Große Schäden nach Erdbeben in Peru

  • Chachapoyas - 30.11.2021

Ein starkes Erdbeben in Peru hat am Sonntag morgen (Ortszeit) zu mehreren Erdrutschen geführt und zahlreiche Gebäude zerstört, darunter auch den ältesten Kirchturm der Diözese Chachapoyas. Da Erdmassen derzeit einen Fluss aufstauen, befürchtet die Regionalregierung nun Überschwemmungen.

Das Beben der Stärke 7,5 auf der Richterskala sei „sehr plötzlich in voller Stärke" dagewesen, berichtet Pater Lino Paisic, Leiter des diözesanen Radiosenders „Horizonte" aus Chachapoyas und ehemaliger Leiter der Kirchengemeinde Jalca Grande, auf Anfrage von weltkirche.de. Bei anderen Beben habe die Erdbewegung meist eher langsam begonnen. Jalca Grande ist besonders betroffen: Die historische Kirche des Ortes, deren 24 Meter hoher Turm durch die Erdstöße erst ins Wanken geriet und dann in sich zusammenfiel, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Jalca Grande wurde um 1536 von spanischen Kolonisatoren auf dem Gebiet des damaligen Häuptlingstums Jalca gegründet.

Luftbilder aus der Region zeigen, dass Teile der nordperuanischen „Interoceánica"-Autobahn ebenso zerstört wurden wie zahlreiche Kilometer der Fernstraßen zwischen den Regionen San Martín, Amazonas und Cajamarca. Da die Städte Bagua, Jaén und Chachapoyas derzeit von der Außenwelt abgeschnitten sind, sollen sie vorübergehend über eine Luftbrücke versorgt werden. Große Teile Nordostperus sind währenddessen noch immer ohne Strom. Hunderte Häuser sind eingestürzt oder schwer beschädigt, auf den Straßen liegen zerbrochene Dachziegel oder Brocken vom Putz der Häuser. 

Geschäfte und Markthändler erhöhen derweil die Preise. „Durch die unterbrochene Straße kommen viele Produkte nur noch sehr teuer zu uns", erzählt Pater Paisic. Insbesondere die Preise für Gas und Pflanzenöl haben bereits jetzt spürbar angezogen.

Bei einem Besuch in der Region konnte sich auch Perus Präsident Pedro Castillo am Montag ein erstes Bild der Lage machen. In Jalca Grande kündigte er an, die Verhängung des Notstandes über die Region Amazonas zu prüfen. Damit könnten vorhandene Gelder auch kurzfristig für Wiederaufbauprojekte eingesetzt werden. Er bat zudem die Bevölkerung der Region, für den Fall von Nachbeben die Häuser vorübergehend nicht zu betreten.

Derweil geht am Unterlauf des Utcubamba-Flusses die Angst um. Erd- und Felsrutsche haben mehrere natürliche Staudämme gebildet, hinter denen sich nun viel Wasser ansammelt. Sobald diese brechen, kann die Flutwelle mehrere Ortschaften unter sich begraben. Der peruanische Zivilschutz hat daher mit der Evakuierung der Anwohner begonnen.

Das Epizentrum des Erdbebens lag etwa 100 Kilometer östlich der Stadt Santa Maria de Nieva in einer Tiefe von rund 131 Kilometern. Wenige Stunden zuvor hatten bereits Erdstöße der Stärke 5,2 die Küstenregion weiter südlich nahe der Hauptstadt Lima getroffen. Größere Sachschäden wurden hier nicht gemeldet.

weltkirche.de/kna

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