Adveniat fordert Umdenken bei sportlichen Großveranstaltungen

  • © Bild: KNA
  • Hilfswerk - 20.07.2021

Ein Umdenken bei sportlichen Großveranstaltungen fordert das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio. Das betreffe auch Events wie die Fußballweltmeisterschaften, betonte Adveniat-Experte Klemens Paffhausen am Freitag in Essen.

„Die Lehren aus der Fußball-WM 2014 und von Olympia 2016 in Brasilien, für die Milliarden in Sportstätten flossen, während auf der Straße hunderttausende Menschen Investitionen in Krankenhäuser und Bildung forderten, müssen in Zukunft konsequent umgesetzt werden“, so Paffhausen. „Das gilt für die 2026 unter anderem auch in Mexiko stattfindende Fußball-WM, und es muss auch bei der anstehenden Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 beachtet werden.“

Für die Austragung der Fußball-WM 2030 interessieren sich unter anderem Argentinien, Uruguay und Chile – Länder, in denen laut Adveniat vergleichbare Verhältnisse herrschen wie in Brasilien. Der Weltfußballverband FIFA dürfe keine Steuererleichterungen erhalten. „Die Gesellschaft muss von solchen Großveranstaltungen profitieren und nicht nur als Zahlmeister dienen für das Internationale Olympische Komitee, den Fußball-Weltverband FIFA oder multinationale Baukonzerne, die anschließend Milliardengewinne einfahren“, forderte Paffhausen.

Laut brasilianischen Medien hätten allein die Unterhaltskosten für die Sportstätten nach Olympia 2016 umgerechnet noch einmal 20 Millionen Euro verschlungen, so der Adveniat-Vertreter. „Fünf Jahre nach der Olympiade verrotten Sportstätten, und es werden deshalb immer noch Steuergelder für eine schlecht geplante Großveranstaltung ausgegeben, die den Menschen eigentlich Freude und Spaß bringen sollte“.

Es gehe nicht darum, Sportveranstaltungen oder die Freude daran zu verbieten. Im Gegenteil: „Der Olympische Gedanke – ein friedvolles, faires Miteinander aller Menschen – muss wieder im Mittelpunkt stehen. Deshalb sollten Mega-Sportevents ähnlich wie industrielle Großprojekte in Zukunft vorab verbindlich nachweisen, dass sie nachhaltig organisiert, finanziert und für die Gesellschaften von Nutzen sind“, mahnte Paffhausen.

Adveniat ist das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland.

© KNA