Als der „Speckpater“ den Deutschen half

  • Bonn - 18.01.2013

Gebt mir Speck.“ Diese Bitte hat ihn in Deutschland berühmt gemacht. In belgischen und holländischen Dorfkirchen, in denen er auf die Not im gerade besiegten Deutschland aufmerksam machte, hat sich Werenfried van Straaten nach Ende des Zweiten Weltkriegs den Namen „Speckpater“ verdient. Auch als „letzter General des Kalten Krieges“ ist der Gründer des Internationalen Hilfswerks „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“ bekannt geworden.

Gestern wäre der 1913 im niederländischen Mijdrecht geborene Ordensmann 100 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren, am 31. Januar 2003, ist er gestorben. In den kommenden Monaten erinnert „Kirche in Not“ deshalb mit einer „Glaubenstournee“ an van Straaten. An jeder der acht Stationen in Deutschland wird ein Jubiläumsgottesdienst gefeiert.

Die materielle und geistige Not von Flüchtlingen im Nachkriegsdeutschland war es, die den Prämonstratenser zu seiner ersten Hilfsaktion veranlasste. Von seinem belgischen Kloster Tongerlo aus begann der Ordensmann, der eigentlich Künstler werden wollte, für die hungernden Deutschen Speckseiten bei den Bauern zu erbitten. Ein damals höchst unpopuläres Unterfangen, dem selbst Bischöfe widersprachen. „Ich fürchte, dass die Kirche zu oft Menschen behindert und klein hält, die große Ideen haben“, betonte der kirchenpolitisch konservative Geistliche, der sich als moderner Bettelmönch sah. Da schwangen eigene Erfahrungen mit.

Unkonventionelle Ideen im Gepäck

Immer wieder griff van Straaten zu unkonventionellen Ideen: Im zerstörten Deutschland rüstete er Sattelschlepper mit Kapelle, Beichtstuhl und Wohnräumen für Missionare aus. Zu Beginn der 50er Jahre rollten 35 Kapellenwagen durch die Bundesrepublik. Pater Werenfried, der sich von einer ausgeprägten Marienfrömmigkeit leiten ließ, war auch Gründer des 1953 ins Leben gerufenen Bauordens. Freiwillige Helfer halfen Flüchtlingsfamilien beim Bau eines eigenen Heimes. Ähnlich unkonventionell engagierte er sich auch im nach-sowjetischen Russland. Dort finanzierte sein Hilfswerk den Bau von „schwimmenden Kirchen“, die orthodoxe Geistliche über Don und Wolga zu abgelegenen Gemeinden bringen.

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Er war ein moderner Bettelmönch, für manche eine „Lichtgestalt“, eine marien-fromme Integrationsfigur vor allem der konservativen Katholiken. Doch jetzt droht ein Absturz. Gegen Werenfried van Straaten, den als „Speckpater“ berühmt gewordenen niederländischen Ordensmann, gibt es schwere Vorwürfe


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Unterstützung für Christen in Osteuropa und Russland

Besonderes Augenmerk richtete van Straaten auf die Christen in Osteuropa und Russland: Während des Kommunismus unterstützte er sie mit Geld, Hilfsgütern und Bibeln. Dabei baute er ein riesiges Netz an geheimen und öffentlichen Kontakten auf. Nach dem Zerfall des Ostblocks arbeitete er an seiner Vision: der Einheit von katholischer und orthodoxer Kirche. Auch auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. schnürte Pater Werenfried 1994 ein Hilfsangebot für die innerlich zerrissene orthodoxe Kirche und baute Kontakte mit zahlreichen Bischöfen auf. Die anfängliche Euphorie allerdings schwand, weil die Beziehungen zwischen Vatikan und orthodoxer Kirche sehr belastet waren.

Die „Eiszeit“ ist inzwischen Geschichte: „Kirche in Not“ fördert in Russland auch interkonfessionelle Projekte und – in kleinerem Ausmaß – auch orthodoxe theologische Einrichtungen. Doch die Initiative des „Speckpaters“ geht darüber hinaus: In 17 Ländern ist sein 1947 gegründetes Hilfswerk mit Sitz in Königstein im Taunus mit eigenen Sektionen vertreten. International belief sich das Spendenaufkommen auf mehr als 3,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 waren es 82 Millionen Euro, davon 9,4 Millionen Euro in Deutschland. Hauptförderländer des Hilfswerks waren die Ukraine, Indien und Brasilien.

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