Überschwemmungen im Sudan bedrohen mehr als eine halbe Million Menschen

  • Naturkatastrophe - 19.09.2020

Anhaltende Überschwemmungen im Sudan bedrohen inzwischen die Existenz von rund 650.000 Menschen. Insgesamt sei die humanitäre Lage in dem nordostafrikanischen Land extrem angespannt, sagte der Landesdirektor der Welthungerhilfe, Michael Gabriel, am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Khartum. Die Wassermassen hätten rund 1.700 Hektar Ackerland zerstört. Weitere Regenfälle seien vorhergesagt.

Durch die Überschwemmungen breiteten sich Krankheiten wie Malaria oder das Chikungunya-Fieber aus, so Gabriel weiter. Teile des Bundesstaates Rotes Meer seien von der Außenwelt abgeschnitten. Zu den betroffenen Gebieten gehöre auch die Hauptstadt Khartum, wo der Blaue und der Weiße Nil zusammenfließen. In der Metropole leben mehr als acht Millionen Menschen.

Laut Angaben des Welthungerhilfe-Landesdirektors machen den Sudanesen nicht nur die Überschwemmungen zu schaffen. Jeder vierte Einwohner leide unter Nahrungsmittelknappheit. Eine Wirtschaftskrise treibe zudem die Preise für Lebensmittel in die Höhe. Gleichzeitig verschärfe die Corona-Pandemie die Situation im Land.

Neben der Nothilfe brauche es mittel- und langfristig wirksame Maßnahmen, um die Lage wieder etwas zu stabilisieren, so Gabriel. „Wir brauchen zum Beispiel mehr Trinkwasserleitungen, und die Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Das hoch verschuldete Land brauche dringend finanzielle Hilfe zum Beispiel vom Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank, um die eigene Wirtschaft wieder aufbauen zu können. Dafür müssten Sanktionen aufgehoben und das Land von der Liste der sogenannten Schurkenstaaten gestrichen werden. 

Der Sudan

Der Sudan ist mit einer Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern nach Algerien und dem Kongo der drittgrößte Staat Afrikas. Die Bevölkerungszahl wird nach jüngsten Schätzungen auf etwa 45,5 Millionen Menschen beziffert. Politisch instabile Verhältnisse, massive wirtschaftliche Probleme und eine unsichere Ernährungslage schlagen sich unter anderem im Entwicklungsindex HDI nieder: Dort steht der Sudan auf Platz 168 von 189 Nationen.

Übergriffe von Milizen und regionale Konflikte wie in den Bundesstaaten Darfur, Südkordofan und Blauer Nil zwangen und zwingen immer wieder Menschen zur Flucht. Mit insgesamt rund 2,1 Millionen Binnenvertriebenen belegt der Sudan im weltweiten Vergleich einen der vorderen Ränge. 2011 spaltete sich der christlich dominierte Südsudan vom muslimisch geprägten Norden des Landes ab.

Der Export von Gold und Öl gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des hochverschuldeten Landes. Potenziell fruchtbarem Ackerland stehen neben Teilen der Sahara-Wüste Regionen gegenüber, die regelmäßig unter Dürren und Wassermangel zu leiden haben. Bedeutendste Flüsse sind der Weiße und der Blaue Nil, die sich in der Hauptstadt Khartum zum Nil vereinigen.

 

© Text: KNA