Adveniat kritisiert hartes Vorgehen gegen Migranten in Guatemala

  • © Bild: KNA
  • Zentralamerika - 19.01.2021

Angesichts der erschreckenden Bilder von Sicherheitskräften, die in Guatemala mit Schlagstöcken und Tränengas auf Migranten losgehen, betont das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat das Recht der Menschen auf Migration: „Dieses Recht müssen die Nachbarländer und die USA respektieren“, fordert Inés Klissenbauer, Mittelamerika-Referentin von Adveniat. „Mit Gewalt wird man die verzweifelten Menschen nicht stoppen können. Stattdessen sind ein Politikwechsel in Honduras und den USA sowie internationale Hilfe notwendig.“

Rund 9.000 Menschen haben sich vor wenigen Tagen aus dem mittelamerikanischen Honduras in Richtung USA aufgemacht. Sie fliehen vor einer immer schlimmer werdenden Alltagskriminalität und den Auswirkungen zweier verheerender Wirbelstürme im Herbst vergangenen Jahres. „Die beiden Hurrikane haben schlimme Verwüstungen in Honduras angerichtet“, berichtet Klissenbauer. „Hunderttausende Menschen wurden oder sind immer noch obdachlos. Die Infrastruktur des Landes wurde weitgehend zerstört und damit auch Arbeitsplätze und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft im eigenen Land. Hinzu sorgt die Corona-Krise auch in Honduras für einen Einbruch der lokalen Wirtschaft.“

Gemeinsam mit seinen Projektpartnern hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat bereits mehr als acht Millionen Euro als Corona-Nothilfe geleistet, um die Menschen in der Region direkt medizinisch sowie mit Lebensmittel- und Hygienekits zu versorgen. Angesichts der neuen Flüchtlingtrecks ist auch die Unterstützung eines Migrantenheimes im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexiko notwendig. „Von unseren Projektpartnern vor Ort hören wir, dass sie sich auf höhere Migrantenzahlen aus Honduras vorbereiten. Das hängt offenbar auch mit dem bevorstehenden Regierungswechsel in den USA und der Hoffnung auf eine neue US-Migrationspolitik zusammen“, sagt Klissenbauer. Adveniat hoffe daher auf Spenden zur Hilfe für die Flüchtlinge.

„Die Rechte der lateinamerikanischen Migranten dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden. Nie wieder dürfen tausende Kinder von ihren Eltern an der Grenze getrennt werden. Millionen in den USA lebende Migranten aus Lateinamerika müssen gültige Papiere erhalten, um sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Kein Mensch ist illegal“, sagt Adveniat-Chef Pater Michael Heinz mit Blick auf den bevorstehenden Regierungswechsel in den USA. Es sei wichtig, dass von der neuen US-Regierung ein Signal gegen Populismus, nationalen Egoismus, Abschottung und Rassismus ausgehe.

Fluchtursachen effektiver bekämpfen

„Die Corona-Pandemie zieht in Lateinamerika schwere wirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Zunehmende Armut und soziale Not sind immer Motoren für Kriminalität, Gewalt und dadurch erzwungene Migration“, sagt Pater Heinz. Die Lösung könne deshalb nicht sein, neue Mauern zu errichten. Stattdessen müssten die Fluchtursachen effektiver bekämpft werden. „Es ist eine neue Anti-Drogen-Politik notwendig. Zudem muss der illegale und legale Waffenhandel aus den USA nach Lateinamerika viel stärker reguliert, besser noch komplett unterbunden werden“, fordert Pater Heinz. Waffen aus amerikanischer Produktion verursachten Leid und Gewalt in Lateinamerika.

Vor zwei Jahren hatte einer der zahlreichen Migrantentrecks aus Honduras in Richtung USA bereits weltweite Beachtung gefunden. Die Karawane schaffte es allerdings nur bis in die nordmexikanische Grenzstadt Tijuana. Der Versuch, die amerikanische Grenze zu überwinden scheiterte. US-Präsident Donald Trump hatte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko weiter vorangetrieben, um illegale Einwanderung in die USA zu verhindern.