpapier. Diese Umweltaktion weitete sich in Lüdinghausen aus zur stadtweiten, pfarrübergreifenden Papieraktion mit 80 Schülern und Jugendlichen, die in zehn Jahren 3.000 Tonnen Altpapier sammelten und mit 130.000 Deutschen Mark Ausbildungsstätten in Monze, Sambia sowie ein Frauenprojekt in Mosambik unterstützten. Darüber hinaus war Friemel an der Gesamtschule Mitbegründer des Vereins „Roter Keil “, der sich gegen Kinderprostitution einsetzt.

Seit 47 Jahren verheiratet, seit Jahrzehnten im Einsatz für arme Kinder weltweit: Peter und Luise Friemel.

Andreas Mesli

Nach seiner Pensionierung 2001 sollte noch lange nicht Schluss sein: Peter Friemel stieg aufs Fahrrad. Seine Touren führten ihn nach Schweden, Ungarn, Polen, Litauen bis nach Russland, um Spenden für Don-Bosco-Projekte zu sammeln. Die längste Tour war 1.900 Kilometer lang, die er in rund 16 Tagen schaffte. Insgesamt kamen durch seine Fahrradtouren mehr als 160.000 Euro zusammen. „Ich wusste, wofür ich fahre: Für Kinder auf der Schattenseite des Lebens. Das hat mich immer angespornt“, sagt der heute 81-Jährige.

Seine Frau, Luise Friemel, unterstützte ihn stets dabei. Die Tagesberichte, die Peter Friemel über seine Tour-Etappen schrieb, schickte er jeden Abend per Fax nach Hause, wo Luise Friemel sie abtippte und schließlich mithilfe eines Freundes ins Internet stellte, damit alle Unterstützer mitlesen und -fiebern konnten. Auch Ansichtskarten verschickte Peter Friemel von unterwegs an die einzelnen Spender und Sponsoren. „Der persönliche Kontakt zu ihnen ist sehr wichtig“, weiß er. Als Dankeschön erhalten die Spender von den Friemels eigens hergestellte Marmelade, die sie „Don-Bosco-Marmelade“ getauft haben. Im vergangenen Jahr verschenkten sie zudem rund 400 Liter selbstgemachten Apfelsaft aus Äpfeln ihres Gartens. Und noch ein Ritual hat sich eingespielt: Der neunjährige Enkel Lucas begleitet seinen Opa Peter Friemel immer zum Start, wenn dieser wieder auf Tour geht. Seit seinem zweiten Lebensjahr fährt der Kleine Rad und hat auch immer sein eigenes dabei, wenn der Großvater aufbricht.

Ordensgemeinschaften - 24.01.2019

Die Salesianer Don Boscos fordern mehr psychosoziale Unterstützung für die Menschen im Südsudan. Besonders Kinder seien traumatisiert durch den Bürgerkrieg – rund 19.000 seien als Kindersoldaten eingesetzt worden, so der Salesianer Lothar Wagner am Donnerstag in Bonn. Er lebt seit Juni 2018 in dem jüngsten Land der Welt und ist dort Koordinator für den Kindesschutz.


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Natürlich zollt dieser tatkräftige Einsatz auch seinen Tribut: „Einmal, in Russland, überfielen mich zwei Hunde auf dem Fahrrad und ich bin gestürzt“, erzählt Peter Friemel. „Ich habe mir das Schienbein aufgerissen – bin aber weitergefahren“, sagt er mit seinem verschmitzten Lächeln. Ein anderes Mal stürzte er beim Radtraining in Deutschland und brach sich den Finger – der Ehering musste aufgeknipst werden. „Darin steht: Ama et fac quod vis – Liebe, und dann mach was du willst“, sagt Luise Friemel. Dieser Spruch hat die beiden durch 47 Jahre Ehe getragen. „Eine Goldschmiedin hat die Enden zusammengefügt und die Inschrift erhalten.“

Ein Buch könnten die beiden über ihre Erlebnisse schreiben. „Aber mir fehlt das nötige Sitzfleisch“, so Peter Friemel. „Auch als Rentner sollte man nicht nur auf dem Sofa herumsitzen und Fernsehen.“ Wie der Heilige Don Bosco bereits sagte: „Tu, was du kannst, Gott macht den Rest.“

Von Claudia Zeisel

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