Papst hebt Sanktionen gegen Befreiungstheologen auf

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  • Befreiungstheologie - 18.02.2019

Papst Franziskus hat sämtliche Sanktionen gegen den nicaraguanischen Befreiungstheologen Ernesto Cardenal aufgehoben. Das berichten unter anderem die spanische Zeitung „El Pais“ und das italienische Portal „Il Sismografo“ mit Bezug auf den päpstlichen Botschafter in Nicaragua.

Der 94-jährige Priesterdichter und zeitweilige Minister der einstigen Revolutionsregierung befindet sich seit zwei Wochen wegen einer Niereninfektion in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Managua.

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„Wie kann man als Christ, als Christin inmitten von Armut und Ungerechtigkeit leben?“ Dies ist die Ausgangsfrage, aus der in der 1960er und 1970er Jahren eine bedeutende theologische Strömung entsteht, die bis heute weltweiten Einfluss ausübt: die Theologie der Befreiung.


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Am Samstag habe Nuntius Stanislaw Sommertag den Befreiungstheologen besucht und ihm mitgeteilt, Franziskus habe sämtliche Sanktionen gegen ihn aufgehoben, berichtet „Il Sismografo“. Zugleich habe der Nuntius Cardenal angeboten, mit ihm gemeinsam die erste Messe seit fast 35 Jahren zu feiern. Eine offizielle Bestätigung des Vatikan dazu gibt es noch nicht.

Wegen Cardenals politischem Engagement hatte ihm Papst Johannes Paul II. 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes verboten. Laut Kirchenrecht ist Priestern die Übernahme politischer Mandate nicht gestattet. Zuvor war Ernesto Cardenal unter anderem am Sturz des Diktators Anastasio Somoza (1925-1980) in Nicaragua beteiligt, nach der Revolution 1979 wurde er Kulturminister der sandinistischen Regierung unter Daniel Ortega. Inzwischen hat Cardenal sich von der erneut regierenden Regierung Ortega losgesagt. Dieser sei ein „kleiner, mieser Diktator“, wird Cardenal zitiert.

In den vergangenen Tagen hatte auch Managuas Weihbischof Silvio Baez den Kranken besucht und sich von ihm segnen lassen. Ein Foto der Szene sorgte in den Medien für Aufsehen.

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