Nigeria: Hoffnung – trotz allem (Teil 2)

  • Reportage (2. Teil) - 16.10.2020

Die Coronakrise in Nigeria trifft die Kirche hart. Viele Menschen sind arbeitslos, Kollekten fallen aus. Bischof Stephen Mamza hält die Hilfe für Notleidende dennoch aufrecht. Doch das wird immer schwieriger. Während er sich noch über die Finanzierung von Schulpersonal bei einem Schulstart den Kopf zerbricht, erreicht ihn das Ergebnis seines Coronatests. Er hatte sich auf Verdacht testen lassen. 

Der Test war positiv. Mit einem Pressestatement wendet er sich an die Öffentlichkeit und erklärt, er werde sich in Selbstisolation zurückziehen. „Ich habe die Medien aufgefordert, über meine Infektion zu berichten. Mir ist sehr wichtig, das Virus zu entmystifizieren“, erklärt der 50-Jährige diesen Schritt. „Es gibt viel zu viele Fehlinformationen. Manche Menschen glauben nicht an die Existenz von Covid-19. Sie halten sich an keine Schutzmaßnahmen. Andere denken, die Infektion komme einem Todesurteil gleich.“

Das Stigma mit dem Virus infiziert zu sein, ist in Teilen der Bevölkerung so groß, dass viele einen Test mit allen Mitteln vermeiden wollen. Geheilten wird auf der Straße „Covid“ oder „Corona“ hinterhergerufen. Zu Beginn der Coronapandemie hatte der Bischof entschieden, das kirchliche Pastoralzentrum in ein Isolationszentrum umzuwidmen. Auch in Nigeria hatte man die Bilder aus Italien gesehen, wo viele Menschen im Frühjahr an dem Virus starben. Der Bischof beschloss, aktiv etwas zur Eindämmung der Pandemie beizutragen. Im Zentrum sollten sich Menschen isolieren, die mit vielen anderen in beengten Räumlichkeiten leben. Doch als die ersten Fälle in Yola auftraten, weigerten sich Betroffene aus Scham, in das Isolationszentrum zu gehen. Mittlerweile nutzt die Kirche das Gebäude wieder als Pastoralzentrum.

Zwei Wochen zieht sich Bischof Stephen aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Symptome sind mild. Nach einem negativen Testergebnis lädt er die Presse zum Gespräch ein. Das Coronavirus sei real, erklärt er und fordert alle auf, sich und andere zu schützten. Doch die Menschen sollten nicht in Panik geraten und keine Angst haben.

Solidarität als fester Bestandteil des Lebens der Kirche

Seit sechs Jahren versorgt die Kirche in Yola mit Hilfe von Missio 86 Familien, die auf Kirchengelände in Zelten untergebracht sind. Im November werden sie in für sie gebaute Häuser einziehen.

Hartmut Schwarzbach/Missio Aachen

„Viele Menschen haben mir Mut zugesprochen und für mich gebetet“, erzählt Bischof Stephen. Trotz der Krise blickt er positiv in die Zukunft. Irgendwie werde es weitergehen. Dabei setzt er auch auf den Zusammenhalt innerhalb seiner Kirche. So bilden jetzt die größeren Gemeinden ein Gespann mit kleineren, ärmeren Gemeinden und unterstützen sie so gut sie können mit Geld. „Trotz ausfallender Kollekten in vielen Gemeinden wird Solidarität in meiner Diözese praktiziert. Sie ist fester Bestandteil des Lebens der Kirche“, sagt Bischof Stephen.

So haben sie es in Yola schon immer gemacht. Auch als vor sechs Jahren die Geflüchteten Hilfe bei der Kirche suchten. Alle halfen, die Menschen zu versorgen. Und selbst für die 86 geflohenen Familien, die seither auf dem Kirchengrund ausharren, fand der Bischof mit Hilfe von Missio eine Lösung. Es wird gerade eine Wohnsiedlung gebaut, in der jede Familie ihre eigene kleine Doppelhaushälfte und ein Stück Ackerland zur Eigenversorgung bekommt.

„Globale Krise, die global gelöst werden muss“

Für Bischof Stephen steht fest, die Kirche wird auch in der jetzigen Krise denjenigen weiter zur Seite stehen, die sonst niemanden mehr haben. Gerade jetzt, wo es für viele Menschen um die Existenz geht. Und er sieht in dieser weltweiten Pandemie, von der die ganze Menschheit betroffen ist, auch etwas Vereinendes: „Dies ist eine globale Krise, die auch global gelöst werden muss. Wir haben die Hoffnung, dass die ganze Welt, schwarz und weiß, wir alle zusammenarbeiten, unsere Kräfte vereinen, um für dieses Problem eine Lösung zu finden. Das ist meine Hoffnung.“

Von Bettina Tiburzy

© Text: Missio Aachen